Realistische Zeitangaben?

Von der Lektüre des Tourentipps auf den Mäntliser angezogen («Die Alpen»6/2011), habe ich den Südostgrat des Mäntliser erklettert: eine sehr schöne Kletterei, welche die lange Anreise aus der Westschweiz verdient. Trotz der mittleren Höhe ist er eine beeindruckende Pyramide, und der meist perfekte Gneis hält, was der Tipp verspricht.

Dennoch, mir scheint, dass der Tipp die Länge und Schwierigkeit der Tour unterschätzt. Die 20 Minuten bis zum Einstieg, bei einem Höhenunterschied von 200 Metern, sind nicht realistisch. Auch die drei bis vier Stunden für die Kletterei dürften nur sehr schnelle Kletternde erreichen, welche die Route bereits kennen. Unter den vier bis fünf Seilschaften, die gleichzeitig in der Route waren, hat keine den Gipfel in weniger als 5¾ Stunden erreicht. Dabei ist zu sagen, dass man leicht Zeit verliert, bis der erste Stand gefunden ist, der hinter einem Joch ein Stück weit hinter dem Zugangscouloir versteckt ist. Die weitere Kletterei verläuft eher im Bereich einer 4+ und 5. Leserinnen und Leser, die eine 3 oder 4 erwarten, riskieren also eine Überraschung. Überraschen könnte sie auch der Abstieg über die langen Flanken in schlechtem Fels über den Südwestgrat, wo die rote Markierung 150 Meter unter dem Gipfel beginnt.

 

Anmerkung der Redaktion: 

Bei Zeitangaben und Schwierigkeiten im Infoteil der Tourentipps stützen wir uns auf die Angaben in den Clubführern des SAC. Namentlich die Zeiten für Zustiege, aber auch die Kletterrouten sind als Richtzeiten für eine Zweierseilschaft anzusehen. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Zeiten je nach Verhältnissen und Gruppenmitgliedern bis auf das Doppelte steigen können.

 

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