Pizzo Columbé

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Am 13. Juni 1893 abends reiste ich von Zürich ab. In Göschenen stieß mein in letzter Zeit fast ausschließlicher Begleiter, Joseph M. Gamma, zu mir, um eine Reise nach Graubünden mitzumachen. Der Anfang sollte mit dem bekannten Dolomitgipfel der Val Fiora, mit dem Pizzo Columbé, gemacht werden.

W. A. B. Coolidge und Fr. Gardiner hatten denselben am 3. August 1892 mit Chr. und Rud. Almer zum erstenmal bestiegen, und zwar über die Südseite, vom südlichen Columbepaß aus.

Wir marschierten um halb 12 Uhr nachts von Airolo ab und erreichten, durch den Marsch in lauwarmer Sommernacht ganz eingeschläfert, das Hotel auf Piora früh um halb 3 Uhr. Wir verkrochen uns für zwei Stunden in einem kleinen Holzschuppen. Von 4 Uhr 45 Min. bis 7 Uhr 15 Min. legten wir den Weg von Piora ( Hotel ) bis zur Alp Piano dei Porci, 2128 m, nahe am Passo del Uomo, zurück. Wir deponierten da den größten Teil unseres Gepäckes. Um 8 Uhr 30 Min. waren wir nahe der Paßhöhe ( 2375des nördlichen Columbépasses, querten in südwestlicher Richtung die mit Schnee bedeckten Geröllhalden, bis wir auf dem Westabhang des Pizzo Columbé, ziemlich genau in der Richtung der Falllinie unter dem Gipfel standen, etwa in einer Höhe von 2350 m.

Das Erklettern der Felsen war bedeutend leichter, als wir vorausgesetzt hatten. Das Gestein ist eine durch Auslaugung grobzellig gewordene, dolomitische Rauchwacke von hellgelber, weißer oder rötlicher Farbe. Unzählige Buckel, Nischen und Zacken, zusammen mit der hellen Farbe des Gesteins, erinnern sofort an die Dachgebilde des Mailänder-doms. Der Gipfel ist ein ganz phantastisch geformter Felszahn, um Pizzo Columbi.

welchen sich solche von geringerer Höhe gruppieren. Es boten sich sehr günstige photographische Objekte dar. Besonders der nach Osten verlaufende lange Grat ist eine Reihenfolge von Zähnen kühnster Art, eine wahre Kletterschule. Nur das zweifelhafte und nachher auch wirklich schlecht werdende Wetter hielt uns davon ab, uns an einige der weniger hohen Zacken zu machen. Wir begnügten uns mit den beiden höchsten, 2549 m.

Aus der K arte welche Coolidge und Gardiner deponiert hatten, vernahmen wir erst die Anstiegsroute derselben. Der Augenschein lehrt denn auch sofort, daß die Südseite die gangbarste ist.

Vom nördlichen Columbepaß hatten wir nur drei Viertelstunden bis zum Gipfel gebraucht; die Höhendifferenz ist aber auch nur ungefähr 170 " '. Trotzdem macht der Gebirgsstock wegen seiner Isoliertheit und seiner fremdartigen Form doch einen ganz bedeutenden Eindruck.

Um 10 Uhr begannen wir den Abstieg, und zwar, um die Zahl der neuen Wege um einen zu vermehren, durch die gegen Nordosten sich öffnende Nische oder Mulde. Auf eine Kletterei in Fels folgte sehr steiler Schnee, dann eine Traversierung über schlechten Schnee und Schutt nach dem Nordcolumbepaß hinüber und endlich ein bequemer Bummel auf die Alp Piano dei Porci zurück. Nach einer Rast von 11 Uhr bis 11 Uhr 15 Min. eilten wir nach Santa Maria am Lukmanierpaß, wo der Regen nicht lange auf sich warten ließ.

Kein Bergsteiger, der Piora besucht oder passiert, sollte versäumen, diesen sehr interessanten, durchaus nicht mühsamen noch gefährlichen Pizzo Columbé zu besteigen.E. Huber ( Sektion uto ).

E. Huber.

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