Projekt Rosenhornbahn (BE): Der SAC nimmt Stellung

Seit einiger Zeit ist in Grindelwald die Rede von einem grossen Bahnprojekt, das die Region des Rosenhorns ( Wetterhorn-Gruppe ) als Gletscherskigebiet erschliessen würde. Nach einer offiziellen Information seitens der Promotoren dieses Projekts ist der SAC aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen.

Darum geht es Die 1997 gegründete « Interessengemeinschaft Rosenhornbahn » gab Machbarkeitsstudien in Auftrag, die unterdessen fertiggestellt sein dürf-ten.1 Danach soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Der SAC wurde von der IG Rosenhornbahn im Februar 1998 offiziell über das Vorhaben informiert. Wir schätzen und anerkennen die Offenheit, mit der die Promotoren ihr Projekt an uns herangetragen haben.

Das ist geplant Zur Zeit bestehen verschiedene Varianten. Allen gemeinsam sind eine Bergstation mit Panoramarestaurant auf dem Gipfel des Rosenhorns oder in dessen Nähe sowie weiter unten eine Anzahl Skilifte auf dem Oberen Grindelwaldgletscher. Die favori-sierte Variante sieht ab der Station Schreckfeld der Firstbahnen eine Gondelbahn bis zur Grossen Scheidegg vor. Von dort würde eine grosse Pendelbahn auf der NE-Seite des Wetter- und Mittelhorns zum Rosenhorn hinaufführen. Von der Gipfelstation aus könnte der Gletscher mittels eines 75 m hohen Lifts und eines Tunnels im Berginnern erreicht werden.

Das Rosenhorngebiet Die geplante Erschliessung ist einschneidend und von grösstem Ausmass, führt sie doch in einen komplett unberührten Hochgebirgsraum. Das Gletschergebiet um das Rosenhorn mit Rosenlauigletscher gegen Norden, Gauligletscher gegen Osten, Grindelwaldgletscher gegen Süden und dem Wetterhorn als einem der Wahrzeichen des Oberlands gegen Westen ist eine der grossartigsten, noch unerschlossenen, weitläufigen Gletscherlandschaften der Alpen, ein Skitouren-Dorado im Winter und ein herrliches Tourengebiet im Sommer. Es ist im « Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung » enthalten. Mit der Realisierung des Bahnprojekts ginge für uns und unsere Nachkommen ein weiterer wertvoller und noch wild gebliebener Naturraum inmitten der stark erschlossenen Hochgebirgsregion des Oberlands verloren.

Die Haltung des Zentralverbands Mit der offiziellen Information unseres Clubs sind wir aufgefordert, zu diesem Vorhaben Stellung zu nehmen. Das Projekt betrifft den SAC in zentraler Weise: Es geht um den ursprünglichen Raum, den er seit Anbeginn seines Bestehens pfleglich verwalten und erhalten half und von dem er mehr als genug der « harten Erschliessung » überlassen musste. Auch bei einer sorgfältigen Interessenabwägung zwischen berechtigten wirtschaftlichen Interessen derein-heimischen Bevölkerung und dem Schutz von Natur und Landschaft finden wir keine Möglichkeit, dem Projekt in irgendeiner Weise zuzustim- Die landschaftlich einmalige Wetterhorn-Gruppe von Westen. Auf dem Rosenhorn ( rechts ) ist die Gipfelstation geplant, und von der Seite des Betrach- 1 Der vorliegende Beitrag wurde Ende Februar 1998 verfasst.

men: Die Grenzen dessen, was wir noch gutheissen können, sind weit überschritten. Aufgrund unserer zentralen Clubgrundlagen ( Leitbild, Statuten, Richtlinien Schutz der Gebirgswelt ) sind wir verpflichtet, uns gegen dieses Projekt auszusprechen und uns im Fall einer Projekteingabe mit den zur Verfügung stehenden legalen Mitteln dagegen einzusetzen. Dies beschloss der Zentralvorstand aufgrund eines Antrags der « Kommission Schutz der Gebirgswelt » an seiner Sitzung vom 21. Februar 1998.

