SACler Franz Steinegger, Expo.02-Präsident. Trittsicher in die SAC-Zukunft

Trittsicher in die SAC-Zukunft

Im Jahr 2000 erhielt Franz Steinegger die Urkunde zum 35. Mitgliedsjahr bei der Sektion Gotthard des Schweizer Alpen-Clubs. Zwischen 1989 und 1991 war er Zentralpräsident. Präsident ist er auch gegenwärtig – von der Expo.02, an der auch der SAC präsent ist.

ALPEN: Herr Steinegger, haben Sie sich am Boulder des SAC in Neuchâtel schon versucht?

Franz Steinegger: Ich nicht, aber mein Junior, der achteinhalbjährige Benjamin. Hingegangen bin ich jedoch schon einige Male. Bei schönem Wetter waren jeweils viele Schüler dort. Die Boulder-Anlage wurde von ihnen richtiggehend überflutet. Ich sah aber auch schon professionelle Kletterer am Werk.

Der SAC mit einem künstlichen Berg an der Expo, passt das?

Der Berg-Mythos gehört einfach an die Expo. Der Auftritt des Boulders mit seinen künstlichen, schroffen Gipfeln auf der Arteplage Neuenburg zum Thema « Natur und Künstlichkeit » passt hervorragend. Das hat auch Martin Heller, der künstlerische Direktor der Expo.02, sofort erkannt. Dank der grosszügigen Spende von alt Bundesrat Rudolf Friedrich konnte die Anlage letztlich auch aufgestellt werden. Er hat uns 50 000 Franken zugesagt, die wir dann zu diesem Projekt lenken konnten. Wie wirkte der SAC-Auftritt an der Expo 1964 in Lausanne auf Sie?

1964 war ich bereits SAC-Mitglied, erinnere mich aber nicht mehr an den Auftritt des Clubs. Ich nehme aber an, dass 1964 eher die Hütten, das Rettungswesen und der Schutz der Gebirgswelt im Zentrum standen.

Während der Expo.02 wird viel über Identität und Standortbestimmung geredet. Was hat sich Ihrer Ansicht nach beim SAC zwischen den beiden Ausstellungen getan? Der SAC hat es geschafft, neue Strömungen zu integrieren. Das war uns während der Zeit des CC ( Zentralkomitees ) Gotthard zwischen 1989 und 1991 ein grosses Anliegen. Meiner Meinung nach hat beispielsweise die Integration des Ressorts Sportklettern, dessen Aufnahme vor zehn Jahren noch umstritten war, den SAC belebt. Wichtig sind auch das breitere Angebot für Kinder und Jugendliche sowie Wanderangebote für Senioren. Der SAC bietet heute eine breite Palette von Dienstleistungen im Freizeitsektor an.

Bleibt da die Kirche noch im Dorf?

Alpinismus hatte schon immer viele Spielarten, und der Zeitgeist verändert ihn zusätzlich. Pionier ist der SAC aber immer noch, wenn Sie das meinen: Gerade in der Rettung im alpinen Bereich, der Ausbildung, der guten Infrastruktur der Hütten oder beim Schutz der Gebirgswelt ist er nach wie vor Entwickler von neuen Ideen.

Nehmen wir an, die Expo.02 hat eine Nachfolgerin. Wagen Sie einen Tipp zu den Themen, mit denen sich der SAC das nächste Mal auseinander setzen wird? Klettersteige und gut gesicherte Routen haben gegenwärtig Konjunktur. Diese Entwicklung wird weitergehen. So in 20 Jahren wird aber zunehmend über Sinn und Zweck solcher Anlagen, vor allem im Zusammenhang mit deren Unterhalt, nachgedacht werden. Klettersteige und sichere Routen sind eine Chance für den lokalen Tourismus – ich denke hier im Speziellen an die Bergführer –, der Grad des Ausbaus hingegen ist eine Gratwanderung: Man kann nicht alles und jedes vernageln. Über Begrenzungen wird deshalb diskutiert werden müssen. a

Christoph Aebischer, Bern SACler Franz Steinegger, trittsicher als Präsident der Expo.02 und als Alpinist. Hier mit Sohn Benjamin am Hundstock im Lidernengebiet.

Fo to: z vg DIE ALPEN 7/2002

Von der « Landi » zur Expo.02

SAC bei jeder Landesausstellung dabei

Der SAC fehlte an keiner der bisherigen Landesausstellungen. Die jeweiligen Präsentationen belegen den Wandel des Verbands vom alpinistischen Pionier hin zum facettenreichen Bergsportverband.

1883 – Zürich: Die erste Landi zeigte den SAC als Pionier und stand im Zeichen der wissenschaftlichen Erschliessung der Alpen. Der zwanzigjährige Alpenclub bot Kartografen ein Forum, um ihre Produkte zu zeigen. Geld war aber schon damals einfacher ausgegeben als gespart: Im Schlussbericht steht, dass das Budget von 3000 Franken um satte 1400 Franken überzogen worden war.

