Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Zusammengestellt von Ernst Jenny.

A. Bündner Alpen. ( Fortsetzung. ) Piz Madlain, 3101 m. Über die Südwand. B. Weishan und G. Parolini. 22. Juli 1930. Im Abstieg.

Aus der ersten Scharte westlich des topographischen Signals Abstieg in das immer steiler werdende Kamin, das etwas östlich des Mot Madlain auf Rasen endigt. Anfangs mit guten Griffen, die aber immer spärlicher werden, nahezu 2/3 der Tiefe des Kamins hinab bis zu einer schwierigen, glatten Stufe. Nach Überwindung derselben Quergang nach links ( östlich ) aus der Rinne heraus. ( Diese Stufe dürfte umgehbar sein durch Traverse oberhalb gegen Osten. ) Ein kleineres Couloir wird überschritten, und links desselben steigt man ohne Schwierigkeiten ab. Das Couloir wird im untern Teile nochmals nach rechts hinüber gequert, und mühelos erreicht man die Rasenhänge oberhalb Mot Madlain. Mitteilung von H. Frei.

Piz San Jon, 3049 m. Nordwestflanke. B. Weishan und Hermann Frei. 14. August 1931.

Vom Scarlsträsschen durch einen Lawinenzug in die Val Sass taglià ( 1 Std. ). Vom untersten Rande der grossen Geröllhänge nach rechts ( südlich ), Gemspfaden folgend, steil durch Legföhrenbestände auf die Kante des zackigen, markanten Felsgrates, der die Geröllhänge von Sass taglià südlich begrenzt. Nun der Kante nach über die erste auf die zweite Schulter, dann stets durch Legföhren eine Mulde schräg rechts hinab, um eine Felsnase herum auf den Grund der tiefen Rinne, die vom Nordgrat des San Jon herabzieht ( meist noch Lawinenreste, 2 Std. ). Rechterhand bewaldeter Kegel in der Gabelung der zwei tiefsten Runsen des Berges. Es folgt sehr steiler Aufstieg in rasendurchsetzten, kaminartigen Rinnen in der Fallirne bis auf flachere Rasenhänge ( ca. 2 Std. ). Man quert eine Rinne nach Süden, steigt auf dem nächsten Rücken hinauf gegen die Felswände. Gute Gemswechsel führen nach links ( Norden ) ob die Felswände und weiter hinauf auf die flachern Teile der Bergflanke. Nun leicht hinauf gegen die Geröllbänder, die vom Westgrat herabziehen ( Steinmann ). Die nun folgenden, nach Nordwesten abfallenden Felsschichten bieten keine Schwierigkeiten, und man erreicht den Westgrat gleich unterhalb der Graterhebung, bei der auch der Nordgrat abzweigt. Nun leicht zum Gipfel ( 2 1/2 Std. ). Dieser Aufstieg ist weniger schwierig als mühsam. Mitteilung von H. Frei.

Ungeheuerhorn-Westgipfel, 2995 m. Variante im Aufstieg. Alfred und Otto Amstad. 3. August 1931.

Von der Vereinahütte ca. 35 Minuten ins Süsertal empor. Von dort gesehen, ziehen sich vom Westgrat des Ungeheuerhorns ( Westgipfel ) drei Schuttrinnen hinab. Die mittlere ist doppelt. Wir benutzten sie zum Aufstieg. Wir gingen östlich gegen das Schneetäli an und querten dann nach Westen über Rasenbänder. Die Rinne zieht sich tief eingeschnitten, eng und steil in die Höhe. Wir hielten uns zunächst an die Felsen rechts, dann klommen wir direkt in der Rinne aufwärts, die zuoberst noch mit Schnee gefüllt war. Bevor die Rinne endigt, erstiegen wir nach links ( westlich ) steil, aber unschwierig eine Schuttrippe, die bis zum Westgrat des Ungeheuerhorns leitet, den wir vor P. 2887 erreichten. 2 1/2 Stunden von der Vereinahütte. Nun folgten wir dem Grat weiter bis auf den Westgipfel. Mitgeteilt von A. Amstad.

Ungeheuerhorn- Ostgipfel ( ca. 2950 m ). Neuer Abstieg. Alfred und Otto Amstad. 4. August 1931.

Vom Gipfel stiegen wir östlich über den Grat zum obersten Ende einer Verschneidung. Nun aber nicht durch diese hinunter ( gewöhnlicher Weg ), sondern über den plattigen Südgrat in schöner Kletterei hinab. In der Höhe des untern Endes der Verschneidung querten wir auf einem Band die Plattenwand zur Schuttrinne, die sich von den Ungeheuerhorngipfeln ins Schneetäli hinunterzieht. Mitgeteilt von A. Amstad.

Klein Seehorn, 3034 m. Südwand-Abstieg. Carl Eggerling mit Führer Paul Guler. 5. August 1931.

Vom Gipfel des Klein Seehorns zuerst kurz dem Südwestgrat folgend über den eigentlichen Gipfelaufbau hinab. Sobald als möglich in die von Schuttbändern durchzogene Südwand. Über plattige Felsen und durch Risse von Schuttband zu Schuttband hinab, zeitweise diese Bänder selbst benützend. Wir hielten dabei möglichst rechts hin, um das grosse Couloir zu erreichen, welches vom Südwestgrat her die ganze Südwand etwas schräg durchreisst. In diesem Couloir ein kurzes Stück hinab, bis glatt gescheuerte, steile Felspartien wieder in die Südwand hinausdrängen. Im untern Teil derselben werden die Bänder zu steilen, unangenehm mit langem Gras bewachsenen und von Felsen unterbrochenen Halden. Auf schmalem Gemsgang möglichst bald wieder zurück ins Couloir, welches nun sehr steil, wohl meist mit hartem Schnee, durch die Felsbastion des Bergfusses hinab in die Seealp ( zwischen Augstberg und Seetäli ) führt. Wandhöhe 500 m. Zeit gut 1 1/2 Std. Im ganzen mittelschwierig, mit einigen etwas heikleren Stellen. Mitgeteilt von C. Eggerling.

Schiltfluh, 2890 m. Südwand. Carl Eggerling allein. 19. Juli 1931.

Vom Gipfel westwärts dem Grat folgend über den Gipfelfelsen hinunter. Sodann sofort leichte Kletterei durch die obersten Felspartien der Südwand hinab. Bald folgen sehr steile, nie genutzte und daher mit langem, teils dürrem Gras bewachsene und felsdurchsetzte Hänge. Etwas links ( im Sinne des Abstieges ) haltend hinab; nicht schwierig, aber Vorsicht geboten, nicht ausgleiten! Die Hänge münden unten in glatte Felsen aus; links, längs des Südgrates, zieht sich ein Couloir vom Gipfelaufbau herunter, und dieses durchfurcht auch den felsigen Fuss der Wand. Daher rechtzeitig, etwa 100 m ob dem obern Rand der Felsen des Wandfusses, ganz zum Couloir hinüber. Nach einigem Suchen wird man bald Bänder und Stufen finden, welche den Einstieg ins Couloir selbst leicht gestatten. Nun aber rasch auf losem Gestein vollends hinunter und unter den Felsen des Wandfusses sogleich links, ostwärts hinaus gegen den hier breiten, schuttigen Fuss des Südgrates. Weiter südostwärts nach Ausser Fergen und zur Fergen-Clubhütte. Die ganze Route ist nicht schwierig, so dass sie vielleicht schon früher begangen worden ist. Doch ist hierüber nichts bekannt. Mitgeteilt von C. Eggerling.

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