Akzeptanz vor Ort unklar Diverse Gespräche mit Vertretern von SAC-Sektionen aus dem Berner Oberland und weitern Einheimischen haben uns gezeigt, dass das Projekt in der Region selbst unterschiedlich beurteilt wird. Es ist zu hoffen, dass sich für die touristische Zukunft von Grindelwald andere Lösungen finden lassen als jene einer weiteren Grossbahn und Gebietserschliessung. Für die Kommission Schutz der Gebirgswelt und den Zentralvorstand: Jürg Meyer, Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt ters her sollen Skilifte errichtet werden, die zu dem noch etwas weiter rechts gelegenen Gletschersattel emporführen.

Orchideen bringt man oft mit fernen, exotischen Ländern in Verbindung und vergisst dabei, dass es in der Schweiz mehr als 65 Arten gibt! Im folgenden Beitrag begegnen wir einigen dieser faszinierenden Blumen auf den Hängen des Wallis, einem Paradies für Orchideenfreunde.

Eine Spezialisten familie Die Familie der Orchideen, die ungefähr 25000 Arten zählt, beeindruckt durch ihren Farben- und Formenreichtum. Die Vielfalt ist so gross, dass es manchmal schwierig ist, eine Pflanze - zum Beispiel das unscheinbare Grosse Zweiblatt - auf den ersten Blick mit den Orchideen in Zusammenhang zu bringen. Diese Mannigfaltigkeit erklärt sich dadurch, dass die sehr junge Familie ihre Evolution noch nicht beendet hat.

Der erstaunlichste Aspekt der Orchideen ist die enge Verbindung zahlreicher Orchideen mit bestimmten Insektenarten. Tatsächlich entwickeln diese Pflanzen eine unerreichte Zahl von Mitteln, um ihre Bestäuber anzuziehen: Die Ragwurzarten ahmen das Aussehen jener Insekten, die sie anziehen möchten, nach und stimulieren so den Ge-schlechtstrieb der Tiere; das nektarlo-se Rote Waldvögelein zieht die nah-rungssammelnden Insekten durch seine auffällige Farbe an; die Sumpfwurz produziert viel Nektar-dieser kann gären und das Insekt berauschen, das damit seine Besuche vermehrt und mit zunehmend schaukelndem Flug vorbeikommt; das Breitkölbchen verbreitet einen berauschenden, auch den Menschen betörenden Duft. Beim Besuch belädt sich das nahrungssammelnde Insekt mit dem Pollen, mit dem eine andere Blüte bestäubt wird. Fremdbestäubung führt häufig zu Kreuzungen, die die Vielfalt der Familie erhöhen und die einwandfreie Bestimmung einzelner Arten erschweren ( das gilt Fuchs'Knaben-kraut vor ver-schwommenem blauem Glocken-blumen-Hinter-grund; die Gattung Dactylorhiza, zu der diese Orchidee gehört, vereint sehr nah verwandte Arten, die sich oft kreuzen und manchmal schwierig auseinanderzuhalten sind.

etwa für das Gefleckte Knabenkraut und Fuchs'Knabenkraut, zwei einander sehr ähnliche Blumen ).

Eine weitere Charakteristik der Orchideen ist ihre Symbiose mit einem Pilz. Letzterer gibt den Samen die nährreichen Substanzen, die zum Keimen und Wachsen der neuen Pflanze nötig sind. Bei gewissen Arten - den Saprophyten - besteht diese Abhängigkeit das ganze Leben lang; diese chlorophyllfreien Pflanzen, zu denen unter anderen die Nestwurz gehört, wachsen im allgemeinen im Schatten.

