SAC wirft im Fall Trift Grundsätze über Bord

Zum Artikel Die Pläne an der Trift,«Die Alpen» 11/2020

Es ist leider bezeichnend, unter welchen zwei Aspekten der Artikel die Landschaft Trift bewertet: touristisches Potenzial und energiewirtschaftliches Potenzial. Nicht erwähnt wird das ökologische Potenzial, das diesen neu entstandenen Gebirgskessel auszeichnet: ein natürlicher See, vielfältige Wildbäche, Wasserfälle und Tümpel, Moränenterrassen, Sand- und Kiesbänke, auf denen sich die Pioniervegetation ausbreitet. Ein Potenzial, das nicht in Franken oder Gigawattstunden beziffert werden kann. Ein Potenzial, das inmitten seiner jugendlichen Dynamik ertränkt werden soll.

In der ganzen Debatte sehr enttäuschend ist die Haltung des SAC. Postuliert er doch in seinen Umweltrichtlinien: «Neue Grossanlagen, welche neue Geländekammern und noch nicht gezähmte Gewässer tangieren, sollen nicht mehr gebaut werden.» Und: «Der SAC fordert die Einhaltung von gesetzlichen Restwassermengen.» Um dann im Fall Trift gleich beide Grundsätze einfach über Bord zu werfen. Und dies, obwohl selbst er festhält: «Die Schweizer Alpen werden hydroelektrisch intensiv genutzt, viele Täler sind verbaut, zahlreiche Wildbäche sind zu kümmerlichen Restwassern verkommen.» Wer sich öfter in den Bergen bewegt, kennt diese bitteren Tatsachen. Nun kommt die Klimaerwärmung und bringt uns – neben allen Problemen und Herausforderungen – eine einmalige historische Chance: Noch einmal werden grosse Gebiete eisfrei und damit zu ökologisch wertvollen Landschafts- und Gewässerbiotopen. Wir haben die Wahl: Wollen wir im alten Stil fortfahren und diese Gebiete der Industrialisierung opfern? Oder wollen wir die Chance packen und die von den Gletschern freigegebenen Gebiete unangetastet unter Schutz stellen? Es wäre ein kostbares Geschenk an die nachfolgenden Generationen.

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