Selbstaushängen von Karabinern. Auf der Suche nach einer Lösung

Bei richtiger Montage halten die heute auf dem Markt erhältlichen Bohrhaken eine Sturzbelastung problemlos. Der Schwachpunkt liegt jedoch darin, dass ein ungünstig aufliegender Karabiner sich selbst aus der Hakenöse aus-klinken kann. Eine vom Verfasser entwickelte neue Hakenform soll dieser Gefahr begegnen.

In den ALPEN 6/96 hat Pit Schubert, Leiter des DAV-Sicherheitskrei-ses, auf die Gefahr des Selbstaushängens von Karabinern hingewiesen. Obwohl es nur selten wirklich dazu kommt, ist die Gefahr trotzdem ständig präsent. Deshalb habe ich die gängigsten Bohrhaken auf die verschiedenen Möglichkeiten eines Selbstaushängers von Karabinern untersucht und dabei festgestellt, dass dieses Restrisiko bei allen entsprechend geprüften Haken besteht (vgl. Abb. 1 bis 4).

Seitdem der Artikel von Pit Schubert erschienen ist, hat sich das Verhalten der Kletterer an den Standplätzen (soweit ich dies zumindest auf Grund eigener Beobachtungen beurteilen kann) in dem Sinne geändert, dass heute praktisch jeder Kletterer zur Selbstsicherung einen Karabiner mit Verschlusssicherung (Schraub-, Bajonett-, Twistlockverschluss) verwendet.

Hier blieb alles beim Alten. Ich habe noch selten eine Zwischensicherung gesehen, bei der eine Expressschlinge mit Verschlusssicherungska-rabiner zur Anwendung kam, die das Selbstaushängen des Karabiners verunmöglicht hätte (vgl. Abb. 5).

Will man das Problem vom Selbstaushängen von Karabinern lösen, müssen Haken auf den Markt gebracht werden, die diese Gefahr - das Aufdrücken des Karabinerstegs -nach menschlichem Ermessen ausschliessen.

Ich habe eine Klebehakenform gefunden, die das Problem des Selbstaushängens von Karabinern aus meiner Sicht bei richtiger, vertikaler Montage (lichte Weite zwischen Fels und Rundstahl maximal 18 mm ) löst ( vgl. Abb. 6 bis 9).

Der neue Haken - ich nenne ihn Mod. «Bügel» - besteht aus 8 mm rundem Chromnickelstahl. Die Klebe-stellen sind gewindeartig aufgeraut. Zum Einkleben werden 2 Bohrlöcher von 10 mm Durchmesser und mindestens 50 mm Tiefe benötigt. Der Haken muss vertikal montiert werden. Auch sind die Montagevorschriften und Verarbeitungstemperaturen (die Felstemperatur darf nicht vernachläs-sigt werden) der Klebstofflieferanten zwingend zu beachten.

Den neuen Haken habe ich bei der Firma Egli, Fischer & Co. AG Befestigungstechnik in Zürich testen lassen. Der Haken wurde mit «Tilcacement EAX-300» eingeklebt und auf Zug geprüft. Die Testhaken wurden am ungünstigsten Punkt in axialer Richtung belastet und bei 19 kN einseitig aus dem Beton gerissen (DIN-Norm 15 kN axial, 25 kN radial). Werden die zum Einkleben benötigten Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 12 mm gebohrt, erhöht sich der Aus-reisswert auf 24 kN in axialer Richtung. In seinem Buch: Mehr Sicherheit beim Bergsport, Teil 10, weist Pit Schubert darauf hin, dass diese Art Klebehaken in radialer Richtung mehr als 30 kN halten. Diese Tatsachen bestätigen, dass der neue Bügel festigkeitsmässig bedenkenlos ist (die DIN-Norm kann problemlos eingehalten werden), da immer die Verbindung Beton-Kleber riss und nie die Verbindung Kleber-Metall, geschweige der Bügel selber.

Der Bügel eignet sich sowohl als Zwischenhaken als auch als Standhaken vor allem für Sanierungen, da selten Erstbegehungen mit Klebehaken ausgeführt werden. Will man den Bügel auch als Abseil- bzw. als Top-Rope-Haken gebrauchen, sollten zwingend zwei Rapidkettenglieder von mindestens 8 mm Materialstärke eingeschraubt werden, damit der Rundstahl des Bügels nicht durch das Scheuern des Seils geschwächt wird (vgl. Abb. 10).

Leider ist der Bügel nur ein Prototyp. Obwohl die wenigen von mir gesetzten Bügel sich grosser Beliebtheit erfreuen ( besonders an den Standplätzen ), ist es mir bis heute nicht gelungen, einen Produzenten zu finden, der die Bügel in Serie herstellt und auf den Markt bringt - aber ich gebe nicht auf.

Dem Selbstaushängen von Karabinern versuchen zurzeit einige Hersteller von Bergsportartikeln entgegenzuwirken, indem sie Karabiner entwickeln, die sich «selbst verriegeln». Probleme lassen sich auf verschiedene Arten lösen: Man kann das Problem des Selbstaushängens von Karabinern am Ort des Entstehens -d.h. beim Haken - lösen oder das Symptom bekämpfen, indem man neue Karabiner entwickelt.

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