Mit dem Board z'Berg Praktische Informationenfür den Snowboardtourenalltag

Für viele Jugendliche ist Skifahren out, Boarden hingegen in. Wenn die JO des SAC im Winter aktiv bleiben wollen, kommen sie nicht um Snowboardtouren herum. Die folgenden Tipps und Gedanken rund um den Aufstieg, den mühsameren Teil einer Tour, resultieren aus den Erfahrungen des Autors und Nachfragen bei verschiedenen Bergführern, bei passionierten Snowboard-Alpinisten und bei Bergsportgeschäften. 1

Welch ein Glück! Es ist kurz vor Weihnachten, und bereits liegt tiefer, frischer Pulver. Das Lawinenbulletin prophezeit «geringe Gefahr», das Wetter ist strahlend, und die vor uns liegenden Hänge der «Direttissima» sind unverspurt. Diese beliebte Variantenabfahrt vom Gipfel der Weissfluh im Davoser Skigebiet Parsenn beginnt mit einem von Felsen durchsetzten steilen Couloir. Hier darf nur bei sehr sicheren Verhältnissen gefahren werden. Umso mehr freuen wir uns über unsere «Pole»-Position. Die Erste der Gruppe wendet das Board talwärts. Anfänglich sind ihre «Turns» noch zaghaft, doch dann findet sie den Rhythmus und beginnt das Spiel mit dem Schnee. Ihr Tempo wird höher, das Brett scheint zu fliegen. Eine enge Passage gibt den Weg frei auf endlos weite Hänge. Die Kuppen, Rinnen und Schneeverwehungen reizen zu Sprüngen und verwegenen Drehungen. Wieder einmal ist offensichtlich: Das Snowboard ist das beste Schneesportgerät!

Die Frage, ob Tourenski oder Snowboard, stellt sich für die JO heute nicht mehr. Die meisten Sektionen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten schon seit Jahren gemischte Snow-board-/Skitouren sowie reine Snowboardtouren an, denn für eine wachsende Zahl Jugendlicher ist Skifahren out. Immer weniger besitzen Ski oder können Ski fahren. Wer sich als JO dem Snowboard gegenüber verschliesst, besteht im Winter vielleicht bald nur noch aus Passivmitgliedern.

Leiterinnen und Leiter wissen aber auch, dass sich Snowboards in der Tou-renpraxis unterschiedlich bewähren und sich nicht jeder Berg für das Brett eignet. Touren müssen deshalb viel umsichtiger geplant werden. Auf «gemischten» Touren braucht es mehr Rücksicht und Geduld. Gerade der Aufstieg mit dem Snowboard ist oft eine Crux. Nicht nur trägt man das fünf oder mehr Kilogramm wiegende Brett auf dem Rucksack, auch das Gehen mit Kurzski oder Schneeschuhen ist anstrengend. Mit Letzteren muss oft in einer eigenen Spur aufgestiegen werden, da die Skispur meistens zu schmal ist und zu flach verläuft. Zum Glück kehren sich dann auf der Abfahrt die Vorzeichen wieder. Tiefschneefahren ist vergleichsweise einfach, und selbst mit weniger routinierten Fahrern kommt man schnell voran. Touren wie die «Direttissima» und der Weiterweg zu den Fideriser Heubergen sowie dem Glattwang sind besonders snow-boardtauglich, denn das Verhältnis von 3:1 zwischen Abfahrts- und Aufstiegs-höhenmetern ist optimal, die Aufstiege sind kurz und einfach. Zudem werden die Abfahrtsstrecken nicht von langen Traversen, Flachstücken oder gar Gegensteigungen unterbrochen.

Abgesehen von einer snowboardge-rechten Planung entscheiden die richtig gewählten Aufstiegshilfen über das Gelingen einer Tour. Die Bergsportindus-trie bietet dazu eine fast verwirrende Vielzahl von Möglichkeiten.

Obwohl man mit einem festen Schuh alpine Stellen wie Kletterpassagen oder Eisflanken sicherer bewältigt, stellt sich die Frage, ob Soft- oder Hardboot, heute nicht mehr, fahren doch die meisten Snowboarder mit einer Softausrüstung. Darum sollte die Tourenplanung auf die weichen Schuhe ausgerichtet sein. Ist mit einer alpinen Stelle zu rechnen, dann gehören Pickel, Seil und Steigeisen in den Rucksack. Seit einigen Jahren sind sogar spezielle Eisen (z.B. 10 W von Grivel) für Softboots erhältlich. Zurechtgebogene Riemensteigeisen tun zur Not auch ihre Dienste.