Anspruchsvolle Blumen Gleich wie die Vögel, deren Lebensräume sehr genauen Bedingungen entsprechen müssen, haben auch die Orchideen genau definierte Bedürfnisse. Allerdings dominieren bei letzteren andere Kriterien, z.B. die Bodenbeschaffenheit: Während das Kleine Zweiblatt einen sauren Boden liebt, begegnet man der Spitzorchis -wie den meisten unserer Orchideen -nur auf kalkigem Boden. Es ist aber auch erwähnenswert, dass gewisse Arten keine solchen Vorlieben haben.

Auch die Sonnenbestrahlung ist entscheidend: Während der Ohn-sporn, eine im Wallis vertretene mediterrane Art, wie die meisten seiner Verwandten viel Licht braucht, bevorzugt die Korallenwurz, ein Sapro-phyt, schattige Wälder.

Die Ansprüche sind jedoch vielfältig: So wachsen gewisse Arten - z.B. das Breitblättrige Knabenkraut - auf feuchten Wiesen oder in Flachmooren, andere wie die Bocks-Riemen-zunge mit ihrem ekelerregenden Bocksgeruch brauchen trockene Böden.

Man kann zehnmal am unauffälligen Grossen Zweiblatt vorbeigehen, bevor man bemerkt, dass es eine Orchidee ist; sie ist stark verbreitet und wächst oft auf über 2000 m.

e a Das Schwärzliche Knabenkraut hat die Besonderheit, in zwei Generationen zu blühen, wobei die eine einer Frühlings-, die andere einer Sommer-Unterart entspricht.

Die kleine Korallenwurz ( max. 15 cm ) ist im schattigen Unterholz der feuchten Bergwälder nur schwer zu erkennen; ich benötigte eine halbe Stunde, um in einem Fichtenwald des Unterwallis diese Exemplare auszumachen!

Das grosse Breitblättrige Knabenkraut ( max. 60 cm ) tritt oft an feuchten Orten auf und steigt auf über 2500 m; seine grossen, gefleckten Blätter unterscheiden es vom Männlichen Knabenkraut.

Fauna und Flora Wie die meisten Berg-Orchideen ist die Weisszun-ge, die bis auf 2500 m wächst, unauffällig und entsprechend schwierig auszumachen; auf torf i-gem Boden findet man sie in Gesellschaft mit dem Wollgras ( rechts ).

Ausgedehnte Blütezeit Wer sich mit Orchideen befasst, merkt bald, dass sie nicht alle gleichzeitig und nicht am gleichen Ort wachsen: Verschiedene Voraussetzungen, die sich nach Ort und Art unterscheiden, müssen für ein artge-rechtes Blüten erfüllt sein. Gewisse Arten blühen sehr früh; das Kleine Knabenkraut etwa kann auf 700 m bereits Mitte April gefunden werden.

Die Höhe über Meer ist ebenfalls von Bedeutung: Das schöne Schwärzliche Knabenkraut zum Beispiel kann an den Talhängen des zentralen Wallis bereits Anfang Mai auftreten, blüht aber auf 1850 m erst Ende Juni.

Schliesslich spielen die Sonnenbestrahlung und das Mikroklima eines Ortes eine wichtige Rolle: Das Männliche Knabenkraut kann schon Ende Mai auf 1850 m auf einem exponierten Grat im zentralen Wallis blühen, entfaltet aber seine Blüten an einem wenig besonnten, kühlen Nordhang im Unterwallis erst einen Monat später.

Höhenrekorde Das Wallis zählt 54 Orchideenarten: Auf 2000 m findet man noch 25 Arten, auf 2500 m sind es immer noch 11; gewisse Arten erreichen sogar 2800 m!

