Skilauf vor vierhundert Jahren

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Rudolf Gsell

Chur ) Die folgenden Angaben betreffen zwar nicht den Skisport, aber vielleicht mögen sie doch den einen oder andern Klubkameraden interessieren. Denn sie zeigen, wie alt gar manches von dem ist, was zu unserer heutigen Kultur gehört. Sie möchten aber nicht mehr sein als nur ein flüchtiges Hinein-leuchten in das Altertum. Es soll dies in bunter Reihenfolge geschehen.

Strabo, der von 63 v. Chr. bis 19 n. Chr. lebte, und zwar in Rom, hat in seiner Geographie gar vieles geschrieben, das auch heute noch lesenswert ist. Hier einige Proben und Hinweise.

« Denn von manchen Städten lässt sich sagen, was Demosthenes von der Stadt Olynthus sagte, sie sey so ganz verschwunden, dass kein Reisender zu erkennen vermöge, dass sie jemals bewohnt gewesen. Dennoch aber besucht man solche und ähnliche Örter gerne, weil man wenigstens die Spuren so berühmter Thaten sehen möchte, wie die Grabmäler berühmter Männer .» ein der Nähe von Centoripa ist das vorhin angeführte Städtchen Aetna, wo Diejenigen, welche den Berg besteigen, einzukehren pflegen, denn hier ist der Fuss des Berges. » « Die Gipfel sind im Winter unzugänglich; im Sommer aber besteigen sie dieselben, mit ungegerbten rindsledernen, unten mit Stacheln besetzten Schuhen 1 von breiter Form wie die Pauken, des Schnees und Eises wegen. Herunter gelangen sie, indem sie sich mit ihrem Gepäck auf eine Haut legen, und so abwärts gleiten, wie Dieses auch in Armenien geschieht; hier haben sie auch kleine, hölzerne Rollen mit Stacheln unter den Sohlen. Von dieser Beschaffenheit sind die Spitzen des Kaukasus... » «... Chorzene und Cambysene liegen am nördlichsten, und es fällt daselbst am meisten Schnee; sie grenzen an die Caucasischen Berge, an Iberien und an Colchis, wo beim Übergang über die Gebirge oft ganze Reisegesellschaften vom Schnee, wenn er sehr stark fällt, verschüttet werden sollen. Die Leute sollen daher gegen solche Gefahren Stangen bei sich führen, die sie über den Schnee emporstecken, um athmen und den Nachfolgenden ein Zeichen geben zu können, damit sie Hülfe bekommen und ausgegraben und gerettet werden können... » Strabo hat übrigens auch Betrachtungen über die kälteste Zeit des Tages angestellt.

Plinins schreibt in seiner Naturgeschichte sehr viel Lesenswertes. Viele Tier- und Pflanzengattungen, die er nennt, tragen auch heute noch dieselben lateinischen Bezeichnungen, wie etwa Gentiana, der Enzian, oder Cyclamen, und gar manche andere mehr. Vom Bergkristall sagt er u.a.: « warum er gerade sechs Kanten zeigt, lässt sich nicht leicht einsehen... Der grösste 1 Schon Plinius, der 23 n. Chr. bis 79 n. Chr. lebte, berichtet über Schuhnägel.

Krystall, den wir bis jetzt gesehen haben, ist der, welchen die Kaiserin Livia in das Capitol schenkte, und der gegen 150 Pfund wiegt... » Über das Schneiden des Marmors sagt Plinius u.a.: « Das Schneiden selbst geschieht durch Sand und nur scheinbar durch Eisen, denn die Säge drückt in sehr schmaler Linie auf den Sand, wälzt denselben durch Hin- und Hergehen, und schneidet so unmittelbar durch die Bewegung... » Plinius berichtet über Thermen und Schlammbäder, über das Trinken von Mineralwasser, über Meerbäder: «... namentlich werden schwindsüchtige oder Blut auswerfende Personen durch Seereisen kuriert... Man reist nicht nach Ägypten des Landes, sondern der langen Seefahrt wegen... » « Man stimmt darin überein, dass alles Wasser durchs Kochen verbessert werden kann. » Mit der modernen Zeit, wie sie sich damals äusserte, konnte sich Plinius nicht recht abfinden, und an manchen Stellen seiner berühmten Naturgeschichte lässt er seinen Unmut darüber aus.

« Der Luxus ersann, sie ( lies: die Austern ) in Schnee einzuhüllen und so die Spitzen der Berge mit den Tiefen des Meeres zu vermischen. »... « Diese trinken Schneewasser, jene Eiswasser und die Übel der Berge gebraucht man zum Kitzeln des Gaumens. Kälte wird für die Hitze aufbewahrt, und man bringt es dahin, dass der Schnee in aussergewöhnlichen Monaten kalt macht. Einige kochen das Wasser und kühlen es bald darauf ab. Dem Menschen gefällt also nichts in der Art, wie es die Natur geschaffen hat... » Recht anschaulich berichtet übrigens über dasselbe Thema auch Seneca ], der ungefähr zur selben Zeit lebte. Er schreibt in einem Kapitel « Über den Luxus, welcher zu Rom mit Schnee und Eis getrieben werde und woher dieser Luxus komme » wie folgt: «... wie ihnen Nichts kalt genug ist, so ist ihnen auch Nichts warm genug, sondern glühend heisse und eilig in ihre Brühe eingetauchte Pilze schlucken sie fast rauchend hinunter, um sie sodann mit schneekaltem Getränke zu löschen. Du kannst, sag'ich Dir, ausgemergelte Menschen sehen, in Mäntelchen und Halsbinden eingehüllt, bleich und kränkelnd, die den Schnee nicht nur schlürfen, sondern sogar essen, und Stücke davon in ihre Gläser werfen, dass diese nicht unter den Pausen des Trinkens verwarmen. » Plinius berichtet, dass schon Thaies von Milet ( um 600 v. Chr. ) vermocht habe, die Höhe der ägyptischen Pyramiden und aller ähnlichen Bauwerke zu ermitteln.

