Schnelles Internet in SAC-Hütten

Im vergangenen Winter wurden zahlreiche SAC-Hütten mit neuer Satellitentechnologie ausgerüstet – zum Teil unter schwierigen Bedingungen. Eine Reportage aus dem Haslital.

21. Januar, Helibasis Schattenhalb. Es ist eng in der Kabine, die Fracht ist ­ungewohnt: zwei Monteure der Swisscom, Satellitenschüsseln, Werkzeug, Kabel, Schraubenschlüssel, technisches Hilfsgerät. Im Kopfhörer hören wir das Okay der Flugleitstelle und heben ab. Die Hänge im Grimselgebiet sind verschneit. Noch sind keine Tourengänger unterwegs.

Mit vereinten Kräften

Der Wind schüttelt uns durch, und ehe wir uns daran gewöhnen können, setzt der Pilot den Heli in den Schnee, 20 Meter unterhalb der Bächlitalhütte auf 2328 Metern. Der Flughelfer öffnet die Türe: «Aussteigen – unten bleiben!», befiehlt er. Wir landen im hüft­hohen Schnee. Die Fracht wird ausgeladen – und schon hebt der Helikopter wieder ab. Mit vereinten Kräften buckeln wir Werkzeug und Satellitenschüsseln den steilen Hang hinauf zur noch unbewarteten Hütte. Der Eingang ist schnell freigeschaufelt.

Luftiger Arbeitsplatz

Kevin Schmid, Projektverantwortlicher bei der Umrüstung der SAC-Hütten, und Oliver Pfister, angehender Mediamatiker, richten sich ihren vorübergehenden Arbeitsplatz am Küchentisch ein. Ein Laptop, ein Handy und ein Auftragsdossier genügen, um die einzelnen Arbeitsgänge vorzubereiten. Pfister verschwindet im Estrich und bearbeitet das Modem. Schmid setzt draussen die Leiter in die meterhohen Schneeverwehungen. Er klettert hoch, balanciert im Neuschnee übers glitschige Satteldach aus Kupfer und richtet sich seinen luftigen Arbeitsplatz beim alten Signalempfänger am Giebel ein.

Satellit über dem Brünberg

Mit Karabiner und Seil gesichert, demontiert Kevin Schmid die alte Schüssel und schraubt das neue Empfangsgerät an. Mit einem Spezialprogramm auf dem Handy findet er den stationären Satelliten, der unsichtbar über dem Brünberg am Himmel steht. Millimetergenau muss nun der Richtstrahl der Parabolantenne auf das Satellitensignal eingestellt werden. Einmal fixiert, muss die Schüssel auch harten Stürmen trotzen.

Kevin Schmid lässt sich Kälte, Schnee und Wind nicht anmerken. Er leistet mit kalten Fingern Präzisionsarbeit, derweil drinnen Oliver Pfister alles für den neuen Anschluss vorbereitet. Frequenzen müssen umgestellt, digitale Signale aufeinander abgestimmt werden.

«Vier Jahre Ruhe»

«Die Kommunikation mithilfe des neuen, leistungsfähigen Satellitensystems bedeutet für die Hütten einen Quantensprung», sagt Peter Eschmann, Verantwortlicher für die Breitbandgrundversorgung bei der Swisscom. Das neue System sei nicht nur günstiger, sondern auch leistungsfähiger, sowohl beim Internet als auch beim Telefon. So halbiere sich beispielsweise die Verzögerung bei Telefonie und Internet. «Mindestens vier Jahre haben wir nun Ruhe», schätzt Eschmann, «bis die Weiterentwicklung der Technik die heutige Ausrüstung wieder überflügelt.»

«Nebel steigt – bitte kommen»

Während wir im hüfthohen Schnee die drei alten Parabolantennen und Werkzeugkästen zum Landeplatz verschieben, ist der Helikopter bereits zu uns unterwegs. Der Nebel steigt, es eilt. Die Scheinwerfer tauchen nur Minuten später im Nebel auf. Wir ducken uns in den losen Schnee – schützen Werkzeug, Rucksack und Gesicht vor dem kalten Rotorenwind. Acht Helikopterminuten später sind wir froh, dass der Pilot ein Loch in der sich langsam schliessenden Hochnebeldecke findet, um auf der Basis Schattenhalb zu landen.

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