Schutz der Gebirgswelt: Wozu hat sich derSAC verpflichtet? Jürg Meyer

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sern und Luft vorschreiben, dass aber die Umsetzung dieser Vorschriften oft ungenügend und unbefriedigend ist. Daraus resultiert die Forderung: « Eine der dringlichsten Forderungen des SAC gilt dem besseren Vollzug und der strengeren Durchsetzung des geltenden Rechts.»2 Eine hochpolitische Angelegenheit! Wie anders als mit politischer Aktivität, Lobbying, Mitsprache, Einmischung und Einsprache kann dies erreicht werden? « Politisch » darf aber nicht verwechselt werden mit « machtpolitisch » oder « parteipolitisch » - da soll sich der SAC heraushalten. Aber ein gesellschaftlich relevantes Engagement - Gesell-schaftspolitikist hier klar gefordert.

In dieselbe Richtung gehen die Forderungen im Bereich Verkehr, wo gesagt wird: « Das Berggebiet muss wirksam vor den Immissionen entlang transalpiner und anderer grosser Verkehrsachsen geschützt werden ( z.. " " .B. durch Verkehrsbeschränkungen oder Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene ). » Das wäre genügend Legitimation, ja sogar Aufforderung gewesen, die Alpeninitiative von SAC-Seite zu unterstützen!

Schutz der Landschaft: kristallklare Haltung Mit seiner aktiven Mitarbeit bei der Erarbeitung des BLN-Inventars3 in den Jahren 1959-1968 setzte der SAC einen Markstein zur Erhaltung alpiner Kultur- und Urlandschaften, dessen Geist auch in die Richtlinien einfloss: « Die Integrität und Eigenart der alpinen Landschaft ist als Gesamtes zu erhalten. (... ) Gletscher und ihre Vorfelder benötigen absoluten Schutz vor weiterer Beeinträchtigung beispielsweise vor Vernichtung ( Überstauung ). » Aus diesem Passus ist zu folgern, dass sich der SAC gegen ein Projekt wie « Grimsel West » zu wehren hat!

Wenn der Text weiter sagt: « Das Hochgebirge ist von allen grösseren Eingriffen freizuhalten », so ist daraus ohne weiteres abzuleiten, dass wir uns mit Projekten wie beispielsweise der in gewissen Kreisen von Grindelwald schwelenden Idee einer Gletscherbahn auf das Rosenhorn niemals einverstanden erklären könnten.

Schutz der Gebirgswelt: Wozu hat sich der SAC verpflichtet?

Die Konsequenzen der Richtlinien Die « Richtlinien für den Schutz der Gebirgswelt»1 wurden an der AV 1991 verabschiedet. Sie enthalten sehr knapp formulierte Thesen zu Landschaft, Wirtschaft, Tourismus und Sport, Verkehr und Energie und stellen jeweils die Haltung und Bezüge des SAC dazu klar. Weiter geben sie Handlungsanweisungen zur Umsetzung der Thesen innerhalb des SAC. Sie sind massgebend für die Arbeit, die Haltung und die Ziele der Kommission « Schutz der Gebirgswelt » und des Beauftragten. Was sagen sie aus, welche Konsequenzen haben sie für den SAC, welche für das Clubmitglied?

Gefährdete Alpen Die Richtlinien basieren auf der Feststellung, dass die Ursprünglichkeit und Schönheit der Alpen arg beeinträchtigt und teilweise zerstört ist, vor allem als Folge von Massentourismus, Zersiedelung, Strassenbau und Mobilität sowie von Bauten zur Energiegewinnung. Nach den Grundsätzen « Mitsprache vor Einsprache » und « Einbezug der vitalen Interessen der einheimischen Bevölkerung » verpflichtet sich der SAC, seinen Beitrag zur Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaften zu leisten.

Ich greife nur einige der formulierten Schutzziele und Thesen heraus und zeige die sich daraus ergebenden Konsequenzen - als Klarstellung zu Fragen, die im SAC immer wieder zu Diskussionen Anlass geben.

