«Nur» ein paar Meter

« In der Ferne auf dem Konkordiaplatz ist eine lange Karawane von Skifahrern zu sehen », schreibt Paul Schnaidt 1925 in den ALPEN. Seine Pfingsttour im Aletschgebiet beginnt mit dem langen Aufstieg von Blatten zur Lötschenlücke. Die Äbeni Flue ist damals wie heute Objekt der Begierde. Im Anstieg von der Egon-von-Steiger-Hütte, der heutigen Hollandiahütte, via Anungrat und Mittaghorn überholen Schnaidt und seine Kameraden die ersten Skitouristen. In der Abfahrt Richtung Aletschfirn kämpfen sie erst mit « Karton », dann ist der Schnee perfekt. So wie das Wetter. Und wieder treffen die Mitglieder des Ski Club Cornavin auf Leute. Diesmal sind es Berner Führer. Die vielen Menschen bleiben ein Thema in Schnaidts Bericht, auch in der Konkordiahütte. Auch wir waren letzthin im Aletsch-Gebiet. Statt uns dem Helirummel auf der Äbeni Flue auszusetzen, wählen wir den Trug- und den Kranzberg als Ziele. Doch sonst ist alles gleich. Stahlblauer Himmel, hochalpines Ambiente, auch über den Schnee gibts nichts zu klagen. Und wie damals Schnaidt treffen auch wir immer wieder auf längere und kürzere Kolonnen, sehen « Ameisen » die Hänge erklimmen. Das Gros nimmt noch immer die « Autobahn » vom Joch zur Lötschenlücke. Wir nächtigen in der Konkordiahütte. Ist wirklich alles gleich im Weltnaturerbe? Schnaidt musste 50 Meter vom Konkordiaplatz zur Hütte aufsteigen. 85 Jahre später sind es 150 Meter, verteilt auf 430 zähe Stufen – 100 zusätzliche Höhenmeter. Der mächtigste Gletscher der Alpen verschwindet. Immer schneller. Das ist die stille Dramatik, die sich direkt vor unseren Augen abspielt. Erst auf der Treppe fährt es mir in die Knochen.

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