Sicherer dank Austausch

Juni 2015, nachts um 23 Uhr, Capanna da l’Albigna CAS: Während eines SAC-Tourenleiterkurses diskutiere ich mit Peter Plattner, Chefredaktor der Zeitschrift berg­undsteigen, über die Unterschiede zwischen der Tourenleiterausbildung in Österreich und der in der Schweiz. Insgesamt ist die Bergsportausbildung in den deutschsprachigen Ländern zwar sehr ähnlich geworden, aber es gibt noch Abweichungen. Zum Beispiel das «Gehen am kurzen Seil». Beim SAC gehört es zur Grundausbildung, in Österreich und in Deutschland wird es erst in der Bergführerausbildung geschult. In unseren Nachbarländern wird zudem in Schnee- und Eisflanken gerne mal aufs Anseilen verzichtet, wenn gute Sicherungspunkte fehlen. Aber längst wird nicht mehr dogmatisch an den länderspezifischen Regeln festgehalten. So ist das seilfreie Begehen einer Eiswand bei guten Schneeverhältnissen auch in der Schweiz kein Tabu mehr für Tourenleiterinnen und Tourenleiter. Während des Leiterkurses in der Capanna da l’Albigna durchstiegen zwei Gruppen eine Eiswand angeseilt, zwei andere Gruppen verzichteten mangels zuverlässiger Sicherungsmöglichkeiten auf das Seil.

Die Globalisierung und die internationale Vernetzung machen auch vor dem Bergsport nicht halt – und haben durchaus positive Auswirkungen. Der Austausch in Gremien wie der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme), dem CAA (Club Arc Alpin) und dem Redaktionsbeirat von bergundsteigen macht die Ausbildung im Bergsport internationaler und besser. Ak­tuell werden zum Beispiel im CAA die Empfehlungen für Sicherungsgeräte im Sportklettern erarbeitet. Eine weitere Austauschmöglichkeit gibt es im Projekt «Alpine Jugend Hoch 4»: Während zweier Jahre tauschen sich Jugendleiter der Alpenclubs von Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz aus.

In internen Kaderkursen für SAC-Kursleiter, die in Zukunft stark ausgebaut werden, kommen Neuigkeiten auf den Tisch und werden geprüft. Altbewährtes wird beibehalten, vielversprechende Techniken vom Ausland werden übernommen. Die neuen Erfahrungen und Methoden fliessen dann direkt in die Ausbildung des SAC-Zentralverbands ein und werden in den Kursen des beiliegenden SAC-Ausbildungsprogramms weitervermittelt; immer mit dem Ziel, den Bergsport sicherer zu machen.

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