Modellregion Göschenen: Chance für zukunftsgerichteten Alpinismus

Mit einem bunten Fest und prominenten Rednern wurde am 28. Juni 1998 auf der Göscheneralp das Pilotprojekt « Modellregion Göschenen - Eine Zukunft für Mensch und Berg » offiziell gestartet. Die Projektträger erhoffen sich eine beispielhafte Wirkung für den gesamten Alpenraum.

Ein Fest zum Auftakt Der eindrückliche Festtag begann mit einem Gottesdienst in der Kapelle Göscheneralp. Anschliessend konnten sich die Gäste an Ständen über das von Mountain Wilderness initiierte Projekt informieren, Maultiere bei der Arbeit beobachten, sich unter fachkundiger Leitung abseilen lassen, an kulturhistorischen Rundgängen teilnehmen und den Festbetrieb geniessen. Und wie es einem der Grundgedanken der Modellregion entspricht, benutzten die Festbesucher das umfassende Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, das für diesen Tag erweitert worden war.

Engagierte und skeptische Töne vom Rednerpult « Der gemeinsame Weg von Stadt und Land zu einem zukunftsgerichte-ten Alpinismus ist das Spannende an diesem Projekt, erfordert aber von beiden Seiten Zuhören, Entgegen-nehmen, Prüfen und erst dann Werten; denn es könnte ja sein, dass solche städtischen Ideen einen Gewinn für uns, für unsere Region und für unsere Nachwelt bedeuten. » Damit drückte der Gemeindepräsident von Göschenen, Dr. Peter Hirzel, in seiner Ansprache die Skepsis aus, von der die Begegnung zwischen den ortsansässigen Berglern und den Städtern, die ihre Visionen vom Leben in den Bergen umsetzen möchten, geprägt ist.

Der Präsident von Mountain Wilderness ( MW ) Schweiz, Dr. Bernhard Batschelet, sprach dagegen begeistert davon, die künftigen Probleme dieser schönen Talschaft anpacken zu können. Das Kapital der wirtschaftlich ums Überleben kämpfenden Berggemeinden - die unberührte Na-tur- sei zunehmend bedroht durch die städtischen Erhältlichkeitsvorstel-lungen in bezug auf Komfort und Erschliessung. MW will demgegenüber aktiv mitdenken und mithandeln für eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Entwicklung.

In seiner Festrede warnte der Urner Nationalrat Franz Steinegger davor, die Bergbewohner als hochsub-ventionierte Folkloregruppe zu behandeln. Das letzte Wort bleibt ihnen vorbehalten, weshalb die breite Abstützung des Projekts in der Bergbevölkerung bedeutsam ist. Interessante Ansätze, wie die Idee der Direktvermarktung in der Region, sind un-terstützenswert. Das Schlagwort vom sanften Tourismus erachtet er dagegen für zu unbestimmt, denn « man darf nicht vergessen: Das Angebot hat sich nach der Nachfrage zu richten. » Die Grüsse der Urner Regierung überbrachte Regierungsrätin Dr. Gaby Huber.

Die Förderung der Berglandwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts Modellregion Göschenen. Im Bild die ganzjährig bewohnte Alpsiedlung Gwüst.

Gemeinsam für eine ganzheitliche Sichtweise Das Ziel ist, mit dem Pilotprojekt « Modellregion Göschenen » bis ins Jahr 2000 einen sanften und umweltgerechten Alpintourismus zu schaffen. Dieser soll auf der Solidarität zwischen den Menschen im Berggebiet und den Touristen basieren. Dazu braucht es die enge Zusammenarbeit der einheimischen Bevölkerung mit den Projektträgern - Gemeinde Göschenen, Korporation Uri, Kraftwerk Göschenen AG, Schweizer AlpenClub und Mountain Wilderness Schweiz. Der Einbezug der Region in diese Projektarbeit ist eine der Voraussetzungen für die finanzielle Unterstützung und Förderung durch die Stiftungen Singenberg, Binding und Johann Jacobs sowie durch das Förderprogramm Regio Plus des Bundes, das BUWAL ( 97 ) und den Migros-Ge-nossenschafts-Bund.

Ein mutiges Projekt mit Ungewissem Ausgang Für die Realisierung ist das Projekt in die vier Teilbereiche Berglandwirtschaft, Verkehr, Hüttenbewirtschaftung und Landschaftsschutz ( vgl. ALPEN 1/98, S. 51-53 ) geglie-

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