Rettungsarbeit des SAC 1996

Rettungen im schwierigen Gelände erfordern den Einsatz von Rettungsspezialisten. Der SAC rekrutiert und bildet diese Rettungsspezialisten ( Bergführer, Lawinenhundeführer, Ärzte, SAC-Rettungsleute ) aus. Sie sind in 147 Rettungsstationen über das ganze Land verteilt und stehen bei Flugwetter den regionalen Flugrettungsorganisationen ( REGA, AIR-GLACIERS, AIR ZERMATT ) auf Abruf zur Verfügung. Bei schlechtem Wetter rücken sie terrestrisch aus.

1996 führten SAC-Rettungsleute 318 Rettungsaktionen mit 428 beteiligten der Hilfe bedürftigen Personen durch. Dies sind 35 % weniger Einsätze als im Vorjahr ( vgl. Grafik 1 ). Diese Abnahme dürfte einerseits durch die guten Verhältnisse während der Schönwetterperioden und andererseits durch die Rezession im Tourismus bedingt sein.

Wie in den Vorjahren kamen die SAC-Rettungsleute in 70% für klassische Bergnotfälle ( Wandern, Hochtouren, Klettern, Tourenskifahren, Variantenskifahren, Delta- und Gleitschirmfliegen ) zum Einsatz. 30% aller Personen stammten aber wieder aus bergsportfremden Bereichen wie Ver-kehrs-, Skipisten-, Arbeits-, Jagd-, Flug- oder sonstigen Sport-Unfällen. Es scheint, dass dieser Anteil von einem Drittel bergsportfremder Notfälle ein konstanter Faktor im SAC-Rettungswesen ist ( vgl. Grafik 2 ).

Wie in den Vorjahren erfolgten die SAC-Rettungseinsätze zu 20% rein

Rettungsarbeit des SAC 1996

Seit 1992 erfasst der SAC alle Bergnotfälle, die eine organisierte Luft- oder Bodenrettung notwendig machten, sowie alle Notfälle, bei denen SAC-Rettungs-spezialisten zum Einsatz gelangten.

Es liegen nun die Zahlen über die fünf vergangenen Jahre vor. Anhand dieser Statistiken werden Schulung und Ausrüstung der SAC-Rettungsleute optimiert, und zusätzlich kann durch eine zielgerichtete Ausbildung der SAC-Mit-glieder ein wesentlicher Beitrag zur Unfallverhütung geleistet werden. Gleich wie im Vorjahr wird zuerst über die Rettungsarbeit des SAC berichtet; im nächsten Heft folgt dann die Analyse aller Bergnotfälle 1996 mit einer detaillierten Statistik der tödlichen Bergunfälle.

Grafik 1:

SAC-Rettungen 1992-1996 1992 1993 1994 1995 1996 terrestrisch und zu 80% in Zusammenarbeit mit einer Luftrettungsorganisation. Insgesamt leisteten SAC-Rettungsleute 7517 ( 1995: 8259 ) Einsatzstunden, wobei davon wiederum über 70% für Suchaktionen aufgebracht werden mussten.

Die Suchaktionen machten 1996 rund 55% ( Vorjahre rund 40% ) aller SAC-Rettungseinsätze aus, und wiederum konnten über 80 % aller Vermissten gefunden werden. Im Durchschnitt kostete 1996 ein SAC-Ret-tungseinsatz Fr.2840.. Die Nationalität der 428 Beteiligten entspricht in etwa dem Vorjahr ( vgl. Grafik 3 ).

Die Rettungsarbeit des SAC bei den Bergnotfällen in der Schweiz Wie in den Vorjahren retteten die Flugrettungsorganisationen wiederum rund 60 % der definierten Bergnotfälle ohne SAC-Mithilfe. Knapp 30% wurden durch die SAC-Spezialisten in Zusammenarbeit mit dem Helikopter und 8% durch den SAC terrestrisch gerettet.

Fallbeispiel 1: Bergsportfremder Notfall: Ballonabsturz in Felswand Ein Heissluftballon kollabiert wegen starker Winde, stürzt mit fünf Schluchtrettung Insassen ab und verkeilt sich in einem steilen Couloir im oberen Drittel einer 400 m hohen Wand. Die Unfallstelle ist seitlich durch einen Überhang begrenzt. Fünf SAC-Bergführer werden mit der Longline ( 140 m ) in der Nähe abgesetzt. Der eingekeilte Korb mit den fünf toten Insassen wird nach einem Seilquergang erreicht und mit Bohrhaken gesichert. Die Bergung der Leichen und des Ballons dauert bis in den späten Nachmittag. Plötzlich aufkommender Nebel verhindert die Evakuation der Retter vor dem Einnachten. Mit einer improvisierten Beleuchtung des Longlinekabels gelingt es schliesslich, die fünf SAC-Retter in der Nacht aus der Wand zu fliegen.

Fallbeispiel 2: Terrestrische Suchaktion: Vermisste Wanderin Eine junge Frau kehrt abends von einer Wanderung nicht zurück. Um 23.00 Uhr wird die lokale SAC-Such-mannschaft mobilisiert und ein erster Suchflug mit dem Helikopter durchgeführt. Auch am folgenden Tag wird das erweiterte Gebiet eingehend abgesucht. Insgesamt stehen 20 SAC-Rettungsleute im Einsatz. Die vermisste Wanderin meldet sich am nächsten Morgen selber. Sie hat eine leichte Verstauchung erlitten und sich selber aus dem primären Suchgebiet entfernt.

