Sockus ruber comunis Zum Glück eine aussterbende Art

Die «Rote Socke». Das war das Markenzeichen des ernsthaften, verwegenen Bergsteigers.Und so war sie weitverbreitet. Dabei ist es ein Paradoxon, dass die Farbe Rot zum Markenzeichen des gesamten SAC geworden ist. Der SAC gilt ja zuweilen noch heute als «Rotsockenverein».

Politisch wollte man in unseren Kreisen mit «den Roten» ja lange rein gar nichts zu tun haben. Eine «Rote Socke» ist aus dieser Optik ein höchstproblematisches Statement. Eine «Rote Socke» ist ein Revolutionär,ein Umstürzler, einer der allenfalls bei den Naturfreunden zu finden ist. Er ist aber sicher kein rechter Bergsteiger und schon gar kein Clubist.

Eigentlich hätte man das ja merken müssen. Spätestens im Zweiten Weltkrieg, als die Nazipropaganda der Roten Armee «lieber tot als rot» entgegenschmetterte.Man hätte im SAC erkennen müssen, dass man in den Bergen farblich aufs falsche Pferd gesetzt hatte. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Die «Rote Socke» wurde nach 1945 zum Spottsymbol für die Funktionäre der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz der Kommunisten. Nach der Wende von 1989 machte die «Rote Socke» gar im ersten gesamtdeutschen Wahlkampf mit. «Auf in die Zukunft, nicht aber in roten Socken», hiess der Slogan, der in ganz Deutschland von Plakaten der CDU lachte. Und die damalige PDS, die Nachfolgepartei der kommunistischen SED und heutigen «Die Linke», konterte, wenn schon rot, dann richtig, und verschenkte rote Socken an ihre Wähler.

Man müsste nun meinen, dass die fatale farbliche Verbindung endlich wahrgenommen worden wäre und die rote Socke aus den Kleiderschränken der Bergsteiger verbannt worden wäre. Doch weit gefehlt. Ein SAC-Veteran (53 Jahre Mitglied) gestand kurz vor der Jahrtausendwende: Er besitze mehrere rote Paare. Sogar auf dem Mönch sei er in den roten Socken gewesen. «Und wenn sie staubig waren, habe ich sie entstaubt, gewaschen und nötigenfalls geflickt», schreibt er in einem Leserbrief in der Zeitschrift.

Die Chance ist intakt, dass der SAC dennoch mit einem blauroten Auge davonkommt. Die gemeine Rotsocke, lat. Sockus ruber comunis, stirbt langsam aus, konstatierte der Wanderer der Nation, Thomas Widmer, im März am Rapperswilertag. Dafür könne er infolge jahrelanger Feldforschung eine Fülle neuer Unterarten ausmachen, so Widmer. Wir können froh sein, hat bis jetzt niemand gemerkt, welches politische Bekenntnis Mitglieder des SAC mit der Sockenfarbe jahrzehntelang abgelegt haben.

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