Skilauf, hochwertigste körperliche Betätigung. Warnung vor seiner «Denaturierung»

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VON HANS STRUNZ, MÜNCHEN

Der Winter, Weihnachten, stehen vor der Tür. Viele werden auf ihrem Wunschzettel eine Skiausrüstung oder deren Vervollkommnung, eine Reise ins Gebirge zum Skifahren stehen haben. Der Laie meint nun, wenn einer braun gebrannt und mit Ski zurückkommt, so habe er sich als Skiläufer betätigt und kraftvoll bewegt. Dass dem nicht so ist und auch unser schönster und wertvollster Sport bedroht ist von einer Art Denaturierung, die ihn aushöhlen kann, soll im folgenden geschildert werden unter gleichzeitiger Herausstellung dessen, wie das rechte Skilaufen beschaffen sein sollte. Als alter Skiläufer mit 35jähriger Erfahrung in unseren verschiedensten Mittelgebirgen und den Alpen glaube ich dazu den Überblick zu haben.

Im Winter fahren von München aus, als dem grössten Ausgangsort für Skiläufer den es gibt, jedes Wochenende ungezählte Kolonnen von vollbesetzten Omnibussen, Privatwagen und Sonderzügen strahlenförmig in die Alpen, berühren täglich Hunderte diese Stadt als Durchgangsort auf ihrer Fahrt vom Flachland dahin. Wenn einer Studien über Skilauf, Skimode und Benehmen der Skifahrer machen möchte, der sollte es von München aus tun ( oder von einer andern Grossstadt !). Fast allgemein ist heute Skifahren untrennbar verbunden mit den neuen künstlichen Beförderungsmitteln Skilift, Bergbahn u. dgl. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland 7 Personen-schwebebahnen, heute 90, davon 60 im deutschen Alpenraum. In den anderen Alpenländern ist es ähnlich oder noch ausgeprägter. Man spricht heute vom Skizirkus, zu dem mehrere Bahnen und Abfahrtsstrecken zusammengefasst sind. Wie Magnete ziehen sie die Skiläufer an, z.B. der Kitzbüheler Skizirkus, der Arlberger, ausgehend von St. Anton. An schönen Tagen, insbesondere zum Wochenende, stehen lange Schlangen an den Talstationen und warten oft 1V2 Stunde und länger auf Beförderung den Berg hinan für Strecken, die sie in der gleichen Zeit und kürzer im eigenen Anstieg bewältigen könnten. Es ist nicht übertrieben, wenn für Liftfahrer das Fazit eines Sonntags derart aussieht: vier Stunden im Auto oder Bahnwagen, vier Stunden am Lift angestanden, zwei Stunden im Café, Hütte oder dgl. und zwei Stunden auf den Brettern; vielleicht auch derart umgewandelt, dass neben zwei Stunden auf Ski vier Stunden Sonnenbad herausspringen. Da wir fast alle ein grosses Defizit an körperlicher Eigenbewegung und -betätigung haben von Kindheit an, das zunehmend schwere körperliche, seelische und geistige Schäden setzt, ist diese Entwicklung mit grösstem Bedenken zu betrachten und eindringliche Warnung und Mahnung dringend nötig.

Zur Einführung ein Auszug aus einem fachkundigen Artikel auf der Seite « Für den Bergsteiger » der Süddeutschen Zeitung, München, vom 10./11.Januar 1959: « Des Skiläufers Karriere » von Rudolf Gramisch, woraus die Entwicklung und die Verbeugung vor ihr zu ersehen ist:

« Der eine geht ins Gebirg, um skilaufen zu können, der andere geht zum Skilaufen, damit er auch im Winter ins Gebirg kommt Wer vor allem deshalb ins Gebirg geht, damit er skilaufen kann, möchte auch ganz gerne einen Lift dazu haben. Denn bekanntlich läuft es sich den Berg hinauf nicht gut - man kommt dabei ins Schnaufen und Schwitzen. Wie es Bergsteigen und nicht Berg- laufen heisst, so spricht man auch vom Skilaufen und nicht vom Skisteigen. Ganz klar. Im Gegensatz zum Bergsteigen ist das Skilaufen nämlich ein fallender Sport - von oben nach unten. Das 1 Mit Erlaubnis des Verfassers, Dr. med. dent. Hans Strunz, aus « Waerland Monatshefte », Dezember 1959.