Vollzug von Gesetzen: ein politischer Auftrag!

Es wird festgestellt, dass in der Schweiz zwar zahlreiche Gesetze existieren, die den Schutz und die Bewahrung von Natur und Landschaft, von Tieren, Pflanzen, Gewäs- 1 Auf Anfrage senden wir Ihnen gerne ein Exemplar, Tel. 031/370 18 18.

2 Kursiv gesetzte Formulierungen sind Zitate aus den Richtlinien.

3 Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung Tourismus und Sport: zusätzliche Belastungen verhindern Der SAC akzeptiert einen « echt qualitativen » Ausbau des Tourismus-angebotes. Anderseits stellt er klar: « Die Erschliessung neuer Skigebiete ist abzulehnen. » Auch dies ist ein klares Bekenntnis, aufgrund dessen wir uns gegen die sich derzeit im Gespräch, in Planung oder gar schon im Bewilligungsverfahren befindenden neuen Skilifte oder Skigebietser-schliessungen wie etwa Col de Balme ( VS, Montblanc ), Schamserberg ( GR, Beverin-Gebiet ), Fondei ( GR, Schanfigg ) oder Grindelwald-Rosenhorn ( BE ) wehren werden.

Mit der Aussage « Für traditionelle und neue Alpinsportarten sind Verhaltensregeln in Bezug auf Umweltverträglichkeit aufzustellen und durchzusetzen » ist der ganze Problemkreis « Alpinsport und Umwelt » angeschnitten, der im Editorial dieses Heftes thematisiert wird. Wir haben uns einzumischen und mitzureden, wenn es darum geht, Auswüchse oder übermässige Belastungen der Natur und Landschaft durch « Natursportler » zu verhindern.

Wirken innerhalb des SAC: Bewusstseins-Veränderung Als Handlungsanweisung zur Umsetzung obgenannter Ziele ( sowie der weiteren, die hier nicht dargelegt wurden ) innerhalb des SAC wird gefordert, « alles zu unternehmen, um die direkte und indirekte Belastung der Bergwelt durch seine eigenen Aktivitäten möglichst gering zu halten » oder « für seine Tätigkeiten ( Touren, Kurse, Sitzungen etc. ) die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zu empfehlen und zu fördern ». Damit sind Lenkungsmassnahmen zugunsten des ÖV wie etwa ein Ökobonus für Touren ohne Auto ohne weiteres zu rechtfertigen.

Zur Hauptsache wird jedoch auf indirekte und längerfristig ausgelegte Massnahmen wie umfassende Information, Aufklärung und Ausbildung gesetzt. Daraus ziehen wir von der Kommission « Schutz der Gebirgswelt » die Legitimation, eine deutliche Verbesserung der ökologischen Ausbildung bei Leitern aller Stufen zu fordern und auch anzubieten.

Von den Sektionen wird anderseits klar gefordert, dass sie die Inhalte der Richtlinien umsetzen. Sie erhalten darüber hinaus den Auftrag, laufende Projekte und allgemeine umweltrele-vante Themen in ihrem Sektionsgebiet zu verfolgen und möglichst selbständig aktiv zu werden. Als Hilfe dazu haben sie einen Sektionsbeauftragten als Koordinator und Kontaktperson zu ernennen.

Alpenzukunft: Mitdenken und Mitarbeiten Die Inhalte der Richtlinien decken sich weitestgehend mit denjenigen der Alpenkonvention und ihrer Proto-kolle.4 Es steht deshalb dem SAC sehr wohl an, ja, er ist aufgrund dieser Richtlininen geradezu verpflichtet, sich für die Alpenkonvention im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv einzusetzen. Genau wie bei diesem grossen und zukunftweisenden Vertragswerk fordern auch die Richtlinien des SAC, dass die angestrebten Veränderungen nicht gegen oder über die Köpfe der einheimischen Bevölkerung hinweg erfolgen dürfen.

