Ski- und Snowboardtourenlager im Val Maighels.

Im Rahmen von J+S bietet die Sport-Fachstelle des Kantons Solothurn seit Jahren eine Skitourenwoche an. Seit 1997 werden auch Snowboarder/innen zum Mitmachen animiert, in der Wintersaison 1998/99 sind sie erstmals in der Mehrheit.

Da weder unser Bergführer Beat noch die anderen Leiter Erfahrung mit Snowboards haben, muss zuerst das Leiterteam neu zusammengestellt werden. Unsere Neubesetzun-gen Roman und Andi sind zwar beide im Besitz der Leiter-3-Anerkennung als Snowboarder, nur einer ist jedoch gleichzeitig Skitourenleiter (Kategorie 1). Das hat Auswirkungen auf die Leiterentschädigung, denn die wird nach der Anerkennung im Sportfach Skitouren bemessen.

Unsere Tourenwoche wird traditionellerweise Mitte April mit wechselndem Austragungsort durchgeführt. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden mit vielen Tourenneulin-gen und unsere geringen Erfahrungen mit Schneeschuhtouren geben den Ausschlag, einen Lagerort zu wählen, der kürzere und längere Touren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und gute Abfahrten für Snowboarder und Skifahrer/innen erlaubt. Die Wahl fällt auf die Mai-ghels-Hütte am Oberalp-Pass mit einem kurzen Hüttenanstieg und vielfältigen Tourenmöglichkeiten. Bei günstigen Schneeverhältnissen sind lange Abfahrten bis nach Andermatt oder nach Tschamut möglich. Da die Furka-Oberalp-Bahn die Rückkehr in die Unterkunft verkürzen hilft, gehts unter dem Strich mehr runter als rauf.

Die Teilnehmenden sind vorgängig von J+S über die persönliche Ausrüstung befragt worden. Vor Kursbeginn haben wir zusätzlich ein Merkblatt für Snowboarder verschickt. Schliesslich rücken alle mit ihrem eigenen Board und mit Soft-Boots an. Die Begehung von felsdurchsetzten Graten oder Gipfelaufschwüngen ist mit solchen Schuhen aber von vornherein ausgeschlossen.

Die Aufstiegshilfen stellen wir zur Verfügung. Als Winter-JO-Chef der Sektion Weissenstein kann ich auf unseren Bestand an Schneeschuhen zurückgreifen ( Schneeschuhe sind nicht als J+S-Leihmaterial erhältlich ). Die fehlenden Paare werden in einem Bergsportgeschäft gemietet, sodass schliesslich alle Snowboarder identische Schneeschuhe ( MSR, Denali ) haben, die sich in der Folge bewähren. Mit Kurzski als Aufstiegshilfen haben wir keine Erfahrungen gemacht.

Die Durchführung der Tourenwoche bleibt bis zuletzt fraglich. Der Jahrhundertwinter 1998/99 meldet sich kurz vor Beginn noch einmal kräftig zurück und hinterlässt im Gotthardgebiet 150 cm Neuschnee. Das Startsignal fällt deshalb nach Absprache mit dem Hüttenwart erst am Vorabend.

Am Montagmittag stehen wir mit Sack und Pack auf der Oberalp-Pass-höhe. Im Aufstieg zur Hütte zeigt sich, dass die Skifahrerinnen viel besser mit dem schweren Schnee zurechtkommen. Die Schneeschuhläufer folgen artig und deutlich langsamer in der knietiefen Spur; die Neulinge benötigen bis zu vier Stunden für den Aufstieg. Manch einer weiss noch nicht so recht, was er vom heutigen Tag - und den folgenden - halten soll. Am Abend nehmen wir auf Grund dieser Erfahrungen die Grup-peneinteilung vor: zwei reine Snow-board- und eine Ski-Klasse, wobei die Snowboard-Klassen je von einem Ski-touren- und einem Snowboard-Leiter begleitet werden.

Diese Trennung bleibt während der ganzen Woche mehr oder weniger konsequent bestehen, auch wenn wir oft mit dem gleichen Ziel unterwegs sind. Die Snowboarder sind bei den herrschenden Verhältnissen im Aufstieg viel langsamer und in der Abfahrt wesentlich schneller.

Solange der Schnee keine tragfähige Harschschicht hat, bleiben auch die übermütigsten und kräftigsten Snöber in der Spur. Nicht einmal in den Spitzkehren wird abgekürzt. Erst als am vierten Tag die Südhänge über Nacht hart gefroren sind, kommt einiges in Bewegung. Die Gruppe ist allerdings etwas kleiner, haben sich doch einige mit den Schneeschuhen der Ski-Gruppe angeschlossen. Die besteigt den Piz Ravetsch, den einzigen Dreitausender im Tal, der etwas alpinistischen Ehrgeiz verlangt. Was uns Skifahrer einmal mehr beeindruckt, ist das Abfahrtstempo der Boarder. Trotzdem beklagt sich während der ganzen Woche niemand über das scheinbare Missverhältnis zwischen Aufstieg und Abfahrt.

Viele unserer snowboardenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind richtige Funsportler. Während sich ein Teil der Kursteilnehmenden in den freien Nachmittagsstunden jeweils mit Massstab und Kompass über die Landeskarte beugt, trainieren diese vor der Hütte den Rück-wärtssalto über eine selbst gebaute Sprungschanze. Das birgt ein ganz neues Gefahrenelement, und zwar plötzlich nicht mehr während, sondern nach der Tour. Etwas verunsichert erkundige ich mich nach dem Verletzungsrisiko bei solchen Aktionen - aber man will ja kein Spielverderber sein!

Trotz der unterschiedlichen Charaktertypen der Teilnehmenden und der nur massigen Wetter- und Schneeverhältnissen wird diese kombinierte Tourenwoche zu einem vollen Erfolg; nicht zuletzt, weil alle den anspruchsvollen Bedingungen gewachsen sind.

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