SAC-Fotoführer. Neue Reihe aus dem SAC-Verlag

Der SAC-Verlag setzt mit seiner neuen Reihe « Fotoführer » neue Massstäbe. Der erste Band ist der Hochtouren-führer « Hoch hinaus » der Autoren David Coulin, Barbara Leuthold Has ler

und Stéphane Maire.

Nicht nur das Grossformat 24330 cm, auch die Gestaltung und der hohe Quali-tätsanspruch der neuen SAC-Fotoführer-reihe setzen Massstäbe: Zum Serviceteil mit einer ganzen Seite pro Tour kommen Übersichtskärtchen, Routenfotos, Schwierigkeitsangaben, viele nützliche Informationen, spannende Texte und herrliche Bergbilder. Für SAC-Verlags-leiter Hans Martin Ott ist klar, dass sich dieses Buch an alle an der Bergwelt interessierten Menschen richtet, egal, ob sie von Hochtouren träumen oder diese selber machen. Zudem überspringt der SAC mit diesem Werk den hochalpinen Röstigraben: Das Autorentrio stellt Touren aus allen Landesteilen vor, und das Werk erscheint parallel in einer französischen und einer deutschen Ausgabe.

Warum diese neue Reihe?

Die SAC-Clubführer – heute Alpinführer genannt – würden den « Charme einer Gesetzessammlung verströmen », wird etwa moniert. Für Hans Martin Ott kann der SAC zwar stolz auf die Bezeichnung « Berggesetzgeber » sein, aber die nüchternen SAC-Alpinführer vermitteln nicht jene Freude an der Bergwelt, die eine Triebfeder jeder alpinistischen Tätigkeit sein sollte. Mit diesem neuen Band soll die Lust auf « Bergabenteuer » geweckt werden. Vorgestellt werden denn auch leichtere Genusstouren. Dabei müssen die angegebenen Schwierigkeiten aber ernst genommen und bei Bedarf ein Bergführer beigezogen werden. a Margrit Sieber, Karine Begey

Die Autoren von « Hoch hinaus » haben einige Fragen rund um die Entstehung dieses ersten Bandes der neuen SAC-Reihe«Fotoführer » beantwortet.

Die liebste Tour? Warum?

Die Überschreitung Schreckhorn–Lauteraarhorn – an einem Tag, an dem einfach alles stimmte. Mein Grindelwaldner Führer und ich waren gegen Ende der Saison in Topform, und die Verhältnisse waren perfekt. Um vier Uhr starteten wir bei der Schreckhornhütte, Sonnenaufgang auf dem Schreckhorn, Mittagessen auf dem Lauteraarhorn und zehn Stunden nach Aufbruch zurück bei der Schreckhornhütte. Ein Traum!

Die Überschreitung Caciadur–Scälin–Cima dal Cantun im Bergell. Weil sie alles hat, was für mich eine Tour besonders lohnend macht: Sie führt durch eine beeindruckende Landschaft, ist einsam und bietet auf weiten Strecken eine herrliche Aussicht. Der lange Felsgrat zwischen Caciadur und Cima dal Cantun ist abwechslungsreich, lässt Varianten zu, besteht aus festem Bergeller Granit und gipfelt in einem ästhetischen Firngrat.

Die Überschreitung vom Besso zum Blanc de Moming im Val d' Anniviers. Diese hat alles, was das Herz eines Alpinisten höher schlagen lässt: kurzen Anstieg, guten Fels, abwechslungsreiche Klettereien, die individuell verlängert werden können, aussergewöhnliche Aussicht gegen die Viertausender der « Kaiserkrone » – das Matterhorn erscheint beim Aufstieg. Auf dem Besso angekommen, vervollständigt die Überschreitung das Abenteuer, ohne es endlos zu machen. Der Abstieg ist relativ kurz und nicht allzu technisch. Welches ist die schönste Erinnerung? Die letzte Tour war das Weisshorn, das zugleich der letzte Schweizer Viertausender war, den ich noch nicht bestiegen hatte. Zwölf Tage, die ich mir freigehalten hatte, musste ich wegen schlechten Wetters verstreichen lassen, ehe mir Petrus Anfang September 2005 doch noch eine Chance gab. Sonnenaufgang auf dem Schlussgrat. Eine Viertelstunde später Nebel, aber die entscheidende Aufnahme war im Kasten. Das ist wunderschön.