Steigen steht beim Skiläufer nicht allzuhoch im Kurs. Ganz anders steht es bei denen, die zum Skilaufen gehen, damit sie auch im Winter ins Gebirg kommen. Das sind die, die sich nichts schenken lassen, keinen einzigen Höhenmeter, und die nur das ausgeben, was sie im Schweisse ihres Angesichts verdient haben... Skiliftler hin, Skibergsteiger her - wie es einer hält, so ist es für ihn richtig. » Der Schlusssatz kann keinesfalls gebilligt werden. Wie es unsere heutige Jugend hält, wozu sie erzogen, verlockt, verführt wird, das ist keinesfalls richtig, sondern eine Fehlentwicklung sondergleichen. Die Definition, Skilaufen sei nur ein fallender Sport, ist geradezu unsinnig. Der Skiläufer oder auch -fahrer ( beides wird gebraucht ) läuft oder fährt nicht, sondern gleitet über Schnee, bergauf, bergab und in der Ebene. Wo kein Schnee, dort keine Möglichkeit des Darübergleitens und Skifahrens ( oder -laufens ). Wir haben es aus den nordischen Ländern übernommen Dort ist es im langen Winter das Fortbewegungsmittel und durchaus nicht nur ein Abfahrtsbehelf die Berge hinab, die es dort im alpinen Sinne gar nicht gibt, besonders nicht in Finnland, das ich als Soldat selbst kennengelernt habe. In der Heimat des Skilaufs würde man sicher über die Feststellung, Skilaufen sei ein fallender Sport, nur mitleidig lächeln - und weiter richtig skilaufen. Denn der « alpine », nur abwärts gerichtete Skilauf ist eine unnatürliche Fehlentwicklung!

Selbst dort, wo es keinen Lift gibt, steigt man heute mit geschulterten Ski als Ski-«Träger » zu Fuss bergan in tief ausgetretenen Stufen. Gebiete, in denen es im tiefen Schnee derartige Stufen nicht gibt, sind für den Durchschnittsskiläufer unbetretbar. Daher kommt es, dass neben Menschenansammlungen unvorstellbaren Ausmasses auf sog. Pisten andere, mitunter weit schönere Gebiete dicht daneben nahezu menschenleer und weniger befahren sind als vor Jahrzehnten.

Worin liegt der einmalige Wert des Steigens mit Ski?

Vor Jahrzehnten war das Berganlaufen mit Ski weit anstrengender als heute. Man benutzte als Haftmittel gegen das Zurückgleiten sogenannte Steigwachse, die aber nur sehr begrenzte Wirkung hatten. Zum Überwinden steiler Hänge diente der anstrengende Grätsch- und Treppenschritt und kräftige Abstützung auf die damals längeren Skistöcke. Heute haben wir die Felle, die unter die Laufflächen geschnallt oder eingehängt werden und die Ski sicher vor dem Zurückgleiten bewahren. Für einen grossen Teil jugendlicher Neulinge sind sie bereits völlig unbekannt, weil sie sich das Skifahren ohne Liftbenutzung gar nicht mehr vorstellen können und die altmodischen Menschen, die noch bergan mit Fellen steigen, für geizig, arm oder töricht halten. Dass sie selbst töricht sind, das zu begreifen fehlt ihnen Reife.

