Ohne Schiedsrichter kein Rennen Mit Regula Meier in Les Diablerets

Regula Meier tritt als Verantwortliche für das Schiedsrichterwesen im SAC zurück. Sie bleibt aber Schiedsrichterin. Zum Glück, denn es gibt immer noch zu wenig Ausgebildete in diesem Metier.

Blinzelnd steht Regula Meier in der Sonne und wartet auf das Zeichen des Fernsehjournalisten. Ihr Blick schweift über das Zielgelände in Les Diablerets, das immer noch von Zuschauern wimmelt. Ein letztes Interview für den Lokalsender, eine letzte Medaillenübergabe an einer Schweizer Meisterschaft, bevor sie ihr Amt als Chefschiedsrichterin abgibt. Kein leichter Schritt. «Aber ein notwendiger», sagt die Kadermitarbeiterin der Gemeinde Lyss und Mutter dreier erwachsener Kinder. Die Kommissionsarbeit mit Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, sei immer schwieriger geworden.

Die Regeln verstehen

Knapp drei Jahre sass Regula Meier in der Skitourenrennkommission. 2008 war sie erstmals als Schiedsrichterassistentin unterwegs. Davor arbeitete sie jahrelang im Organisationskomitee der Trophés du Chasseral und als Freiwillige an der legendären Trophée du Muveran mit. «Praktisch an jedem Rennen gab es zu wenig Schiedsrichter», erinnert sich Meier. So entschloss sie sich, die Assistenzzeit auf ein Jahr auszudehnen, um die Anerkennung als Schiedsrichterin zu erhalten. Jährliche Weiterbildungen folgten. Meist parallel zu Rennveranstaltungen, wo sie das Gelernte in der Praxis vertiefte. Wie zum Beispiel in Les Diablerets, wo Regula Meier einen Tag vor dem Rennen mit drei Schiedsrichteranwärtern auf der Rennstrecke unterwegs war. Unter ihnen zwei routinierte Skitourenrennläufer und Veranstalter von Skitourenwettkämpfen. «Mich interessierte es, die andere Seite kennenzulernen», sagt Cédric Gerber. Als Läufer nicht nur die Regeln hinzunehmen, sondern auch zu verstehen. Pierre-Alain Saudan organisiert seit Jahren eines der grössten Schweizer Nachtrennen im Kanton Freiburg. Als Rennveranstalter weiss er um den Schiedsrichtermangel. «Dagegen möchte ich einen Beitrag leisten.»

Theoriekurs vor dem Rennen

Bei der Begehung der Rennstrecke kurz vor Mittag unterhalb der Palette Isenau (2120 m) hält Regula Meier inne. «Wir haben hier nur eine Spur. Für 500 Teilnehmer ist das zu wenig», meint sie. Dass es mindestens eine zweite braucht, leuchtet allen ein.

Am späten Nachmittag erreicht die Truppe das Zielgelände. Das Gespräch im letzten Theorieblock dreht sich um die Waldabfahrt. «Selbst für routinierte Läufer eine Herausforderung», meint Cédric Gerber. Keine Überholmöglichkeit, unübersichtliches Terrain – mit solchen Streckenführungen sei es schwierig, sich für eine Weltcupaustragung zu bewerben, stellt Zuzana Rychlikovà fest. Die Schiedsrichterin des internationalen Verbandes für Skitourenrennen (ISMF) ist auch in Les Diablerets anwesend und leitet einen Theorieblock.

Der Blick von aussen

Der Aufgabenbereich eines SAC-Schiedsrichters ist vielfältig: Er muss nicht nur das Organisations- und Rennreglement von Grund auf kennen, sondern auch die Spurlegung, das Sicherheitsdispositiv, die Gefahren-zonenmarkierung oder auch die Einteilung der Verpflegungs- und Kontrollposten beurteilen können. «Schiedsrichter machen den Veranstalter vor den Rennen auf allfällige Mängel aufmerksam. Manchmal stellen wir auch fest, dass Verbesserungsvorschläge ignoriert werden», erklärt Regula Meier.

SAC-Schiedsrichter besuchen sämtliche Schweizer-Cup-Rennen oder solche, die dafür validiert werden wollen. An einem Cup, der auch Schweizer Meisterschaften beinhaltet, müssen zwei SAC-Schiedsrichter anwesend sein. Es gelten die vom SAC herausgegebenen Reglemente und Organisa-tionsregeln. Doch deren Umsetzung gestaltet sich in der Praxis oft als schwierig. «Viele Veranstalter sind es nicht gewohnt, Schiedsrichter ‹von aussen› anstatt der eigenen Leute einzusetzen», sagt Regula Meier. In den Schiedsrichterausbildungen wird deshalb auch ein Augenmerk auf das Rollenverständnis und die Kommunikation gelegt. Nicht als Belehrende, sondern als Partner sollen Schiedsrichter wahrgenommen werden, betont Regula Meier.

Die Akzeptanz nimmt zu

Dass die Verbandstätigkeit der rasanten Entwicklung im Skitourenrennsport nachkommen muss, darüber ist man sich auch in der Kommission einig und hat daher reagiert. In Anlehnung an die Vorgaben des internationalen Verbandes werden darum auf die nächste Saison hin Rennreglemente und Organisationsregeln überarbeitet. Ebenso soll die regelmässige Schiedsrichterweiterbildung dazu beitragen, dass alle Schiedsrichter auf demselben Wissensstand sind. Dazu vorgesehen ist ein Wochenende zusammen mit den Rennorganisatoren Anfang Saison und ein Debriefing Ende Saison. Auch die Bekleidung ist ein Thema. Ein finan-zieller Beitrag für einheitliche Tenues der Schiedsrichter ist von der Kommission beschlossen worden.

Bis zu sechs Skitourenrennen jeden Winter besucht Meier als SAC-Schiedsrichterin. «Und die Anfragen nehmen zu», so Meier. Ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass ein national geregeltes Schiedsrichterwesen im Skitourenrennsport langsam an Akzeptanz gewinnt. Den Satz «Danke, dass ihr das macht» hörte Regula Meier in Les Diablerets von den Athleten mehrmals. Das ist auch der Grund, weshalb sie weiterhin SAC-Schiedsrichterin bleibt.

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