Perathoner, Kajus; Kostner, Adolf Andreas: Ladinisches Vermächtnis

Athesia Verlagsanstalt, Bozen 1980/ 1995. Fr. 14O. Ladinisches Vermächtnis ist ein mehrere Kilogramm schwerer und 450 Seiten dicker « Wälzer » über Natur und Kultur der ladinischen Dolomiten, einer mit Mythen reich befrachteten Landschaft der Alpen. Das Buch ist eine wertvolle dokumentarische Fotosammlung vom vergangenen und vergehenden Leben. Die Texte handeln von dem Sinn vieler Dinge, deren blosse Existenz heute schon zum Teil abhanden gekommen ist: Kornanbau in den Bergen, uraltes Brauchtum, Pflügen mit Ochsen und Kühen, alpines Nomadentum und vieles mehr. Das Buch ist ein Archiv der Bergbau-ernkultur, wie sie einmal war, wie sie viele von uns gerne noch - oder wieder - hätten, aber wie sie nie mehr sein wird. « Wir wollten kein romantisches, idealisiertes Bild der Bergbauern entwerfen », schreibt der Autor, und das ist durchaus gelungen. Die Bilder sind ansprechend, zum Teil ergreifend, aber kaum je einmal romantisch. Beim aufmerksamen und nicht allzu abgestumpften Betrachter bleibt am Schluss die Frage zurück: Ist es nun schade oder ist es gut, dass es nicht mehr so ist wie früher? Das Wort « Vermächtnis » im Buchtitel ist programmatisch: Es geht darum, wie wir mit dem Vergangenen und Verge-henden umgehen, was wir daraus machen. Denn letztlich wird eine Gesellschaft auch daran gemessen, wie sie mit den Spuren ihrer Vergangenheit umgeht. Das Buch könnte der erste Teil einer mehrbändigen, sich ständig entwickelnden Buchreihe werden, in deren Folge der aktuelle Band zeigen würde, wie wir mit dem Vergangenen umgehen und wie wir es auch noch anders tun könnten. Dieses Buch muss noch geschrieben werden.

Peter Donatsch, Maienfeld

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