Wert für Füsse und Beine Für den Langlauf in der Ebene und für das Steigen mit Fellen muss der Hinterfuss Bewegungsfreiheit haben im Gegensatz zur Abfahrt, bei der er durch straffen Kabelzug ohne Bodenfreiheit fest am Ski gehalten wird. Die Verbindung zwischen Fuss und Ski ist so gehalten, dass sich der Ski beim Hochheben des Fusses hinten nach abwärts bewegt und pendelnd nur vom Vorderfuss gehalten wird. Beim Anstieg haben die Füsse nicht nur die schweren Skistiefel zu heben, sondern dazu noch die schweren Ski mit Fellen. Aber es ist kein Gehen, was der Ungeübte anfangs mit grosser Kraftanstrengung tut, sondern eine Verbindung zwischen Gehen und Gleiten. Nach kurzem Anheben vom Zehenstand aus wird der Ski gleitend bergan geschoben, so dass der Fuss das Gleichgewicht nur beim kurzen Anheben zu tragen hat. Aus dem Zehenstand mit Belastung des Vorderfusses rollt er ab und beendet den Schritt mit Schub der Ferse. Diese wechselnde rhythmische Bewegung, dieses abrollende Belasten und Entlasten des gesamten Fusses, über Stunden durchgeführt, übertrifft an biologisch-funktioneller Wirksamkeit und Wertigkeit alle, aber auch alle Kunstübungen der Füsse ( sog. Fussgymnastik ). Senk-, Spreiz- und Plattfüsse, mit denen unsere Kinder nahezu geboren werden, die sie sich zumindest fast alle durch Fehlfunktionen und falsch geformtes Schuhwerk zuziehen, werden gebessert oder verschwinden völlig. Die Zehen werden kräftig, das Fussgewölbe elastisch-federnd gehoben durch natürliche Bewegung. Aber die Füsse sind ja nicht losgelöst für sich da, sondern sie sind Teil der Beine, diese wiederum gelenkig und muskulär mit dem Unterleib verbunden. Vom Becken und auch Bauch abwärts ist der gesamte Organismus mit Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenken, Knochen usw. eingespannt und tätig in kraftvoller Eigenbewegung.

Wert für Hände, Arme, Schultergürtel Die Hände und Arme sind nicht untätig oder nur leicht mitschwingend wie beim Wandern und Bergsteigen, sondern sind ungewöhnlich stark mit eingefügt in den Gesamtablauf der Bewegung durch die Arbeit mit den Skistöcken, die untrennbar zum Skilaufen gehört. Unsere Hände und Arme mitsamt dem Schultergürtel sind sonst weit unterbelastet, teils aber auch einseitig überbeansprucht durch Schreiben mit der Hand und der Maschine, durch Hebelbedienung, Auslesearbeiten am Fliessband u. dgl. aus dem Sitzen oder Stehen heraus, während der übrige Körper zum Stille-halten gezwungen ist. Die Arbeit eines Zahnarztes gehört zu dieser Kategorie. Sehnenscheiden-entzündungen des Handgelenks und Unterarms, Verkrampfung des Schultergürtels mit Anhäufung von Stauungsknötchen sind weit verbreitet und nehmen ständig zu.

Was vom Abrollen der Füsse gesagt wurde, gilt genauso vom Abrollen der Arme aus der Schulter heraus in rhythmischer Abwechslung. Neben dem Schwimmen ist das Skilaufen die einzige Bewegungsart, bei der wir uns ähnlich unseren biologischen Vorfahren, den Vierfüsslern, bewegen. Die Skistöcke stellen verlängerte Arme dar, die als eine Art Vorderbeine tätig sind, die « Hinter »-Beine dadurch entlastend. Abwechselnd im Rhythmus der Vierfüssler geht es voran: rechtes Bein— linker Arm und linkes Bein - rechter Arm mit gleichzeitiger Drehung und naturgemässer Verwindung des gesamten Körpers von den Zehenspitzen bis zum Kopf.

Wert für den Gesamtorganismus Man hört und liest oft von Muskelarbeit. Hat man sich schon überlegt, wie töricht das ist? Die Arbeit der Muskeln ist undenkbar ohne gleichzeitige verstärkte Arbeit von Herz und Kreislauf, von Atmung und innerem Stoffwechsel, von Teilnahme mehr oder weniger grosser Teile des Gesamtorganismus. Je umfassender der Bewegungsablauf ist, desto günstiger. Einseitige Teilbewegungen schliessen die Gefahr einer Verhärtung und Verkrampfung in anderen, « stillgelegten » Gebieten in sich. Wer von uns hat noch tagtäglich umfassende Bewegungsabläufe? Werden nicht gewisse Körperteile zu stark, andere dafür viel zu wenig in Tätigkeit gesetzt? Hier nun ist das Skilaufen bergauf die beste Ausgleichstherapie, die wir haben. Ein geübter Skiläufer kann ohne weiteres fünf bis sechs Stunden und mehr nur aufsteigen und Höhenunterschiede bis über 2000 Meter bewältigen. Es handelt sich nicht um extreme Belastungen, sondern um lange Dauerbelastungen, bei denen sich der Gesamtorganismus in seine Funktion einlaufen, in denen er warm und geschmeidig werden kann. Diese Dauerbelastung geschieht in völlig reiner Luft, die mit zunehmender Höhe sauerstoffärmer wird und dadurch die Lungen zu verstärkter, gleichmässiger, ausweitender Tätigkeit anregt, um den nötigen Sauerstoff herbeizuschaffen. Herz und Kreislauf sind stark angespannt, aber nicht überlastet und stärken und weiten sich ebenfalls aus. Die Ausscheidung durch die Haut - Schwitzen -ist verbunden mit starker innerer Verbrennung. Dadurch wird der Gesamtorganismus aktiv, d.h.

