Rettungsarbeit des SAC 1998

Der SAC unterhält im Alpenraum - ausgenommen im Kanton Wallis1 - und im Jura 97 Rettungsstationen, die vorwiegend der Rettung oder Bergung in Not geratener Bergsportler dienen. In zunehmendem Masse müssen jedoch auch immer wieder Aufgaben der örtlichen Polizei- oder Wehrdienste übenommen werden, da es diesen an geeigneten Gebirgsspezialisten für Rettungs-aufgaben fehlt. Der Anteil der beteiligten Personen, die bei einer nicht bergsportspezifischen Tätigkeit verunglücken, nimmt zu.

Damit den in Not geratenen Personen raschmöglichst Hilfe zuteil wird, bildet der SAC Bergretter aus ( Bergführer, erfahrene SAC-Bergsteiger, Tabelle:

Anzahl Rettungseinsätze nach Zonen1 Lawinenhundeführer, Rettungsspezialisten usw. ). Bei den Rettungseinsätzen werden nach Möglichkeit Helikopter einbezogen. Dass die lokalen Behörden auf die Dienste der SAC-Rettungsstationen angewiesen sind, zeigen ausserordentliche Situationen, wie sie beispielsweise im Lawinenwinter 1998/99 auftraten, besonders deutlich.

Das SAC-Rettungsjahr 1998 in Zahlen Aktionen 1998 führten SAC-Rettungsleute 323 Rettungsaktionen mit 438 in Bergnot geratenen Personen ( BeteiDie Rettungstätigkeit im Kanton Wallis wird im vorliegenden Bericht auch nicht berücksichtigt, weil diese Region eine eigene Rettungsorganisation unterhält.

Foto: Peter Donatsch Zone Zone Zone Zone Zone Zone Zone Zone 1996 1997 1998 1: Alpstein, St. Galler Oberland 31 27 29 2: Nord- und Mittelbünden 36 67 30 3: Engadin, Bergell, Puschlav 32 26 39 4: Glarnerland 13 13 23 5: Zentralschweiz 25 27 31 6: Berner Oberland, Solothurner Jura 89 111 90 7: Waadtland, Freiburger Alpen 23 26 14 9: Tessin 46 60 64 Zone 10: Jura 1 Zone 8 Oberwallis und Zone 11 Unterwallis erscheinen nicht in dieser Statistik.

ligte ) durch. Dies bedeutet im Vergleich zum Jahr 1997 eine Abnahme der Einsätze um 12% und der beteiligten Personen um 10%. Damit liegen die Einsatzzahlen wieder im Bereich der Vorjahre ( vgl. Grafik 1 ).

Aufwand Das Total der Einsatzstunden reduzierte sich sogar noch etwas stärker, nämlich um 15% auf 10352 Stunden ( 1997: 12203 Stunden ). Hingegen gab es innerhalb dieser Einsatzstunden eine Verschiebung hin zu einem um 8% höhern Anteil der aufgewendeten Stunden für Suchaktionen ( vgl. Grafik 2 ).

Unfallentwicklung 1998 entfielen zwei Drittel der Einsätze auf klassische Bergnotfälle ( Wandern, Hochtouren, Klettern, Tourenskifahren, Varianten-Skifah-ren, Delta- und Gleitschirmfliegen ), ein Drittel war aufgrund einer bergsportfremden Tätigkeit notwendig geworden: Verkehrs-, Skipisten-, Arbeits-, Jagd-, Flug- oder sonstige Sportunfälle ( vgl. Grafik 3 ). Dies zeigt, dass der SAC nunmehr ein Drittel aller Einsätze im öffentlichen In- Die Rettung von Gleitschirmpiloten aus Bäumen ist heikel und muss entsprechend geübt werden.

Grafik 1:

Anzahl Beteiligte und Rettungseinsätze 1996-1998 teresse ausführt, d.h., er übernimmt eine Aufgabe der Kantone, in deren Zuständigkeitsbereich das Rettungswesen liegt. Konstant blieb mit 7% die Anzahl der in einen Bergnotfall verwickelten SAC-Mitglieder.

Art und Zahl der Einsätze 1998 erfolgten die SAC-Rettungs-einsätze zu 38% rein terrestrisch und zu 62% in Zusammenarbeit mit einer Luftrettungsorganisation.

Die Einsätze konzentrierten sich auf die Hochtouren- und Bergsteigersaison der Sommermonate Juli und August. Die hohe Anzahl Einsätze im August ist witterungsbedingt und auf die ungünstigen Schnee- und Firnverhältnisse zurückzuführen ( vgl. Grafik 4 ).

Nationalität der Betroffenen Die Herkunft der geretteten oder geborgenen Berggänger unterscheidet sich nicht wesentlich von den Zahlen der Vorjahre. Lediglich mehr als doppelt so viele Italiener wurden in Bergunfälle verwickelt als beispielsweise 1996.

Rettungstätigkeit in den Zonen Die Rettungsstationen sind in 11 Zonen eingeteilt und bedürfnisorien-tiert über den ganzen Alpenraum und den Jura verteilt ( vgl. Grafik 5, S. 46 ). Trotzdem gibt es grosse geografische Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von Einsätzen. Einige Rettungsstationen kommen höchstens einmal pro Kalenderjahr zum Einsatz, andere verzeichnen 20 Einsätze ( vgl. Tab. S. 44 ). Diese grossen Unterschiede erschweren die einheitliche Ausrüstung und das Festlegen von Mann- Schaftsbestand und Einsatzdoktrin der Rettungsstationen. Grundsätzlich muss jede Region entsprechend den örtlichen Gegebenheiten das lokal effizienteste Rettungswesen aufbauen. Dabei werden alle Partnerorganisationen ( Flugrettungsorganisation, Polizei, Wehrdienste, Pistenrettungs-dienste usw. ) in das Konzept einbezogen.

