SAB engagiert sich für die Berge.Vom Reden zum Tun

SAB engagiert sich für die Berge

Das internationale Jahr der Berge hat den Bergen viel Interesse und noch mehr Medienpräsenz beschert. Verschiedene Institutionen kümmern sich aber nicht nur im UNO-Jahr der Berge um die Berge. So auch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB, die sich für die Förderung und den Erhalt einer gesunden Bergwelt einsetzt. Ihr Direktor, Thomas Egger, gibt Auskunft.

ALPEN: Herr Egger, das UNO-Jahr der Berge und die SAB nehmen sich beide des gleichen Themas an. Warum waren nicht Sie der Initiant des internationalen Jahrs der Berge?

Thomas Egger: Ganz einfach, weil die Schweiz damals noch nicht UNO-Mitglied war. Nichtsdestotrotz haben Schweizer, allen voran der Berner Geograf Bruno Messerli 1, im Hintergrund intensiv daran mitgewirkt, dass schliesslich Kirgisien den Antrag für ein internationales Jahr der Berge in der UNO-Voll-versammlung stellte.

Die Landschaft und der Lebensraum der Berge und damit auch Ihr Tätigkeitsfeld stehen seit einem Jahr im Zentrum der breiten Öffentlichkeit. Spüren Sie nun mehr Unterstützung für Ihre Arbeit? Was wir in diesem Jahr vor allem gespürt haben, ist ein verstärktes Medien-interesse. Dazu haben die verschiedenen Aktivitäten wesentlich beigetragen. Vom blossen Interesse zur tatkräftigen Unter-

1 Prof. Bruno Messerli wurde für seinen Einsatz u.a. kürzlich mit der King Albert Medal of Merit ausgezeichnet. Vgl. ALPEN 11/2002 2 Vgl. die Internetsite www.sab.ch 3 Vgl. ALPEN 2/2002

stützung ist aber noch ein grosser Schritt. Wir sind uns bewusst, dass unsere Arbeit erst angefangen hat.

Die SAB will vor allem das Berggebiet als Lebens- und Wirtschaftsraum erhalten. 2

Wie packen Sie das an?

Auf zwei Ebenen: Einerseits sind wir bestrebt, auf dem politischen Parkett möglichst gute Rahmenbedingungen für die Berggebiete zu schaffen. Dazu nehmen wir Einfluss auf wichtige Sachgebiete wie zum Beispiel auf die Ausgestaltung der Regionalpolitik, die Neugestaltung des Finanzausgleichs und den Service public. Andererseits unterstützen wir konkrete Projekte in den Bergregionen wie z.B. das UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau– Aletsch–Bietschhorn. Ein weiteres wichtiges Instrument ist die Koordinationsstelle für Arbeitseinsätze im Berggebiet ( KAB ), mit der wir jährlich rund 5000 Arbeitstätige ins Berggebiet vermitteln.

Der Abbau des Service public geht jedoch wacker voran. Poststellen gehen zu, Dorfläden machen dicht, die neue Kommuni-kationstechnologie wird auf die städtische Agglomeration konzentriert. Werden damit nicht die Ziele eines intakten Lebensund Wirtschaftsraumes in den Bergen untergraben?

Doch, genau das wird geschehen, wenn der Abbau so weitergeht wie bis anhin. Durch die verschiedenen Libera-lisierungsschritte bei Swisscom, Post, SBB und Armee sind in den Berggebieten in den letzten fünf Jahren zusammengerechnet rund 20 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Dieser Abbau schlägt sich nun auch in der Bevölkerungsentwicklung nieder. In 28 von 54 Bergregionen war die Bevölkerungsentwicklung in den vergangenen fünf Jahren negativ. Wir werden uns deshalb in Zukunft entschieden gegen weitere Liberalisierungs-schritte stellen.

Ihr Präsident, der Bündner Ständerat Theo Maissen, ist ein gestandener bürgerlicher Politiker. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder gehören nicht gerade zu den « grünen » Politikern. Wie hält es die SAB mit der von den Gegnern als protek-tionistisch bezeichneten Alpenkonvention? Unser Vorstand ist sehr heterogen zusammengesetzt. Das ermöglicht uns spannende Diskussionen. Wir haben uns auch lange und intensiv mit der Alpenkonvention auseinander gesetzt. Die SAB hat sich bis 1996 gegen die Alpenkonvention ausgesprochen. Auf unsere Initiative hat 1994 die Arbeitsgruppe Messerli Vorschläge für ein sozio-ökonomisches Protokoll ausgearbeitet. Das Protokoll selber wurde zwar abgelehnt, doch sind wichtige Bestimmungen in die übrigen Protokolle eingeflossen und haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Alpenkonvention ihren einseitigen Schutzcharakter abgelegt hat. Dies und das Abkommen von Arosa zwischen dem Bund und der Regierungskon-ferenz der Gebirgskantone waren die ausschlaggebenden Elemente, die uns dazu bewogen, der Alpenkonvention zuzustimmen.

Ziel der SAB: Erhalt des Service public Fotos: Archiv Jürg Meyer DIE ALPEN 12/2002

Leserbriefe

La posta dei lettori

Courrier des lecteurs

Weshalb steht die Alpenkonvention immer wieder im politischen Gegenwind? Haben die Interesssen der Alpenbewohner in der Schweiz eine solch schlechte Lobby im Parlament?

Die Alpenkonvention wird in erster Linie von economiesuisse bekämpft, einer Organisation, die sich bis anhin noch nie für die Berggebiete eingesetzt hat. Die Hintergründe für diesen Kampf gegen die Alpenkonvention sind klar. economiesuisse möchte der Regionalpolitik ein Ende setzen und hat sich schon lange gegen die Abgeltung der Ressour-cennutzung ( z.. " " .B. Wasserzinse ) gestellt. Die Alpenkonvention sieht bekanntlich genau diese Möglichkeit vor. Es ist in diesem Zusammenhang bedauerlich, dass sich auch Wirtschaftsexponenten aus dem Berggebiet gegen die Alpenkonvention stellen und dabei die Argumente von economiesuisse übernehmen. Wenn wir von Argumenten sprechen: Interessant ist übrigens auch, dass sich die Gegner vielfach noch auf Protokollentwürfe und nicht auf die bereinigten Protokolle stützen.

Wir danken für das Interview und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. Der SAC unterstützt wie die SAB die Ratifizierung der Alpenkonvention 3, da er seinen Mitgliedern für das Bergerlebnis einen lebendigen Alpenraum erhalten möchte. a

Interview Jöri Schwärzel, Mitglied der Umweltkommission Ziel der SAB: Erhalten und Schaffen guter Rahmenbedingungen für die Bergbevölkerung

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