durch Verbrennung und Ausscheidung in angemessener Funktion - Eigentätigkeit entschlackt.Über-all aus den Fettdepots und -polstern wird das seit langem dort eingelagerte und mit Schlacken angereicherte Fett herausgeholt und verbrannt.

Deshalb ist die ständige Zufuhr von schnellst resorbierbarer « Sportlernahrung », insbesondere den Traubenzuckerpräparaten, sehr unerwünscht, denn sie hindert den Organismus daran, auf seine Reserven zurückzugreifen, diese zu verbrennen und sich dadurch zu entlasten und entschlacken!

Beim rechten Skifahren haben wir ähnliche Wirkung wie beim Fasten, nur dass bei dem einen die Ausscheidung und Verbrennung unerwünschter Reserven und Schlacken durch kraftvolle Tätigkeit schnell, beim andern in der Ruhe und ohne Tätigkeit langsam sich vollzieht:

Skilaufen aktive, Fasten passive Entschlackung des Organismus!

Der Wert des Skilaufens ( und ähnlicher kraftvoller Eigenbetätigung ) ist deshalb doppelt zu werten: einmal Entlastung durch Befreiung von hindernden Fettreserven und Schlacken, zum andern gleichzeitig aktive Kräftigung und Ausweitung von Herz, Kreislauf, Lungen, Muskeln, Sehnen, Bändern, Knochen usw. Der Wert des Fastens ist im Vergleich dazu nur einfach zu werten: Entlastung von unerwünschten Fettreserven und Schlacken.

Die Herz- und Kreislaufentartung des Zivilisationsmenschen infolge Mangels an biologisch nötiger Eigentätigkeit findet ihren höchsten Ausgleich im rechten Skilauf. Selbst ältere Menschen über 50 Jahre können noch damit beginnen und ihre Leistungsfähigkeit allmählich - keinesfalls aber erzwungen und zu schnellsteigern. Mögen sie es auch zu rasanten Abfahrten nie mehr bringen, das Skilaufen in der Ebene und bergan mit Fellen in Verbindung mit harmlosen Abfahrten wird sie auf ungeahnte Art bereichern und Leib, Seele und Geist stärken.

Wirkung des Aufsteigens seelisch und geistig Über der Einwirkung auf die körperlichen Abläufe darf die auf das Seelische und Geistige nicht vergessen werden. Das stundenlange rhythmische Bewegen ähnlich einem Vierfüssler in freier Natur, in herrlicher Winterlandschaft und einsamer stiller Bergwelt, losgelöst vom Alltag, wirkt unglaublich harmonisierend auf das gesamte vegetative System - Nerven, Drüsen u.a. Beim Geübten geschieht der Bewegungsablauf völlig aus dem Unbewussten. Das rhythmische Verwinden des Körpers mit Anspannung und Entspannung « vierfüssig », die tiefe, gleichmässige, nicht überstürzte Atmung, Herzschlag und Kreislauf werden unbewusst-vegetativ gesteuert. Die moderne Wissenschaft spricht von « mechanischen » Bewegungen, was ich für völlig fehl halte, denn eine Steuerung ist da, eben die aus dem vegetativen Bereich, das keineswegs vergleichbar ist der Mechanik einer Maschine. Beim unbewusst-vegetativ gesteuerten Ablauf tritt eine Entspannung und Ent-krampfung, eine Ausschaltung bewusster Willenseinwirkung ein, die auf das Seelische ungemein günstig einwirkt. Gleichzeitig kommt unser ständig angespannter Geist durch den ohne seine Einwirkung ablaufenden Rhythmus eigener Bewegung des gesamten Organismus, durch die ihn umgebende Ruhe und den unauffälligen, nicht kontrastreichschreienden Wechsel der Landschaft zur Ruhe, entleert sich gleichsam.

Der moderne Mensch erlebt hier an sich selbst, wie wohl es dem unbewusst, gelöst und in vegetativer Harmonie lebenden wilden Tier sein muss!

