Nationale Wettkämpfe ohne Favoritin. Erstes Halbjahr 2006

Erstes Halbjahr 2006

Nationale Wettkämpfe ohne Favoritin

Im Juni waren die Schweizer Sportkletterer und -kletterinnen gefordert: Die Wettkämpfe erfolgten im Wochentakt. Darunter waren die Schweizer Meisterschaften in den Disziplinen Bouldern und Leadohne die Favoritin Alexandra Eyer.

Viel hatte sich die Zürcherin Alexandra Eyer für die Saison vorgenommen. Doch dann geschah im Training das, wovor sich viele Kletterer fürchten. Eyer, SM-Titelhalterin im Vorstieg und im Bouldern, stürzte in einer Verschneidung. Sie glaubte, sich noch einmal auffangen zu können, stemmte die Arme gegen die Wände, doch dabei gab die eine Schulter nach. Eine Operation war unvermeidlich, und die Saisonziele lösten sich in Luft auf.

Boulder-SM in Pratteln

Nach diesem Ausfall witterte die Konkurrenz in der Kategorie Damen Elite natürlich ihre Chance. Die Erste, die davon profitierte, war eine alte Bekannte der Wettkampfszene. Die Bernerin Annatina Schultz, ehemalige Schweizer Meisterin hatte den Zeitpunkt für ein Minicomeback gut gewählt. Sie kletterte Anfang Juni in Pratteln an der Boulder-SM gleich aufs oberste Podest, vor Anouk Piola aus Genf und der Bündnerin Nina Caprez. Viele der kurzen Kletterprobleme löste sie als Einzige.

Gelungene Premiere

Die neue Boulderhalle B2 in Pratteln war zum ersten Mal Austragungsort eines nationalen Wettkampfs und wohl kaum zum letzten Mal. Die grosszügige Anlage erinnerte ans Boulder-Mekka Fontainebleau und sorgte so für eine schöne Wettkampfatmosphäre. Die Favoriten bei der Elite Herren, der Berner Matthias Müller und der Jurassier Cédric Lachat liessen sich davon inspirieren. Sie kletterten die meisten Routen top, also bis zum höchsten erforderlichen Griff, während Titelhalter Daniel Winkler an diesem Tag nicht in Bestform war. Müller demonstrierte mit einem ruhigen, aber entschlossenen Kletterstil technische Brillanz und Kondition. Er siegte schliesslich vor Lachat und Remo Sommer aus Chur. Beim Nachwuchs setzten sich am Pfingstsonntag erwartungsgemäss Téo Genecand aus Genf und Christina Schmid aus Bern durch.

Schmid drängt in die Elite

Schmid und Genecand kletterten schon tags darauf in Grindelwald bei der Elite mit, als quasi zum Auftakt des Bergstei-ger-Festivals « Eiger Live » ein Boulder-Swisscup ausgetragen wurde. Die farbenfrohen, künstlichen Boulderblöcke auf dem Dorfplatz kontrastierten mit der Nina Caprez im Rampenlicht: Zwar wurde sie in der SM in Pratteln nur Dritte. Dafür revanchierte sie sich am Boulder-Swiss Climbing Cup in Grindelwald und gewann klar. Ebenso souverän holte sie sich an der Lead-SM in Schlieren den Sieg. Die Bernerin Annatina Schultz gab an der Schweizer Meisterschaft ( SM ) in der Boulderhalle B2 in Pratteln ihr Comeback: Nach zwei Jahren Wettkampfpause errang sie auf Anhieb den Titel der Boulder-Schweizer-Meisterin.

Vor der imposanten Kulisse des Eigers siegte die Österreicherin Anna Stöhr am ersten Boulder-Weltcup in Grindelwald. Dieser erfolgreichen Premiere sollen nun mindestens zwei weitere Boulder-Weltcups folgen.

Fotos: Charles Mori imposanten Eigernordwand. Diese alpine Kulisse verlieh dem Wettkampf eine besondere Note. Hier bewies Christina Schmid mit dem zweiten Platz, dass mit ihr in der Kategorie Elite künftig zu rechnen ist. Nur Nina Caprez war noch besser. Mit den neu gewonnenen Punkten ist sie wohl Anwärterin für den Cup-Sieg 2006. Bei den Herren bestätigte Matthias Müller seinen frisch erworbenen Schweizer-Meister-Titel und verwies den Freiburger Daniel Winkler und den Zürcher Unterländer David Gisler auf die Ränge zwei und drei.

Kniffliges für die Weltklasse

Vier Tage später, am 9. und 1O. Juni, folgte am selben Ort im Rahmen von « Eiger Live » ein Boulder-Weltcup mit rund 80 Teilnehmern aus 18 Ländern. In der Qualifikationsrunde erwies sich die Schweizer Delegation als überraschend stark. Doch für die Finalrunden reichte es schliesslich nicht. Matthias Müller musste sich noch hinter Cédric Lachat ( 11. Rang ) mit dem 17. Schlussrang zufrieden geben. Gefeiert wurde aber trotzdem, zusammen mit den Siegern Anna Stöhr aus Österreich und Jérôme Meyer aus Frankreich, an der Gala, mit welcher der Schweizer Bergführerverband an diesem Abend sein hundertjähriges Bestehen feierte. Aufgrund des positiven Echos der Teilnehmer haben sich die Veranstalter spontan entschlossen, auch während der nächsten drei Jahre einen Wettkampf durchzuführen.

Keine Überraschungen im Lead

Dann galt es, von kurz und heftig auf lang und anstrengend umzustellen: Im Kletterzentrum Gaswerk in Schlieren betrug die Länge der Routen bis zu 25 Meter. Nach seinem ausserordentlichen Weltcup-Sieg vor einem Jahr an denselben Wänden konnte Cédric Lachat am 17. Juni dort seinen Schweizer- Meister-Titel problemlos verteidigen. Er kletterte die Finalroute als Einziger top. Der Berner Thomas Schmid und der Zürcher Martin Jaggi stürzten vorher und belegten die Ränge zwei und drei. Bei der Elite Damen gelang Nina Caprez dasselbe Kunststück: Anouk Piola aus Genf und die Bernerin Annina Guggisberg, Plätze zwei und drei, vermochten ihr nicht bis zum letzten Griff nachzu-klettern. a Charles Mori, Eber tswil Mir ihr muss die Elite rechnen: Christina Schmid verteidigte in Schlieren souverän ihren Titel als Lead-Schweizer-Meisterin Jugend A ( 16- und 17-Jährige ). Nächstes Jahr startet sie in der Elite.

Über 20 m lange, überhängende Routen mit kleinen Griffen: Kein Wunder kam selbst der Lead-Schweizer-Meister Cédric Lachat bei der Verteidigung seines Titels in Schlieren gehörig ins Schwitzen.

Cédric Lachat an der Lead-SM in Schlieren. Erfolgreich verteidigte er seinen Titel als Schweizer Meister.

Foto: Jürg Schellenberg

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