Notfunkgeräte - Neue Möglichkeiten und Gefahren

Entsprechend der Entwicklung im Bergsteigen haben sich auch die Alarmierung und das Rettungswesen in der Schweiz gewandelt. Moderne Technik ist in diesem Bereich nicht mehr wegzudenken. Nicht zuletzt deswegen gilt es, die Frage aufzuwerfen, ob die Technik in jedem Fall den gewünschten Erfolg bringt oder ob sie z.T. nicht gleichzeitig auch neue Probleme schafft.

Ein langer Weg In den Anfängen des Bergsteigens war eine effiziente Alarmierung noch kein Thema. Wer sich in das von den Einheimischen gefürchtete Hochgebirge wagte, war meist auf sich selbst gestellt. Nur wer absolut musste, « verirrte sich in die Welt der Gletscher und des ewigen Schnees ».

Mit dem Aufkommen des Bergsports stiessen immer mehr Menschen in diese meist unberechenbare Welt vor, was zur Folge hatte, dass die Zahl derer, die aus Bergnot gerettet werden mussten, anstieg. Geschah ein Unglück, erfuhren es die Leute unten im Tal - vielfach waren es Bergführer und Hirten -jedoch meist erst dann, wenn es bereits zu spät war.

Erst nach dem 2. Weltkrieg konnte in den Orten, die zu Zentren alpinistischer Aktivität geworden waren, eine organisierte Bergrettung aufgebaut werden. Die Verbreitung des Bergsports und des Tourismus zwang die Gemeinden immer mehr dazu, Rettungskolonnen auf Abruf bereit zu halten. Daraus entwickelte sich das Rettungswesen des SAC, das sich mittlerweile auf 147 Rettungsstationen im Alpenraum stützt.

Neue Entwicklungen Das Problem der Alarmierung der Rettungskolonnen gibt bis heute immer wieder Anlass zu Diskussionen. Mit dem Einzug der modernen Technik, mit Funkgerät, Mobiltelefon und GPS, hat sich die Zeit vom Unfall bis R«ttung»diensts zur Alarmierung drastisch verkürzt, und selbst der genaue Unfallort kann angegeben werden. Durch die Verkleinerung der Funkgeräte wurde es auch möglich, solche mit auf Bergtouren zu nehmen. Diesem Umstand trägt das neue Alarmierungssystem in der Schweiz Rechnung. Funkgeräte sind unter Alpinisten bereits weit verbreitet und auf organisierten Touren beinahe nicht mehr wegzudenken.

Das Funknetz der Rega im Dienst des E-Kanals Die Rega ( Schweizerische Rettungsflugwacht ) hat im letzten Sommer das Notfunknetz Regacom realisiert. Damit steht allen Benutzern ein legales Funknetz zur Verfügung, das über gesamtschweizerisch verteilte Umsetzer eine beinahe flächendeckende Verbindung mit der Einsatzzentrale der Rega garantiert. Somit kann mit jedem Funkgerät, das auf dem 2-m-Band sendet und einen ZVEI-Toncode aussenden kann, über den E-Kanal ( 161.300 MHz ) Hilfe herbeigerufen werden. Im Gebirge ist jedoch aus topographischen Gründen eine hundertprozentige Verbindung nicht gewährleistet.

Notfunkgeräte Zwei Gerätearten Die Notfunkgeräte der neusten Generation sind in ihrer Anwendung sehr einfach. Inzwischen sind bereits verschiedene Modelle in allen Preislagen auf dem Markt erhältlich. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen:

- reinen Notfunkgeräten, die meist mit Batterien betrieben werden und nicht für einen regen Funkverkehr konzipiert sind, und - polyvalenten Geräten. Diese Geräte verfügen über wiederauflad- SAC Borgginger/ Tourtat Arbeiten im Netz bare Akkus und sind oft aus bestehenden Funkgeräten entwickelt worden. Sie können mit zusätzlichen Kanälen bestückt werden. Meistens sind sie jedoch etwas teurer und grösser, da sie aus dem Profisegment renommierter Gerätehersteller entwickelt wurden.

Gerätebedienung Meistens verfügt ein Gerät zum Zwecke einer Alarmauslösung über zwei Knöpfe:

- Der erste dient der Verbindungskontrolle. Betätigt man diesen, so tritt man noch nicht in direkten Kontakt mit der Rega, sondern es wird nur die Verbindung zum nächstgelegenen Relais hergestellt, das mit einer Tonfolge antwortet, die dem Bergsteiger die Verbindung bestätigt.

- Der zweite Knopf, meist rot, ist der Alarmknopf, der die Verbindung zur Rega herstellt.