Besonders gern erinnere ich mich an den Abend in der Mittellegihütte. Sie liegt ja so fantastisch, dass man sich eher wie in einem Flugzeug als in einer Hütte fühlt. Dazu wechselten die Stimmungen dauernd: Mal Wolken über dem Grat, mal stauten sie sich an der Eiger-Nordwand, und zwischendurch verwandelten sich unsere Schatten im Nebel in Brockengespenster. Unvergesslich bleibt auch der Sonnenuntergang neben der imposanten Kulisse. Zu viert war es in der Hütte zudem äusserst gemütlich.

Die Arbeit im Gelände hat mich viel mehr befriedigt als die redaktionelle Arbeit. Unterwegs erlebt man die schönsten Momente. Auf dem Besso beispielsweise haben wir nach Schneefall im Monat Juli winterliche Verhältnisse angetroffen, die die Gegend verzauberten. Von jeder Tour haben wir unvergängliche Erinnerungen mitgenommen.

David Coulin Barbar a Leuthold H asler Stéphane M air e Höhepunkt der Arbeit rund um dieses neue Werk war für Autor David Coulin die Überschreitung Schreckhorn–Lauteraarhorn mit perfekten Verhältnissen. Ein Traum!

Foto: zvg/David Coulin

Die Autoren von « Hoch hinaus » haben einige Fragen rund um die Entstehung dieses ersten Bandes der neuen SAC-Reihe«Fotoführer » beantwortet.

Überraschungen?

« Hoch hinaus » ist bislang das komplexeste Bergbuchprojekt, an dem ich beteiligt bin: Drei Autoren aus zwei Kulturkreisen, Übersetzungen, Routenfotos und Kartenskizzen – unzählige Details mussten geklärt und abgesprochen werden. Zum Glück ergänzten wir uns im Autorenteam: Wir bildeten eine Seilschaft mit hoher Motivation und Professionalität.

Es gab viele Überraschungen, vor allem in den selten begangenen Routen, zu denen ich meist nur wenig aktuelle Informationen auftreiben konnte: Fels, der im positiven oder negativen Sinn überraschte, oder auch der Eisschwund der letzten Jahre. Die schönste Überraschung war der bunte « Alpengarten », den wir im Tessin in der Nähe des Marchhorns auf fast 3000 m antrafen: ein völlig unerwarteter Pflanzen- und Blütenreichtum, an dem wir uns kaum satt sehen konnten.

Der Reiz der meist klassischen Touren. Ich hatte sie vorher nicht alle gemacht, da ich oft mehr technischere Routen bevorzugte. Aber sie bereiteten mir alle grosses Vergnügen. Man erfährt in diesen Routen eine grosse Befriedigung, ohne dass klettertechnische Heldentaten verlangt werden. Grösste Schwierigkeit bei der Rekognoszierung? Wegen des Fotomaterials mussten die Verhältnisse gut bis sehr gut sein. Das verlangte über die ganze Sommersaison hindurch eine grosse zeitliche Flexibilität. Das war nur möglich dank der Unterstützung und des Engagements meines Umfeldes: Familie, Arbeitgeberin und Bergfreund Mike Hilzinger, der organisierte, führte und Modell stand.

Am meisten Schwierigkeiten bereitete mir das unsichere Wetter und die dauernd wechselnden Wetterprognosen im Sommer 2005. Unzählige Male musste ich am Vorabend einer fertig organisierten Tour sämtliche Reservationen annullieren, Seilpartnern absagen und am nächsten Morgen von neuem mit der Planung beginnen.

Die grösste Schwierigkeit für mich lag in der Bearbeitung der praktischen Informationen rund um jede Route. Nicht dass dies an und für sich sehr schwierig wäre, aber es ist eine eher langweilige Arbeit. Auch das Zeichnen der Topos einer Route ist nicht immer so einfach. Man muss stets abwägen zwischen zu viel und zu wenig. Und dazu den verfügbaren Platz im Auge zu behalten, was nicht ganz so einfach ist.

Die liebste Tour für Autor Stéphane Maire ist die Überschreitung Besso–Blanc de Moming im Val d' Anniviers. Sie hat alles, was das Alpinistenherz höher schlagen lässt: kurzen Anstieg, guten Fels, abwechslungsreiche Klettereien Die besonders lohnende Tour für Autorin – und Bergführerin – Barbara Leuthold Hasler ist die Überschreitung Caciadur–Scä-lin–Cima dal Cantun im Bergell: abwechslungsreich, einsam, herrliche Aussicht Foto: zvg/Stéphane Maire Foto: zvg/Barbar a Leuthold

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Trotz Zunahme der Notfälle weniger Bergtote

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