Vitruvius Pollio, Kriegsbaumeister unter Cäsar und Augustus, schrieb um etwa 15 v. Chr. sein Werk über die Architektur. Darin beschreibt er u.a. auch Nivellierinstrumente, welche es ermöglichten, die Höhe von Felswänden etc. zu bestimmen.

Uralt ist die Landvermessung. Schon aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. werden Baupläne aus Ägypten erwähnt und aus China eine Reichskarte aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. Die geographische Ortsbestimmung nach Länge und Breite kannten schon die alten Griechen; die Römer hatten schon 1 Geboren einige Jahre v. Chr., gestorben 65 n. Chr. Vgl. Naturbetrachtungen, IV. Buch. Brief an Lucilius, Procurator-Statthalter in Sizilien.

im 1. Jahrhundert v. Chr. eine StrassenVermessung. Die ägyptische Landesvermessung stammt schon von Sesostris, um 1860 v. Chr.

So wurden denn auch die damaligen Kunstbauten, wie Kanäle und Tunnels, nicht aufs Geratewohl erstellt, sondern es lagen ihnen Messungen und Berechnungen zugrunde. Der erste Suezkanal wurde schon um 600 v. Chr. durch Necho begonnen, der einen alten Kanal, der auf die Zeit rund 2000 Jahre v. Chr. zurückging, benutzte. Rund 100 Jahre später wurde der Durchstich unter Darius vollendet. Der Kanal ging vom Nil aus ins Rote Meer.

Herodot, welcher 484 bis 425 v. Chr. lebte, berichtet bereits über einen Tunnel, den Eupalinos aus Megara durch den Kalk des Berges Castro auf der Insel Samos trieb. Er diente für eine Wasserleitung, wurde von beiden Seiten begonnen und ziemlich genau berechnet. Der Tunnel war über 1 km lang.

Um 400 v. Chr. soll der Tunnel des Albaner Sees durchbohrt worden sein. Die Stollenlänge wird mit ca. 1800 m angegeben.

Bekannt ist sodann der Entwässerungsstollen für den Lacus Fucinus, Lago di Celano, der unter Kaiser Claudius erstellt wurde und zum Lirifluss hinüber führte. Der Stollen war 5640 m lang und wurde 52 n. Chr. eröffnet. Darüber berichtet schon u.a. Tacitus, der 55 bis 120 n. Chr. lebte. Nur war der Stollenmund zu hoch angesetzt, so dass nicht der ganze See trockengelegt werden konnte.

Es muss deshalb auch nicht verwundern, dass manche Bergwerke sehr alt sind. Die spanischen Bergwerke sollen auf Hannibal zurückgehen ( 246 bis 182 v. Chr. ). Sie wurden unterirdisch angelegt. Man arbeitete mit Gruben-lichtern und pumpte sie bei Wassereinbruch mit der sogenannten ägyptischen Schraube trocken, welche auf Archimedes ( etwa 280 bis 212 v. Chr. ) zurückgeführt wird. Die alten Römer wunderten sich weniger über die Tatsache des Bestehens solcher Bergwerke als darüber, dass dieselben nach so langer Zeit noch immer ergiebig waren.

Es gab auch damals schon unterirdische Steinbrüche, so diejenigen zur Gewinnung von Marmor.

Die Muschelkalke Griechenlands, die für Bauten Verwendung fanden, werden schon von Pausanias erwähnt, der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebte und einen Kunstreiseführer für Griechenland geschrieben hat, ein Reisehandbuch ganz in der Art moderner Reisebücher.

Die Versteinerungen in Ägypten waren schon Strabo bekannt.

Übrigens ist auch die Lupe, also das Vergrösserungsglas, alt, denn wie Blümner Hans ( Technologie, 1875/1887 ) schreibt, hat man « in alten Gräbern convexe Linsen gefunden, welche kaum zu irgend welchem Zwecke benutzt worden sein können, als um als Loupen zu dienen... » Und mutet es nicht recht sonderbar an, zu hören, dass die ältesten Nachrichten über den Schlitten aus... Ägypten stammen, aus Wandreliefs aus der Zeit um 2000 bis 1790 v. Chr.

Die Schlitten dienten dort zum Transport der grossen Steinblöcke, die man zum Pyramidenbau herbeischaffte, indem gepflasterte Strassen poliert und zum leichten Gleiten der Schlitten mit Wasser begossen wurden, so wie man es etwa beim Holztransport macht.

Das sind so einige Streiflichter ins Altertum. Sie betreffen zwar die Alpen nicht direkt, haben aber doch etwas mit den Gebirgen zu tun. Weiter darauf einzugehen, würde zuviel Raum beanspruchen und zuviel spezielles Interesse für einzelne Fragen voraussetzen.

Feedback