Keine Konzessionsgebühren für Notfunkgeräte Gemäss der Verordnung über Frequenzmanagement und über Konzessionen, Art. 8, besteht für Funkanlagen, die ausschliesslich für Notrufe auf der ihnen zugeteilten Frequenz ( E-Kanal ) dienen, ab 1.1. 98 keine Konzessionspflicht. D. h. wenn keine zusätzlichen Kanäle auf dem Gerät programmiert sind, muss keine Konzession bezahlt werden.

Auskunft erteilt die nächstgelegene SWISSCOM-Zentrale.

Vorgehen bei Alarmauslösung Die goldene Regel jeder Funk-übermittlung heisst:

Überlegen - Sprechtaste drücken -einatmen - sprechen.

Sprechen Sie mit normaler Lautstärke und immer in gleichem Abstand zum Mikrofon ( ca. 2 bis 5 cm ). Reden sie immer gleich schnell, aber nicht zu rasch. Die Meldung sollte kurz und prägnant sein.

Vor dem Notruf bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor:

Was ist wo und wann geschehen?

Anzahl Patienten und Art der Verletzungen?

Wetter im Unfallgebiet?

Hindernisse im Unfallgebiet?

Besteht eine Landemöglichkeit für den Helikopter?

Nach dem Alarm bleiben Sie auf Empfang und antworten erst, wenn Sie wieder aufgerufen werden. ( In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass Alarmierende nicht für Ein-satzkosten Dritter haften ).

Warum Alarmierung über Funk und nicht mit Mobiltelefon?

Das Funkgerät hat gegenüber dem Natel zwei entscheidende Vorteile:

Ausserhalb der Agglomerationen, d.h. im Gebirge, hinter Bergkuppen, in Schluchten usw., ist die Verbindung mit dem Natel schlecht bis unmöglich. Die « Ver-bindungslöcher » dieses Telefon-netzes sind in den Bergen um einiges grösser als die des Funkgeräts. Ein Notruf mit dem Natel kann von andern Bergsteigern nicht mitgehört werden. Andere Seilschaften und die Retter können erste Informationen nicht mitverfolgen. Eine Einweisung der Retter oder des Helikopters gestaltet sich so sehr schwierig. Zudem ist die Gefahr gross, dass Seilschaften in unmittelbarer Nähe am Verletzten vorbeigehen, ohne ihn zu sehen oder von der Notlage zu wissen.

Die Rega empfiehlt allen Emer-gency- bzw. Notfunkkanal-Benut-zern, die Frequenz im Tourengebiet mitzuhören, um allenfalls von der Rega nicht empfangene Verbindungen an diese weiterleiten zu können.

Nutzen oder Gefahr?

Notfunkgeräte sind geeignet für alle Leute, die sich im Freien aufhalten, sei es bei der Arbeit oder in der Freizeit. Vom Wald- und Strassenarbeiter bis zum Pilzsammler, Jäger oder Alpinisten kann jeder einmal in eine Notlage geraten. Um so beruhigender, wenn man weiss, dass man mit ziemlicher Sicherheit rasch und unkompliziert Hilfe erhalten kann. Notfunkgeräte dürfen jedoch nicht dazu dienen, waghalsige Touren zu unternehmen - es würde sich um eine trügerische Sicherheit handeln!

Auf Ski- wie auch auf andern alpinen Touren kann ein Notfunkgerät die Zeitspanne zwischen Alarm und Eintreffen der Retter entscheidend verkürzen. Wer dank eines Notfunkgeräts jedoch glaubt, Risiken eingehen zu können, gefährdet sich und andere in unverantwortlicher Weise.

Die Eigenverantwortung jedes einzelnen wird durch die Notfunkgeräte nicht verringert. Es gilt zu bedenken, dass bei jeder Rettungsaktion das Leben der Retter und der Geretteten aufs Spiel gesetzt wird. Es dürfen auch keine Wunder erwartet werden: Wenn kein Flugwetter herrscht, dauern Rettungen oft viel länger und sind weniger schonend als eine Bergung mit dem Helikopter. Diese Punkte sollten sich jeder Bergsportler und jede Bergsportlerin vor Antritt eines Vorhabens in Erinnerung rufen.

Hans Jaggi, Administrator für Bergrettung Aufruf der Rega-Zentrale Über Telefon oder Natel Notrufnummer 1414 ( ohne Vorwahl für die ganze Schweiz ) Über Funk E-KanalTest-Ruf:

Im Tourengebiet mittels 5-Ton Ruf 21300 ( ZVEI-1 ) oder 21301 ( 2 Alarm:

5-Ton Ruf 21414 ( ZVEI-1 ) oder vorprogrammierte Taste Wenn möglich sollte dieser Kanal ständig mitgehört werden ( Relais-funktion ) Sicherheit, Medizin, Rettungswesen a

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