In diesem Rahmen sehen wir unsere Mitarbeit in dem von Mountain Wilderness lancierten Projekt Modellregion5, mit dem innerhalb eines bestimmten Gebietes versuchsweise alternative Formen von Alpintourismus, Hüttenbewirtschaftung und Berglandwirtschaft getestet werden sollen.

Und Sie?

Die Richtlinien, das Leitbild, die Statuten sind nur Papier. Wirklich wirksam werden können sie letztlich nur, wenn ihre Inhalte auch von einer breiten Basis getragen werden: Ohne " Die Inhalte der Alpenkonvention und ihrer Protokolle werden in einem der nächsten Hefte vorgestellt.

!Das Projekt ist in der Entwurfsphase; es wird zu gegebener Zeit breiter vorgestellt; Interessenten erhalten Informationen und Unterlagen beim Autor ( J. Meyer, Geschäftsstelle des SAC, Monbijoustr.61, Postfach, 3000 Bern 23, Tel.031/370 18 18 ).

Im Nufenen-Gebiet; ohne den persönlichen Beitrag, ohne das aktive Mitmachen jedes einzelnen können wir die Alpen vor übermässiger Nutzung und weiterer Beeinträchtigung langfristig nicht bewahren.

Skipistenbau ob Zermatt; die Ursprünglichkeit und Schönheit der Alpen ist arg beeinträchtigt.

Tourenfahrer in der grossartigen Gletscherlandschaft des Rosenhorn-Gebietes; Eingriffe wie die geplante Erschliessung des Gebietes von Grindelwald aus sind heute nicht mehr zu verantworten - der SAC muss und wird sich gegen solche Projekte vehement wehren.

den persönlichen Beitrag, ohne das aktive Mitmachen jeder Bergsteigerin und jedes Bergsteigers können wir die Alpen langfristig nicht vor übermässiger Nutzung und weiterer Beeinträchtigung bewahren. Deshalb ein Aufruf an Sie: Hinterfragen Sie immer wieder kritisch ihr persönliches Verhalten - auch in kleinen Dingen -, lassen Sie sich zu Neuem und Unge-wohntem motivieren und sich die Wunder der Natur von Kennern näher bringen, nehmen Sie sich auf Ihren Touren Zeit, innezuhalten und zu staunen. Wenn wir wieder lernen, über die Grossartigkeit der Natur in allen Dimensionen zu staunen, von der winzigen Flechte bis zur ganzen Landschaft, dann wird unser Verhalten von alleine in die richtige Richtung gehen und - wie man heute sagen würde - « nachhaltig » werden. Jürg Meyer, Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt e a a.

Für Skitourenfahrer, Bergsteiger und -wanderer

l' escursionista l' alpinista, lo sciatore l' escursionista

»our l' alpiniste, le skieur: le randonneur

schenkte, waren wir weit davon entfernt zu ahnen, wie sehr dieser Besitz zu einer unerschöpflichen Quelle für die Beziehungen zwischen Menschen der Ebene und Gebirgsbewohnern, zwischen unserer Sektion und ihrem alpinen Besitz werden sollte. Diese Alpen mit einer Fläche von 7400000 m2 erstrecken sich von der Grenzkette der Grandes Otanes im Westen bis zur Pointe Ronde, der Arête de la Lys und der Fenêtre d' Arpette im Osten; im Süden grenzt das Gebiet an die Arête des Ecandies, den Glacier du Trient und den Glacier des Grands, im Norden erstreckt es sich vom Trône du Berger bis zur Wasserfassung der Elektrizitätswerke von Emosson. Dieses riesige Gebiet in einer Höhe von 1500 bis 2500 m ist intakt, ohne Strassen oder wesentliche zivilisatorische Eingriffe. Nach dem Willen des Donators soll es auch so bleiben. Es besteht vor allem aus Weiden, auf denen früher Grossvieh gesommert wurde. Heute sind sie an einen Schäfer verpachtet, der in der schönen Jahreszeit dort seine etwa fünfhundert Tiere zählende Herde hält. Wälder, Geröll, Lawinenrinnen, Felsen

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