Plaisirklettern in der Schweiz

Diese Entwicklung steht ganz im Zeichen unserer Zeit. Eigenverantwortung ist nicht mehr gefragt. Man zieht es vor, die Verantwortung dem Erstbegeher bzw. Sanierer zuzuschieben. Das Plaisirklettern wird zu einer normgerechten Sportart, die Berge zu einer Sportanlage, für die bald bezahlt werden muss.

Ich lehne das Plaisirklettern keinesfalls kategorisch ab. Sonst würde ich nur den gegenteiligen, « elitär » genannten Standpunkt vertreten und einen Konsens vereiteln. Ich bin für eine Lösung, die allen Formen des Kletterns gerecht wird. Ich glaube, dass Plaisirklettern eine neue Spielform in der Entwicklung des Kletterns ist so wie damals das künstliche Klettern ( mit Strickleitern/Steigschlin-gen ) in der Direttissimazeit, wie das Freiklettern zu Beginn in den USA ( ohne Bohrhaken ) oder das moderne Freiklettern mit Bohrhaken. Auch das Plaisirklettern als eine sich neu entwickelnde Kletterform soll seinen Platz in unserer noch vielseitigen Kletterwelt haben. Doch nie in der Entwicklung des Kletterns gab es eine Form, die den Anspruch erhob, alle vergleichbaren anderen zu ersetzen. Momentan wird aber nach jeder lohnenden Route gesucht, nicht um sie einfach zu sanieren, sondern um sie auf den normgerechten Stand einer Plaisirtour zu nageln. Im « Plaisir-Sanierungsfieber » wird vor keiner Route mehr Halt gemacht. Wer das andere Abenteuer sucht, schöne Routen, in denen sicheres Klettern und geübter Umgang mit Friends und Klemmkeilen gefordert ist, wird in der Schweiz vielleicht bald nicht mehr fündig.

Nun ist jeder Kletterer gefragt, ob jung oder alt: Gibt dieser neu eingeschlagene Weg uns Kletterern nicht den Eindruck von Egoismus, Vermarktung, Fantasielosigkeit, Sicherheits-, Konsum- und Normdenken - all die Auswüchse der Zivilisation, denen wir ursprünglich in den Bergen entfliehen wollten?

Bernd Rathmayr, Bern

Plaisirklettern in der Schweiz

Plaisir-Kletterführer Schweiz Um es vorweg zu nehmen: Ich kenne Jürg von Känel nicht persönlich, sondern nur durch seine Kletterführer. Und die sind perfekt gemacht.

Da sich die meisten Kletterer zwischen den Schwierigkeitsgraden 3 und 6 bewegen, ist es wichtig, dass jemand die entsprechenden Klettergebiete bearbeitet und publiziert hat. Stammt die Kritik an dieser Arbeit vielleicht aus einem Gefühl von Neid? Ich bin fast sicher, dass die Kritiker des Plaisirkletterns genau auf diesen Routen anzutreffen sind.

Im Namen des Kletterclubs Steinbock gratuliere ich Herrn von Känel für seine grossartige Arbeit und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg.

Rafael Wellig, Bern Werbung in den ALPEN 11198 Infolge einer technischen Panne musste eine Beilage aus dem Okto-ber- in das November-Heft verschoben werden. Die vorliegende ALPEN-Ausgabe fällt dadurch umfangreicher aus als gewohnt. Wir bitten um Verständnis.

Die Redaktion 1 Vgl. auch ALPEN 8/98, S. 11/12, « Plaisirklettern - Sicherheit - Breitensport »

tLPEN-Nachrichten notiziario delle ALPI louvelles des ALPES

bert I. von Belgien mit der Verleihung einer von einer Urkunde begleiteten Goldmedaille an Personen oder Institutionen, die sich in irgendeiner Weise im Zusammenhang mit den Bergen verdient gemacht haben. 1994 wurden als erste Preisträger Lord John Hunt ( Leiter der Expedition, der die Erstbesteigung des Everest gelang ), der Kartograf Bradford Washburn und - postum - die polnische Extrembergsteigerin Wanda Rutkiewicz ausgezeichnet. 1996 folgten der Höhenmediziner Dr. Charles S. Houston, die Geologin und Alpinistin Silvia Metzeltin Buscaini, der Höhenbergsteiger Erhard Loretan und der « Sicherheitspapst » Pit Schubert.

Würdiger Engadiner Rahmen Dieses Jahr wurden die Medaillen in einer schlichten Feier an Elizabeth Hawley aus Kathmandu, an Prof. Augusto Gansser aus Lugano, an das Team der österreichischen Fernsehsendung « Land der Berge » sowie an die belgische Ferienorganisation Intersoc verliehen. Das herbstlich anmutende, frisch verschneite Engadin bot einmal mehr einen würdigen Rahmen für die Preisverleihung, die u.a. durch eine beeindruckende Mul-tivision-Schau des Journalisten Peter Donatsch ergänzt wurde.