Während einige der zuvor erwähnten Arten zwar deutlich über 2000 m gefunden werden können, aber nicht ausschliesslich im Gebirge wachsen, sind andere typisch für die subalpine und die alpine Stufe. Man trifft diese Bergblumen oft auf nicht gedüngten, alpinen Rasen und Wiesen, wo sie sehr schöne Gesellschaften bilden. So habe ich Anfang Juli gegen 1900 m am gleichen Ort die folgenden Berg-Orchideen angetroffen: Grüne Hohlzunae. Männertreu Die bescheidene Grüne Hohlzunge ist eine kleine Bergorchidee, die bis auf 2700 m vorkommt; dieses Exemplar hat eben ein Gewitter abbekommen.

und Kugelorchis. Wenige Meter davon entfernt gab torfiger, also saurer Boden den Lebensraum ab für zahlreiche Weisszungen. In der Nähe dieser vier Blumen waren weitere Orchideen wie das früh blühende Männliche Knabenkraut, das Holunder-Knabenkraut und die Langspornige Handwurz zu beobachten.

Nicht so hoch oben, gegen 1500 m, kann man im Wallis um die vierzig verschiedene Orchideen beobachten. Es lohnt sich also, die Natur mit offenen Augen zu erkunden! Vor allem, da die Lebensbedingungen mit zunehmender Höhe immer härter und die Orchideen kleiner Die gelbe Unterlippe des seltenen Frauenschuhs ist eine Falle, in die der Bestäuber fällt; sie hat nur einen engen Ausgang, und das sich hindurchzwängen-de Insekt wird von Pollen berieselt! Wer diese Pflanze entdeckt, sollte sie keinesfalls pflücken und den Ort, wo er sie gesehen hat, geheimhalten!

Viele Bergfreunde kennen das berühmte Männertreu, das bis auf 2800 m wächst; sein Duft zieht zahlreiche Bestäuber an - das ist allerdings nur ein Lockmittel, da die Blume keinen Nektar bietet!

und unauffälliger werden. Dieses Phänomen ist gut erkennbar an der Grösse der bescheidenen Zwergorchis, einer typisch alpinen und nordischen Art, die höchstens 15 Zentimeter hoch wird und nur im windausgesetzten Gelände zwischen 1400 und 2700 m wächst!

Schutz Wie die Schmetterlinge sind in der Schweiz auch die meisten Orchideen gefährdet. Besonders schlimm ist für diese Blumen das Verschwinden ihrer Lebensräume, vor allem im Tal, aber auch das Pflücken: So ist z.B. der einst verbreitete Frauenschuh so selten, dass man kein einziges Exemplar pflücken sollte, ungeachtet, wie häufig man ihn antrifft. Alle Orchideen-Arten sind übrigens für das ganze Gebiet der Schweiz vollständig geschützt.

Was die Lebensräume der Orchideen betrifft, so sollten Liebhaber dieser Pflanzen sie auf den Zehenspitzen begehen, um ihnen nicht Schaden zuzufügen. Naturfreundli-che Bodenbesitzer sollten die Bewirtschaftung ihrer Weiden oder Böschungen auf ein- oder zweimal Mähen pro Jahr ( nicht vor August ) einschränken und auf Dünger verzichten. Nach ein paar Jahren werden sie vielleicht auf ihrem Land verschiedene Orchideen sowie eine ganze Menge anderer Pflanzen und Schmetterlinge entdecken: Eine derartige Entwicklung habe ich auf einer Unterwasser Wiese mitverfolgt; sie erlaubte die Wiederansiedlung von fünf verschiedenen Arten! Solche Er-satzbiotope sind entscheidend in einem Land, das dermassen durch das Handeln und Eingreifen des Menschen bestimmt ist wie das unsere.

Alexandre Scheurer\ Lausanne ( ü ) Bibliographie - Danesch, E. & O.: Les orchidées de Suisse, Zürich 1984 -Reinhard, H.R., und andere: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg 1991 - Läuber, Konrad, und Wagner, Gerhart: Flora Helvetica, Bern/Stutt-gart/Wien, Haupt, 1996

Ipine Geschichte, ultur, Erzählungen

toria, cultura, etteratura alpina

istoire, culture

t littérature alpines

Feedback