Nicht nur ein kleines Problem

Zum Interview mit Jürg Rohrer, Wer die Landschaft schützen will, muss die Gebäude besser isolieren, «Die Alpen» 02/2021

Ich verstehe den Enthusiasmus von Jürg Rohrer, wenn er die Vorteile und Verbesserungsmöglichkeiten bei der Nutzung sogenannter nachhaltiger Energie in der Schweiz erläutert. Doch am Ende des Artikels konnte ich mich nicht mehr mit Kritik zurückhalten, etwa wegen der Behauptung: «[...] eigentlich haben wir es in der Hand, den künftigen Strombedarf zu reduzieren: indem wir uns ein Stück weit einschränken und die Energie effizienter nutzen.» Davon zu sprechen, dass wir uns «ein Stück weit» einschränken, kommt der Aussage gleich, dass unser derzeitiger Lebensstil «nur ein wenig» problematisch ist. Ausserdem: Ist denn dieser (energie-)verbrauchsorientierte Lebensstil der einzig mögliche? Die Frage stellt sich, weil weiter oben im Artikel steht: «Dies auch im Hinblick darauf, dass der Strombedarf steigen wird, weil wir vermehrt Elektroautos fahren und die Häuser mit Wärmepumpen heizen werden.» Nun könnte ja die Nachfrage nach Energie eingedämmt werden, es liegt in den Händen der Schweizerinnen und Schweizer. Dass wir diesen ungezügelten Verbrauch weiterführen, ist ja kein automatisches und unvermeidliches Phänomen. Der lapidare Schluss des Interviews untergräbt schliesslich die Glaubwürdigkeit des gesamten Themas: «Plakativ gesagt: Wer die Landschaft in der Schweiz schützen will, muss Gebäude sanieren.» Angesichts der Komplexität des ökologischen Themas, aus Achtung vor der Forschung auf diesem Gebiet, aus Respekt vor den Umweltverbänden und als Würdigung all derer, die sich für Umwelt- und Landschaftsthemen engagieren, ist es nicht angebracht, ein Interview auf diese Weise zu beenden. Es ist eine unvorsichtige Aussage und eine übereilte Abkürzung.

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