King Albert Memorial Foundation ( KAMF ) ehrt Gansser, Hawley, Intersoc und « Land der Berge » Mitte September verlieh die Kö-nig-Albert-Stiftung ( KAMF ) zum dritten Mal Goldmedaillen an Personen und Institutionen, die sich durch herausragende Leistungen im Zusammenhang mit den Bergen verdient gemacht haben. Geehrt wurden Elizabeth Hawley, Augusto Gansser, die belgische Ferienorganisation Intersoc sowie die ORF-Sendung « Land der Berge ».

Stiftung zum Andenken an König Albert I. von Belgien Die King Albert Memorial Foundation ( KAMF ) wurde 1993 auf Initiative des Skipioniers, Alpinisten und Verlegers Walter Amstutz gegründet. Sie ehrt den Namen des 1934 beim Klettern im Alleingang ums Leben gekommenen « Roi alpin » König Al- Elizabeth Hawley's Chroniken sind für die Welt des Himalyabergsteigens von unschätzbarem Wert.

Preisträger « Land der Berge » und Intersoc Unter Alpinisten und Bergfreunden geniesst die Sendung « Land der Berge » des ORF einen ausgezeichneten Ruf: Seit 1982 wurden insgesamt 109 Sendungen ausgestrahlt, geschaffen vom Team um Lutz Maurer -Manfred Gabrielli, Bernd Seidel und Hans Peter Stauber gehören dazu. Ihr Ziel ist, « ein unbeschwertes, unbe-fangenes Verhältnis zu den Bergen » zu reflektieren und den Zuschauern einen Einblick in die Schönheit, die Geschichte, die Grösse, aber auch die Kultur der Berge zu vermitteln. Ihr Erfolg basiert nicht zuletzt auf dem breit angelegten Themenspektrum der Sendung. So reichten die bisherigen Sendethemen vom Dachstein über den Kilimandscharo zum Mount Everest, von Hans Dülfer zu Reinhold Messner, von Herbert Tichy zu Heinrich Harrer, wobei der österreichische Bezug nie fehlen durfte. Einige Sendungen gewannen Auszeichnungen an den grossen Bergfilmfestivals von Trento, Banff und Graz - auch dank der Mitarbeit von hervorragenden Kameramännern wie dem Schweizer Fulvio Mariani, der bei der Medail-lenverleihung ebenfalls anwesend war.

Ganz anderer Art sind die Verdienste der gemeinnützigen Institution Intersoc: Sie hat seit 1949 gegen drei Millionen Kindern und Erwachsenen aus Belgien einen Aufenthalt in den Alpen ermöglicht.

Geologiepionier Augusto Gansser Der immer noch äusserst vitale und aktive « Professore » Augusto Gansser-Biaggi, 1910 in Mailand ge- Geologiepionier Augusto Gansser, ausgezeichnet für seine bahnbrechenden geologischen Erkenntnisse vor allem im Himalaya boren, wohnt in der Nähe seines Heimatortes Lugano. Nach Abschluss des Geologiestudiums Mitte der dreissiger Jahre in Zürich nahm Gansser eine überaus intensive, wissenschaftlich ausgerichtete Reisetätigkeit auf, die ihn in alle grossen Naturräume der Erde, insbesonders aber Dutzende Male in den Himalaya führte. Dabei gelangen ihm bahnbrechende geologische Erkenntnisse, die u.a. Eingang in das heute klassische Werk Geology of the Himalaya fanden. Als langjähriger Professor und Leiter des Geologischen Instituts der ETH und der Universität Zürich widmete sich Gansser erneut geologischen Forschungen in Nordpakistan, Ladakh, Nepal, Südtibet und speziell Bhutan. Die Universität von Peshawar in Pakistan ehrte Augusto Gansser mit dem Titel « Baba Himalaya » ( Vater des Himalaya )!

Die Chronistin Elizabeth Hawley Elizabeth Hawley wurde in Chicago geboren, studierte in den Vereinigten Staaten und arbeitete dort als Journalistin und Reporterin. Seit 1960 wohnt die 75jährige Amerikanerin in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Hier begann sie bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft, jede Expedition, die zum Bergsteigen nach Nepal ( und später auch nach Tibet ) kam, zu interviewen. Aus den gewonnenen Informationen erstellte sie umfangreiche Statistiken und Berichte über die Aktivitäten an den Himalaya-Gipfeln ( Auszüge aus diesen Berichten werden auch immer wieder in den ALPEN publiziert ).

Elizabeth Hawley bestieg in ihrem Leben keinen einzigen Berg. Im Lauf der Jahre entwickelte sie aber aus ihrem professionellen und unsentimentalen Interesse heraus ein einzigartiges Gespür dafür, wie die einzelnen Besteigungen und Begehungen zu bewerten und zu gewichten seien. Ihre umfangreichen Chroniken, die nunmehr seit 36 Jahren erscheinen, zählen in der Bergsteigerwelt zu den präzisesten und wertvollsten Dokumenten. Sie sollen in absehbarer Zeit in Buchform publiziert werden. Unklar ist, wie lange Elizabeth Hawley ihre Arbeit noch weiter verfolgen kann und vor allem, wer sie nach ihr weiterführt - für die Welt des Hima-laya-Bergsteigens wäre das über-gangslose Ende ihrer Tätigkeit ein grosser Verlust.

Christine Kopp, Unterseen

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