Pilotphase des Projekts «Modellregion Göschenen» abgeschlossen

Steine ins Rollen gebracht oder auf Granit gebissen?

Die Schlussbilanz des Pionierpro-jekts « Modellregion Göschenen » mit SAC-Beteiligung zeigt ein durchzogenes Bild. 1 Verschiedene konkrete Projekte konnten erfolgreich initiiert werden und gehören auch künftig zum Angebot in der Göscheneralp. Grösstes Problem war die Kommunikation Berg–Stadt. Der SAC konnte ganz neue Erfahrungen sammeln, die sowohl Grenzen als auch Möglichkeiten aufzeigten.

Mit der « Modellregion Göschenen » wurde 1998 ein für die Schweiz neuartiges Pilotprojekt lanciert. 2 Neuartig in Bezug auf die Breite der Themen und ihre angestrebte Vernetzung, neuartig auch in der breiten Zusammensetzung der Träger. Ziel war, ein Zeichen zu setzen für ein Gleichgewicht zwischen Nutzung und Schutz der alpinen Regionen unter Berücksichtigung der legitimen Interessen der Bergbevölkerung. Das Projekt soll – in seinen Erfolgen wie auch in seinen Problemfeldern – als Modell für weitere ähnliche Initiativen in der Schweiz dienen.

Gegenseitig befruchtende Arbeit Die Antworten auf die Erfolgsfrage hängen stark von den Erwartungen ab. « Wer davon ausging, dass nach drei Jahren alles ganz anders sein würde, das Göschener-

Ein Produkt des Projektes « Modellregion Göschenen » Natur- und Kulturbroschüren Göschenertal Informativ, farbig, verfasst von ausgewiesenen Fachleuten; Begleiter für unterwegs – nicht nur im Göschenertal; für Exkursionen, Kurse, Schulen Granitland Göschenen Einführung in das Thema Granit; 38 Seiten, Fr. 12.– Zwergwuchs Göscheneralp Die Zwergstrauchheide und deren Pflanzen; 18 Seiten, Fr. 8.– Moorlandschaft Göscheneralp Porträt eines alpinen Hochmoores; 19 Seiten, Fr. 3.– Urner Choscht/Urner Küche Kleine Sammlung von typischen, alten Urner Rezepten; 14 Seiten, Fr. 6.– Diese Broschüren sind einzeln oder als Gesamtpaket für Fr. 25.– erhältlich bei verschiedenen Verkaufsstellen im Göschenertal, bei Bruno Zwyssig, Abfrutt, 6487 Göschenen, Tel./Fax 041/885 18 34, E-Mail b.zwyssig(at)bluewin.ch und bei der SAC-Geschäftsstelle, Monbijoustr. 61, Postfach, 3000 Bern 23, Tel. 031/370 18 18, E-Mail natur(at)sac-cas.ch

tal ein Öko-Paradies, verkehrsfrei, alle Hütten nur noch mit Bio-Lebensmitteln auf Maultieren versorgt, alle Einheimischen Feuer und Flamme für das Projekt, die SAC-Sektionen der lokalen Hütten aktiv dabei usw., wird das Projekt als Misserfolg bezeichnen », so die Projektleitung. Göschenen ist noch Göschenen. Und doch ist nicht alles beim Alten geblieben. Alle im Projekt Involvierten, Privatpersonen, Amtsträger sowie lokale und regionale Ämter, konnten in den vielen Zusammenkünften von der intensiven, gegenseitig befruchtenden Arbeit profitieren. Wir betrachten diese Kom-munikationsarbeit als wichtigen gesell-schaftsrelevanten Projekterfolg.

Konkrete Erfolge Verschiedene konkrete Projekte wurden initiiert. Dazu gehören das neuartige Rufbus-System, das eine mehr als doppelte Steigerung der öV-Benutzer gebracht hat. Davon können die vom Tourismus abhängigen Betriebe profitieren. Dank dem Bussystem auf Bedarfsbasis konnten unnötige Leerfahrten vermieden und damit die Umwelt entlastet werden. Ein innovatives Projekt ist auch der 1999 eröffnete Bauernladen mit Naturinfo-ecke, der gut angelaufen ist und auch künftig zum Angebot in der Göscheneralp gehören wird. Das beachtliche Medienecho half mit, die Ideen und Ziele einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, was Nachfolgeprojekte nach sich ziehen könnte. Das Projekt brachte der Region eine grosse Publizität, wobei die Sensibilisierung für eine nachhaltige Entwicklung immer im Zentrum stand. Im letzten Projektjahr stand die Umweltbildung im Vordergrund. Unterstützt wurde diese Arbeit mit der Publikation von vier Broschüren ( vgl. Kasten ) sowie mit geführten thematischen Wanderungen.