Über den andersgearteten Wert des Abfahrens Auch die Abfahrt, insbesondere die schnelle, risikobehaftete, rasante, gehört mit ihrem oft schwerelosen Schwingen und Schweben untrennbar zum Skilauf, aber nur als ein Teil, als der zeitlich wesentlich kleinere Teil. Ist beim Aufstieg der Körper einer steten Dauerbelastung für Stunden unterworfen, so wechselt die Belastung der Abfahrt ständig vom Nullpunkt bis zum extremen Zer-reisswert. Das so wichtige und erwünschte Abrollen der Füsse und das « vierfüssige » Verwinden durch gleichmässigen Gebrauch der Stöcke findet nicht statt. Dagegen wird der Gesamtorganismus, insbesondere aber die Beine von den Knöcheln aufwärts auf starke Drehung ( Torsion ) beansprucht, die an Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenken und Knochen zerrt und zu entsprechenden Brüchen, Rissen u. dgl. führen kann.

Der im Aufstieg Gehärtete ist gegen Bruch und Riss widerstandsfähiger als der übliche Nur-Abfahrts-läufer!

Durch die blitzschnellen Gewichtsverlagerungen aus der Bewegung heraus erhöht sich der Gleichgewichtssinn ausserordentlich. Die Federung des Körpers zum Abfangen der von Bodenwellen und Hindernissen ausgehenden Stösse nimmt unvorstellbar zu. Auf plötzliche Stürze aus hoher Geschwindigkeit reagiert der Körper gelockert durch Einrollen, Strecken o.ä. wie ein Tier, d.h. unbewusst und gelöst. Keiner ist ein rechter Skifahrer, der nicht entspannt und rasant stürzen kann und daher Stürze nicht fürchtet. Wer sie fürchtet, ist vom Unbewussten her verkrampft, verhärtet und daher weit stärker gefährdet. Insbesondere ist der heilsame, gleichsam therapeutische Wert des Abfahrens und Stürzens für die Wirbelsäule - eines der grossen Sorgenkinder der Zivili-sationsmenschheit - zu betonen.

Schnelles Abfahren im wechselnden Gelände mit extremer Belastung ist bestes Mittel gegen Ver-steifungen und Verklemmungen der Wirbelsäule- « biologische Chiropraktik »! Der stetige lange Aufstieg mit Fellen und die schnelle, wechselnd belastende Abfahrt gehören zusammen und machen vereint erst das Skilaufen - oder -fahren aus. Leider beschäftigt sich die wissenschaftliche Untersuchung, die praktische Unterrichtung und Werbung heute fast ausschliesslich mit der Abfahrt und vernachlässigt den Aufstieg - völlig unberechtigt. Für den ohnehin ständig gehetzten, in Dauerrasanz lebenden modernen Menschen ist aber der langsame, beruhigende, harmonisierende Aufstieg wichtiger und wertvoller als die Abfahrt.

Abfahrt ohne Aufstieg ist weniger als die Hälfte, ist Denaturierung des Skilaufs - Verdrängung des Aufsteigens durch Liftfahrten ist Eindringen seelenloser Maschinenkräfte in unseren wertvollsten und schönsten Sport - Arme Jugend, die es nicht anders lernt! Denen, die beistimmen, wird dringend empfohlen:

Die Ski daraufhin überprüfen, ob die Bindung beim Anstieg oder Langlauf den Hinterfuss freigibt — der Ski muss bei gehobenem Bein leicht auf und ab pendeln können!

Die Stöcke nicht zu lang und nicht zu kurz wählen. Sie sollen bis unter die Achseln reichen und stark und elastisch sein ( Stahlstöcke ). Felle gehören zur Skiausrüstung, entweder Schnallfelle oder solche zum Einhängen in die Laufrillen ( Trimafelle ).

Kleidung nicht zu eng wählen, damit Unterkleidung Platz hat, die sowohl wärmt wie bei Stürzen schützt. Hosen nicht zu straff gespannt, damit beim Kniebeugen die Knie nicht gehemmt werden und zu grosses Hindernis überwinden müssen. Den guten alten Rucksack nicht vergessen!

Ungehinderte Funktion und Bewegung muss über modischen Erwägungen stehen! Und dann: Ski Heil! aber Aufsteigen nicht vergessen!

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