Die Rettungstätigkeit ist in Gebieten mit viel Bergsteigertourismus ( Berner Oberland, Bündnerland ) am höchsten, die Stationen sind entsprechend gut ausgerüstet und eingeübt. Aber auch in den schwächer frequentierten Regionen ist eine zuverlässige Bergrettung dringend nötig. Dort steht und fällt die Organisation der Rettungsstation mit dem persönlichen Engagement der einzelnen Retter.

Typische Rettungsaktivitäten Fallbeispiel 1: Vermisste Tourenskifahrer Die Meldung, dass zwei Tourenskifahrer noch nicht zurück sind, geht um 21 Uhr ein. Die geplante Route Grafik 3: Anteile Bergnotfälle und andere Notfälle 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 3614 Suchaktione i|| Ein*«« mm 2217 2033 ^MM!

80 70 60 50 40 30 20 10 1996 1997 1998 Grafik 2:

Aufteilung der Einsatzstunden Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.

Grafik 4:

Anzahl Einsätze nach Monaten kann von der besorgten Gattin des einen Partners angegeben werden. Demzufolge sind die beiden am Morgen losmarschiert und hätten längst zurück sein sollen. Nachdem alle möglichen Abklärungen getroffen worden sind, startet eine Suchmannschaft in das besagte Gebiet und findet die beiden unverletzt. Sie haben sich verfahren und mussten einen längeren Anstieg in Kauf nehmen. Da sie keine Stirnlampen bei sich hatten, dauerte die Abfahrt bis zum Eintreffen der Suchmannschaft.

Fallbeispiel 2: Gleitschirmunfall Eine junge Gleitschirmpilotin ist mit einigen Kollegen in einem bekannten Gleitschirmgebiet unterwegs. Das Wetter ist vorerst gut, und sie finden an den stark besonnten Hängen eine ideale Thermik vor. Mit zunehmender Flugdauer wird die Thermik immer ruppiger, so dass die junge Frau ins Tal fliegen will. Da sie jedoch etwas zu tief ist, kollidiert sie auf einer Bergkante mit einer Tanne, 199611 1997 1998

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen die am Rand eines ca. 100 m tiefen Abgrunds steht. Sie bleibt glücklicherweise am Baum hängen. In Anbetracht der ausgesetzten Lage muss sie Hilfe anfordern. Die SAC-Retter sichern und bergen die verunfallte Gleitschirmpilotin und können sie beinahe unverletzt ins Tal bringen.

Kommentar SAC-Rettungsarbeit immer stärker im öffentlichen Interesse Wohl haben 1998 die Anzahl der SAC-Rettungsaktionen um 12% und jene der geretteten oder geborgenen Personen um 10% abgenommen, so dass diese Werte im langjährigen Mittel unter dem Durchschnitt liegen. Hingegen hat sich der Anteil an bergsportfremden Notfällen ( Ski-pisten-, Verkehrs-, Arbeits- und Flugunfälle ), bei denen Rettungsspezialisten zugezogen werden mussten, im Berichtjahr 1998 von 28 auf 33% erhöht. Die Bedeutung des SAC als wichtiger Bestandteil in der Rettungskette der Schweiz hat damit erneut zugenommen, leistet er doch einen beträchtlichen Teil seiner Rettungs- Die Handhabung des Spal-tenrettungsgeräts wird fürden Ernstfall geübt.

Grafik 5:

Zoneneinteilung der Rettungsstationen arbeit im öffentlichen Interesse und nicht mehr « nur » zur Rettung von Bergsportlern.

Gute Zusammenarbeit Ohne die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Flugrettungsorganisationen ( REGA, Air-Glaciers und Air Zermatt ), den Polizei- und Wehrdiensten, den Pistendiensten der Bergbahnen und den Rettungs-organen der Armee wäre eine rasche und effiziente Hilfeleistung nicht sichergestellt. In schwierigem Gelände und vor allem im Hochgebirge müssen und werden SAC-Rettungsspezia-listen konsequent in die Helikopter-teams integriert werden.

Fazit Die Analyse der langjährigen Rettungsarbeit zeigt, dass es für Rettungsaktionen bei schlechtem Wetter, Suchaktionen in bewaldetem, unwegsamem Gebiet, im Hochgebirge, bei Lawinen- und Gletscherspaltenunfällen und für die Bergung von Gleitschirmpiloten in exponiertem Gelände immer SAC-Retter braucht. Auch in ausserordentlichen Situationen und in Krisenzeiten kann auf die Tätigkeit der SAC-Bergrettung nicht verzichtet werden.

Die SAC-Rettungsorganisation ist als ein entscheidender Bestandteil des schweizerischen Rettungswesens zu betrachten und bildet eine absolut notwendige Ergänzung zum Flug-rettungsbereich.

H. Jaggi, U. Mosimann, R. Hassler, H. Jacomet, F. Tschirky, B. Durrer, Rettungskommission SAC, Arbeitsgruppe Statistik

/on Hütten und Biwaks

( ifugi e bivacchi

ibanes et bivouacs

Feedback