Fallbeispiel 3: Helikopterrettung mit SAC-Spezia listen Eine Dreierseilschaft stürzt im Abstieg von einem Viertausender während eines aufkommenden Gewittersturms ab. Eine nachkommende Seilschaft kann per Funk alarmieren und erste Hilfe leisten. Bei starkem Wind und einer herannahenden Gewitterfront kann ein erster Heli SAC-Retter an den Unfallort fliegen. Ein Alpinist ist tot, und zwei sind schwerstverletzt. Nach der ärztlichen Versorgung am Unfallort können die beiden Schwerverletzten noch knapp vor dem Gewittereinbruch mit zwei Helikoptern ausgeflogen werden. Beide überleben den Unfall.

Helikopter im Anflug Rettung aus einem Bach Fallbeispiel 4: Kombinierter L uft-IBodeneinsa tz Ein asiatischer Wanderer entfernt sich im Hochsommer vom markierten Wanderweg, um zu fotografieren, stürzt dabei in eine tiefe Felsschlucht und wird vom Wasser mitgerissen. Eine erste Longline-Suchaktion in der bis zu 100 m tiefen und engen Schlucht muss wegen des hohen Wasserstandes erfolglos abgebrochen werden. Auf Wunsch der angereisten Eltern wird im Oktober bei tieferem Wasserstand nochmals eine grossangelegte Suchaktion durchgeführt. Für diesen kombinierten ( Longline und Sicherheit, Medizin, Rettungswesen e a < terrestrisch ) Einsatz wird die SAC-Ret-tungsstation durch Spezialisten der Seerettungspolizei ergänzt. Nach verschiedenen Abseilmanövern kann die Leiche schliesslich verkeilt in einer Treibholzbarriere geortet werden. Die Freilegung erfordert den Einsatz einer Motorsäge. Die gesamte Suchmannschaft wird anschliessend mit der Longline aus der Schlucht geflogen, und der tote Sohn kann den Eltern übergeben werden.

Diskussion 1996 hat die Anzahl der SAC-Ret-tungsaktionen mit 318 Einsätzen und 428 Beteiligten gegenüber dem Vorjahr erneut um rund einen Drittel abgenommen. Diese Abnahme dürfte durch die guten Verhältnisse in den Schönwetterperioden bedingt sein. Andererseits kann die Rezession des Tourismus dazu beigetragen haben.

Wiederum erfolgten über 70% aller Einsatzstunden der SAC-Ret-tungsleute für Suchaktionen, wobei rund 80% aller Vermissten gefunden werden konnten.

Auch 1996 wurde die Tatsache bestätigt, dass die SAC-Retter sich alljährlich mit einem Drittel bergsportfremder Notfälle ( Skipisten-, Ver-kehrs-, Arbeits- und Flugunfälle ) befassen müssen. Dieser Anteil ist in den letzten fünf Jahren absolut konstant geblieben. Ein Drittel der SAC-Rettungsarbeit findet also ausschliesslich im öffentlichen Interesse statt.

Rund 60% aller Bergnotfalleinsätze konnten von den Flugrettungsorganisationen ohne Hilfe des SAC durchgeführt werden. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit des SAC mit den Flugrettungsorganisationen ( REGA, AIR-GLACIERS, AIR ZERMATT ) und den Skipisten-SOS ist gut. Im schwierigen Gelände und vor allem im Hochgebirge müssen für die Sicherheit einer Aktion SAC-Rettungs-spezialisten ins Helikopterteam integriert werden. Bei Zuständigkeitsabklärungen in Grenzgebieten müssen die Einsatzleiter und Rettungschefs der bestmöglichen und schnellsten Versorgung eines Hilfebedürftigen absolute Priorität einräumen. Eine gesamtschweizerisch gültige, unabhängige Alarmierungsnummer dürfte 400 Grafik 3:

IL

CHD II 1995 FI l 1996 NEGB E Übrige 1000 Grafik 2: SAC-Rettungsarbeit 1992-1996 900 800700 i 600! I i 500 i 400 300 _i 200 100 0 1992 Bergnotfälle 1993 1994 1995 Andere Notfälle 199É diesbezüglich für die weitere Zukunft wünschenswert sein.

Die Analyse der Rettungsarbeit 1992 bis 1996 zeigt, dass es für Rettungsaktionen bei schlechtem Wetter, Suchaktionen in bewaldetem Gebiet, Aktionen im Hochgebirge, Lawinen-und Gletscherspaltenunfällen und für die Bergung von Gleitschirmern im schwierigen Gelände immer SAC-Ret-ter mit speziellen Kenntnissen braucht. Die Tatsache, dass die SAC-Rettungsarbeit in den letzten Jahren unfallfrei durchgeführt werden konnte, spricht für eine effiziente und genügende Ausbildung unserer Rettungsleute.

Das Rettungsrisiko muss bei jedem Einsatz immer mit der medizinischen Notwendigkeit abgestimmt werden, um im verantwortbaren Rahmen handeln zu können. Speziell für offensichtliche Leichenbergungen müssen die Risiken eingehend abgeklärt werden. Die Beurteilung des Rettungsrisikos kann aber immer nur vom Ret-tungsteam vor Ort gefällt werden.

Die SAC-Rettungorganisation ist als wichtiger Bestandteil der Schweizer Rettungskette eine absolut notwendige Ergänzung zum Flugrettungswesen und eine unabdingbare Voraussetzung für eine effiziente Rettungsarbeit im Gelände.

Rettungskommission SAC Arbeitsgrupe Statistik, B. Durrer, R. Hassler, H. Jacomet, U. Mosimann, F. Tschirky

International Congress of Mountain Medicine François-Xavier Bagnoud

Interlaken ( Switzerland ), August 27-30,. " " .1997

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