Phantomleiden

Zum Artikel Energiestrategie schwächt Landschaftsschutz, «Die Alpen» 03/2018

Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz wehrt sich zu Recht gegen die andauernde Verschandelung der Naturlandschaft, und das Ja des SAC zur Staumauer im Triftgebiet verdeutlicht das fehlende Bewusstsein für die fortschreitende Entnaturisierung unserer dicht verbauten Landschaft. Kleinste Bäche werden verbaut (Fermeltal, Laubegg, Gohl usw.), und die Landschaft wird grossflächig mit Vogelschredderanlagen verschandelt. Es ist an Irrationalität nicht zu überbieten, wenn unberührte Berglandschaften verschandelt und völlig ineffiziente Wind­räder in die Natur gestellt werden, gleichzeitig aber das KKW Mühleberg mit seinen 230 MW Dauerleistung abgestellt wird. In den beiden einzigen, einiger­massen demokratisch funktionierenden Gesellschaften, in denen es bisher zu Kernschmelzen gekommen ist (Lucens in der Schweiz und Three Miles Island in den USA), sind keine Zivilpersonen zu Schaden gekommen. Die Erkrankungen in der Zivilbevölkerung um Tschernobyl, wo zehnmal mehr Radioaktivität frei­gesetzt wurde als in Fukushima, wurden von international ­unabhängigen Fach­organisationen epidemiologisch eingehend untersucht. Es konnten keine ­Abweichungen von den normal auftretenden Krankheitshäufigkeiten festgestellt werden. Trotzdem winden sich viele Menschen lieber in ihrem pseudoreligiösen Phantomleiden vor der Kernenergie, als dass sie ihre Lebensgrundlagen in der Natur schützen.

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