Patrimonium Alpinum

Die Alpenwelt hat mehr zu bieten als Aussicht, Fun und Action. Für die Vermittlung alpiner Werte braucht es neue intellektuelle Anstrengungen und nicht bloss den Betrieb von Rummelplätzen. Die alpinen Regeln könnten Lebensinspiration vermitteln. Mühsal und materielle Kargheit haben in den letzten Jahrzehnten in vielen Alpentälern eine unerwartete Milderung erfahren, doch die Spannung zwischen modernem, technisiertem Komfort und dem Wunsch nach alpin-harmonischer Vielfalt ist voller Konflikten. Jenen, die Ferienvergnügen in den Bergen suchen, sollten nicht nur in jedem Winkel der Bergwelt Skischulen, sondern ebenso häufig pädagogisch sorgfältig durchdachte Erlebnistage angeboten werden, die vorab die jungen Besucher zu begeisterten Berg-, Alp- und Naturkundschaftern formen könnten.

Natur-, Landschafts- und Kulturgüterschutz haben Bemerkenswertes vollbracht, und die Natur holt sich einiges selbst zurück: Der Klimawandel gefährdet den Wintertourismus. Die Wälder werden in den Hochlagen nicht mehr ausgebeutet. Der Bartgeier ist erfolgreich angesiedelt, der Schweizerische Nationalpark ist über hundert Jahre alt, neue Schutzgebiete entstehen. Es mag nicht nur an den Subventionen liegen, dass einzelne Bäuerinnen und Bauern sich zunehmend bemühen, nach biologischer Norm zu wirtschaften, sondern auch daran, dass sie sensibel für das Patrimonium Alpinum geworden sind. Dort, wo die Tourismusindustrie nicht hinlangt, beginnt im Kleinen eine sanftere Begegnung mit den Alpen. Das Patrimonium Alpinum ist fast überall im Alpenraum noch präsent, als Erinnerung, als Heimweh, als Sonntagskleid der Landschaft, als Aushängeschild für versprochene Feriengefühle, doch Kommerz und permanenzfähiges Alpenleben liegen in ungleichem Wettstreit.

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