Piolet d'Or für Thomas Huber und Iwan Wolf. Erfolg am Shivling

Erfolg am Shivling

Im Februar 2001 wurden Thomas Huber ( DAV ) und Iwan Wolf ( SAC Rätia ) mit dem Piolet d' Or 2000 ausgezeichnet. Damit wurden ihre Neutour am Shivling ( 6543 m ) « Shiva's Line » und die Expedition als Ganzes mit der höchsten alpinistischen Auszeichnung geehrt. Iwan Wolf ist erst der zweite Schweizer, der diese alpinistische Auszeichnung erhalten hat.

Am 31. Mai 2000 erreichten Iwan Wolf und Thomas Huber in der neuen Route « Shiva's Line » über den direkten Nordpfeiler den Gipfel des Shivling, des wunderschönen, gewaltigen Fels- und Eisgip-fels im Garwhal Himalaya. Die Vorgeschichte dieser Besteigung ist ein Beweis dafür, dass auch an den höchsten Bergen letztlich Kameradschaft und Kollegialität die Basis für den Erfolg bilden. Dies war einer der Gründe, dass die beiden Bergsteiger mit dem Piolet d' Or geehrt wurden.

Schweizer Expedition Im April 2000 brechen die Schweizer Bruno Hasler, Iwan und Irma Wolf zu ihrer wohl geplanten Expedition in den Garwhal Himalaya auf. Zusammen mit einer französischen Expedition reisen sie über Gangotri 1 ins Basislager nach Tapovan auf 4300 m. Dort treffen sie auf eine deutsche Expedition, Thomas und Alexander Huber – die « Huber-Buam » –, die sich ebenfalls den Shivling zum Ziel gesetzt hat. Die drei Schweizer besteigen zur Akklimatisation die Baghirati II über die Ostseite. Bei den Besteigungsversuchen am Shivling ( Japanerroute ) sind die Wettergötter den Bergsteigern aber nicht mehr wohlgesinnt. Der Start muss immer wieder verschoben werden. In der Folge tun sich die Schweizer und die Deutschen bei Vorarbeiten – Material nach oben schleppen – zusammen, benutzen sie doch beide für ihre unterschiedlich geplanten Routen das

1 Vgl. ALPEN 6/2001 « Unterwegs im indischen Garwhal-Himalaya », S. 34–45 Fo to s:

Bru no Ha sle r DIE ALPEN 9/2001

erste Couloir als Zubringer. Mit 25 kg am Rücken müssen sie in der Senkrechten hochjümaren! Das Wetter ist den Bergsteigern noch immer nicht hold. Ein erster Versuch von Iwan und Bruno endet nach fünf Tagen schliesslich auf einer exponierten Biwakstelle auf ca. 6200 m ü. M. Dort vernehmen sie, dass Thomas und Alex ihren Versuch der Erstbegehung abbrechen wollen, da Letzterer krank ist.

Neue Strategie Zurück im Basislager muss die Strategie neu überlegt werden: Alex fühlt sich immer schlechter, Bruno hat sich am Finger ernsthaft verletzt, und zu allem Übel drängt die Zeit. Nach intensiven Diskussionen in kameradschaftlicher Atmosphäre wird eine neue Ausgangslage geschaffen: Thomas und Iwan versuchen noch einmal, den Pfeiler zu bezwingen, während Bruno und Irma zum Westgrat hochsteigen; Alex verlässt das Basislager. Und endlich ist Gott Shiva gnädig gesinnt: beide Seilschaften erreichen den Gipfel, wenn auch unter härtesten Bedingungen. Piolet d' Or 2000 « Shiva's Line » ( 7/A4 ) ist der Beweis dafür, dass Kameradschaft zum Erfolg führt, denn ohne das Miteinander wäre dieser grosse Erfolg nicht möglich geworden. Dies war auch einer der Gründe für die Verleihung des Piolet d' Or, wie die Jury schreibt: «... Das Team hatte extrem harte Tage am Berg, die Geschichte, die Kameradschaft, die sich durch Zufall ergeben hatte, die Schwierigkeit der Route, die Linienführung, der Stil – 300 Meter Fixseile 2 ohne einen einzigen Bohrhaken –, das alles war ausschlaggebend für diese Entscheidung. » 3 a

Margrit Sieber 2 Diese Fixseile wurden beim Abstieg wieder entfernt 3 Vgl. Internet http://www.huberbuam.de/aktuell/ piolet.htm Shivling, der formschöne Fels-und Eisgipfel im Garwhal Himalaya, für dessen neue Route « Shiva's Line » die Erstbegeher Iwan Wolf und Thomas Huber mit dem Piolet d' Or ausgezeichnet wurden. Iwan Wolf und Thomas Huber nach der Erstbegehung von « Shiva's Line », fotografiert von Teamkollege Bruno Hasler, der mit Irma Wolf über den Westgrat zum Gipfel hochgestiegen war.

Blick vom Basecamp auf die Bhagirathi II, III und I ( v. l. ) DIE ALPEN 9/2001

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