Etliche gute Einzelinitiativen Die Projektarbeit bei den SAC-Hütten war und ist geprägt durch gute Einzelinitiativen bei Umbauarbeiten oder beim Betrieb. Neu ist die bessere Vernetzung und Zusammenarbeit der Hütten im Tal. Eingeführt wurden eine Tarifvereinheit-lichung und ein Treue-Bonussystem. Im Rahmen dieses Projekts wurden aber auch Grundlagen für Umweltstandards innerhalb des SAC erarbeitet. Naturgemäss am wenigsten offensichtlich sind die Erfolge beim Landschafts- und Naturschutz. Das im Rahmen einer Diplomarbeit erstellte tourismusorientier-te Landschaftskonzept liegt der Gemeinde vor, die zusammen mit Korporation und Kanton für die Umsetzung zuständig ist.

Problemfeld Kommunikation Ein Teil der lokalen Bevölkerung war von Anfang an dem Projekt gegenüber skeptisch eingestellt. Trotz breiter Einbindung der Einheimischen in die Arbeitsgruppen, verschiedener Informationsveranstaltungen, einer Zukunftswerk-statt-Woche sowie offener Information im eigenen Info-Bulletin und in der Lo-kalpresse gelang die breite Mobilisierung für das Projekt nicht. Bestärkt wurde diese Opposition durch die abwartende bis ablehnende Haltung der Korporation Uri, die als grösste Landbesitzerin in Uri eine der wichtigsten Projektträgerinnen in der Pilotphase war. Die Kommunikation Berg–Stadt erwies sich als schwierig und « steinig ». Zweifellos wären noch mehr direkte Gespräche mit Einheimischen notwendig gewesen, was aber an finanziellen und damit auch personellen Grenzen scheiterte.

1 Der Schlussbericht kann von der Internetseite http://www.goeschenen.ch. heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Projekt « Verein Modellregion Göschenen » bei Bruno Zwyssig, Abfrutt, 6487 Göschenen, Tel. 041/885 18 34, E-Mail b.zwyssig(at)bluewin.ch 2 Vgl. Berichte in ALPEN 1/1998, 9/1998 und 6/2000 DIE ALPEN 7/2001

Bilanz aus Sicht des SAC In den ALPEN 9/1998 wurde das Vorhaben als « ein mutiges Projekt mit ungewissem Ausgang » bezeichnet. Für alle Beteiligten des SAC war es eine neue Erfahrung, sich vernetzt und auch über die Grenzen des Bergsports hinaus für eine ganzheitliche touristische Entwicklung in einer Region einzusetzen. Dementsprechend musste auch Lehrgeld bezahlt werden. Es zeigte sich, dass vor allem für die ehrenamtlich Tätigen der Sektionen ein zusätzliches Engagement in einem solchen Projekt die verfügbaren Kapazitäten sprengte. Umso grösserer Dank gebührt all jenen, die sich aktiv beteiligten: Hüttenchefs, Hüttenwarte und weitere Sektionsvertreter, allen voran René Schenker von der Sektion Angenstein, Hüttenchef der Bergseehütte, der den SAC weiterhin im Vorstand des Vereins « Modellregion Göschenen » vertritt. Auch von Seiten der Geschäftsstelle haben wir diese Grenze erfahren müssen: Wir konnten weder in der Region noch – am allerwichtigsten – auf den Hütten so intensiv präsent sein, wie es für eine fruchtbare Arbeit und den Abbau von Kommunikationsschwellen notwendig gewesen wäre. Bei allem Engagement des SAC für eine nachhaltige Entwicklung im Gebirge gemäss Leitbild müssen auch die Grenzen des Möglichen im Auge behalten werden.

Wie weiter? Der Verein « Modellregion Göschenen » steht nach der Statutenrevision allen Interessierten offen. 3 Anlässlich der gut besuchten Generalversammlung 2001 haben sich mit Ausnahme der Korporation alle bisherigen Projektträger bereit erklärt, an der weiteren Entwicklung mitzuarbeiten. Auch die einzelnen SAC-Sektionen, der Göschener Verkehrsverein sowie weitere interessierte Personen wurden neu in den Verein aufgenommen. Die einzelnen Teilprojekte werden in möglichst autonomen Betriebsgrup-pen weiterbearbeitet. Die Geschäftsstelle wird vom bisherigen Geschäftsführer Bruno Zwyssig im Rahmen einer 10-Prozent-Stelle weitergeführt. Bereits seit einem halben Jahr wird an einem Folgeprojekt unter dem Arbeitstitel « Wasserwelten Göschenen » gearbeitet. Als Ergänzung zum bereits Erreichten sind ein Erlebnispfad, geführte Wanderungen, ein Projekt « Schule unter freiem Himmel », ein « Fluvarium » sowie « Landart»-Projekte zum Themenbereich Wasser in Planung. a

Ruedi Bomatter, Altdorf, Medienbeauftragter des Projektes Jürg Meyer, SAC-Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt 3 Jahresbeitrag Einzelmitglieder Fr. 25.–, Kollek-tivmitglieder ( Vereine, Organisationen usw. ) Fr. 15O.– Granitlandschaft Göschenen. Haben wir mit dem Projekt auf Granit gebissen oder einen Stein ins Rollen gebracht?

Wasser, ein wichtiges Element im Göschenertal. Das Folgeprojekt « Wasserwelten Göschenen » möchte daraus Angebote gestalten.

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