1896 – Genf: Erstmals wurde in Genf eine Hütte naturgetreu aufgebaut. Die Cabane de Bertol stand in ihrer ursprünglichen Form bis 1975 auf 3311 m ü. M. oberhalb von Arolla. 1914 – Bern: Mit dem grossen Relief des Berner Oberlands von Simon Simon, das heute im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern zu sehen ist, gewann der SAC den Grand Prix der Jury. Ein « Clou » war das damals noch, heute wäre es ein « Hit ». Die Ausstellung war nicht mehr dem Bereich Forst, Jagd und Fi-schereiwesen zugeordnet. Neu präsentierte sich der Club im Sportpavillon. 1939 – Zürich: An dieser Ausstellung, die als die « Landi » schlechthin in die nationale Geschichte einging, wurde eine voll ausgerüstete Hütte ausgestellt. Die Leutschachhütte steht heute oberhalb von Amsteg.

1964 – Lausanne: Der SAC wandelt sich. Sein Beitrag befindet sich im Sektor L' art de vivre/Joie de vivre unter dem Thema « Sport und körperliche Erziehung ». Gezeigt wurde u.a. ein grosses Bild mit einer Seilschaft auf dem Gipfel. Speziell erwähnt wird, dass eine Frau mit von der Partie war. Zur offiziellen gemeinsamen Seilschaft zwischen dem – männerdominierten – SAC und dem Frauen-SAC ( SFAC ) kam es dann erst ab 1980 auf Grund eines AV-Beschlusses von 1978.

2002 – Drei-Seen-Land: Der Alpinismus steht zwar noch immer im Zentrum des SAC, die neuen Sportarten gewinnen in einer differenzierten Freizeitgesellschaft aber an Gewicht. Und so wird an der Expo.02 unter dem Thema « Natur und Künstlichkeit » gebouldert. Der zu erklimmende Gipfel der Skulptur « les ailes du désir » von Steve Léchot ist nur gerade sechs Meter und nicht 4000 Meter hoch. a

Christoph Aebischer, Bern Landesausstellung 1896 in Genf: Die SAC-Sektionen präsentieren die verschiedenen Regionen der Schweizer Berge anhand von Reliefs, Karten, Panoramen. « Landi 1939 »: Das Innere der Leutschachhütte. Allein das Efeu vor dem Fenster weist darauf hin, dass die Hütte auf dem Landiareal in Zürich steht.

Landesausstellung 1914 in Bern: Besuch des Königs Albert von Belgien ( markiert mit weissem Kreuz ) bei der Sporthalle. In ihrer unmittelbaren Nähe ist das Ausstellungsobjekt des SAC: eine Klubhütte, die dann als Dammahütte am Moosstock oberhalb der Göscheneralp aufgestellt wird.

Die an der « Landi » gezeigte Leutschachhütte an ihrem Bestimmungsort im Leutschachtal ob Amsteg

och sieht man kaum etwas durch das Wagenfenster, aber der Chauffeur fährt schnell. Ab und zu die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs, dann nur wieder der monotone Lärm unseres Wagens. Dazwischen einige Gesprächsbrocken in Russisch, denn mein Chauffeur hat noch einen Kollegen aus Kasachstan mitfahren lassen. Es ist Samstagmorgen zwischen Almaty und Bischkek. Die komfortable Boeing 747 ist um 2 Uhr nachts auf dem Flughafen in Almaty im südlichen Kasachstan gelandet und hat mich in einer anderen Welt abgesetzt. Die Zollkontrolle war wie üblich mühsam, und doch scheint sie jedes Jahr etwas einfacher zu werden. Vielleicht habe ich mich auch an die langen Wartezeiten gewöhnt. Und daran, dass die Formulare unverständlich sind, an die musternden Blicke der Beamten, an diesen Hauch von Sowjetnostalgie, den ich doch eigentlich gar nicht missen möchte. Inzwischen zeigt sich am Horizont die Dämmerung, wir haben rund die Hälfte der 250 km bis nach Bischkek zurückgelegt. Diese vierstündige Fahrt im Halbschlaf ermöglicht eine Annäherung an Kirgistan in einem einigermassen nachvollziehbaren Tempo. Das Flugzeug ist einfach zu schnell: in sechseinhalb Stunden von London nach Zentralasien – da kommt der Geist nicht mit. Die vorbeiziehende Steppenlandschaft wird langsam in ein warmes, flaches Morgenlicht getaucht, im Süden zeigen sich die Gipfel des Ala-Too-Gebirges, ich freue mich auf vier Wochen Kirgistan.

N

T E X T / F O TO S Christoph Schütz, Freiburg 1

1 Vom Autor dieses Beitrags stammen die beiden Bücher Kirgistan. Eine Republik in Zentralasien und Am Issyk-Kul. Kyrgysstan. Sie sind in Reisebuch-handlungen erhältlich oder können direkt beim Autor bezogen werden unter Tel./Fax-Nr. 026 424 80 64, E-Mail: christoph.schuetz(at)unifr.ch Foto: Christoph Schütz

UNTERWEGS UNTERWEGS

Feedback