Da bieten sich drei verschiedene Konzepte an: Kurzski, Schneeschuhe oder teilbare Snowboards. Auf den ersten Blick scheinen Kurzski ideal, wandert man mit ihnen doch wie mit Tourenski. In gemischten (Board/Ski) Gruppen braucht es keine separate Spur, und dank Harscheisen bewältigt man auch steile Traversen relativ sicher. Sind diese Ski aber zu kurz, wird das Spuren im Neuschnee schnell zur Qual. Einen interessanten Lösungsansatz bietet das Modell «Access» von Yvan Colliard, bei dem man in ein Bindungselement einen längeren zweigeteilten Ski einschiebt. Gegenwärtig ist die Montage aber noch zu aufwändig und das mitzuschleppende Material zu voluminös. Eine Alternative sind einteilige, jedoch weniger lange Kurzski – beispielsweise K2 (nur mit Clickerbindung erhältlich) oder Free Trek von Rossignol – von guter Qualität und relativ leicht. Mit dem Free Trek kann sogar abgefahren werden. Als Nachteile sind der stolze Preis und das sperrige Packmass anzuführen. Die langen auf dem Rucksack aufgebundenen Ski können bei einem Sturz zu Verletzungen führen. Den K2-Ski fehlen die Harscheisen, sodass sie für steile, eisige Traversen nicht geeignet sind.

Bei den in der Längsrichtung zu zwei Ski teilbaren Snowboards hat man einige Probleme gelöst: Die Ski sind relativ lang, beim Aufstieg hat man kein Snowboard und bei der Abfahrt nur die (Teleskop-)Stöcke zu tragen. Doch bis heute konnten sich die teilbaren Boards nicht etablieren. Der grosse Nachteil der Zweiteiler ist ihre Breite, die nicht in eine Ski-aufstiegsspur passt. Ausserdem werden die Fahreigenschaften kritisiert. Seit letztem Jahr ist auch ein vierteiliges Board (Jester) in Umlauf. Bei diesem sind die Aufstiegsski so schmal wie normale Tourenski. Die Montage ist einfach und schnell. Über die Funktionalität und vor allem über die Qualität dieses Produktes erhält man jedoch gegensätzliche Aussagen: Sie reichen von stabil bis hin zu unbrauchbar schwach. Ausserdem sind teilbare Boards für JOler kaum interessant, da dieses teure Produkt noch zusätzlich zum Pistenboard gekauft werden müsste.

Auch wenn Schneeschuhe Nachteile haben – anstrengendes Spuren im Tiefschnee, Hochschleppen des Board und Hinuntertragen der Schneeschuhe – haben sie sich gerade für Gruppen bewährt. Sie passen auf jeden Schuhtyp, sind schnell an- und abgezogen, leicht und preiswert. Wichtig ist die Wahl des richtigen Schneeschuhtyps, eignen sich doch nicht alle Modelle gleich gut für den alpinen Einsatz. Zum Glück ist für einmal nicht das aufwändigste und teuerste Produkt das beste. Für Snowboardtouren eignen sich vor allem die leichten Kunststoffmodelle. Es gibt sogar Stimmen, die vor Schneeschuhen mit Alurahmen warnen: Bei steilen, harten Traversen könne man mit dem glatten Metallrahmen abrutschen.

Von Snowboardern wird gegenwärtig das amerikanische Produkt Denali von MSR (Mountain Safety Research) bevorzugt. Obwohl die «Plastikdinger» auf den ersten Blick nicht besonders Vertrauen erweckend aussehen, überzeugen sie bei näherem Hinsehen: Sie haben grosse Harscheisen, eine – auch mit Handschuhen – einfach zu bedienende Bindung sowie – als einziges Produkt – besonders nützliche gezackte Längs-kufen aus Metall gegen das seitliche Abrutschen. Sinnvoll sind die zusätzlichen Verlängerungsstücke, die bei tiefem Schnee oder schwerem Rucksack für mehr Auftrieb sorgen.

Snowboard-Rucksäcke sind praktisch, denn mit wenigen Handgriffen ist das Brett darauf befestigt. Einige Modelle erlauben selbst bei aufgeschnalltem Board ungehinderten Zugriff auf den Rucksackinhalt. Doch für jene, die ihr Geld lieber in Bahnbillette statt in weiteres Material investieren möchten, gibt es einen praktischen Ausweg: Mit einem Gummispanner für ca. 2 Franken aus dem Warenhaus lässt sich das Snowboard an jedem Bergrucksack befestigen.

Übrigens entpuppte sich die Fortsetzung der «Direttissima» als weniger ideal als erwartet. Da unterwegs viel Zeit mit Springen, Picknicken und Fotografieren versäumt wurde, mussten wir bereits auf halbem Weg, bei den Fideriser Heubergen, abbrechen. Das ins Tal hinunterführende Strässchen ist aber im Winter eine vereiste Schlittelbahn – ein Desaster mit dem Snowboard. Nachdem man wieder einmal zwecks Notbremse das Brett in die Schneemauer gesteuert hatte und zahlreiche Schlitten vorbeisausen liess, wurde klar, dass man da ganz sicher mit dem falschen Wintersportgerät unterwegs war!

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