Sponsoring und die ethische Grundhaltung des SAC. Von Maverick- zu C-Max-Climbing-Cup

Von Maverick-zu C-MAX-Climbing-Cup

Sponsoring und die ethische Grundhaltung des SAC

Leistungssport ohne Sponsoring ist heute nicht mehr denkbar – auch im SAC. Im Fall des Sponsorpartners Ford, der sich für das Wettkampfklettern engagiert, sind grundsätzliche Diskussionen um die ethische Grundhaltung unseres Sportverban-des geführt worden. Sie bildeten die Basis für eine angepasste Zusammenarbeit.

Sponsoring als Instrument der Mittelbeschaffung ist im SAC-Leitbild verankert: « Sponsoring ist im Rahmen der ethischen Grundhaltung des SAC zulässig. » Die ethische Grundhaltung des SAC kommt in diversen Reglementen und Richtlinien zum Ausdruck. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs und die Verringerung des Individualverkehrs werden im Leitbild und in den Richtlinien des Gesamt-SAC und des SAC-Bereichs Umwelt postuliert. Bei der Aussage « Förderung des öffentlichen Verkehrs » stellt sich die Frage, ob der Interpretationsspielraum in Bezug auf Sponsoring die Partnerschaft mit einem Autohersteller zulässt oder nicht. Diese Frage wurde vor zwei Jahren ganz konkret, als die Firma Ford Interesse an einer Partnerschaft mit dem SAC im Bereich Leistungssport zeigte.

Leistungssport ohne Sponsoring undenkbar Der SAC hat sich als national verantwortlicher Verband für Sportklettern, Eisklettern und Skialpinismus zum Leistungssport bekannt. Leistungssport ist aber heute ohne Sponsoring weder vor-stell- noch finanzierbar. Er bietet ja auch eine ideale Plattform für Sponsoring-aktivitäten. Ein Dilemma stellt sich erst ein, wenn ein Sponsorpartner die für den Leistungssport nötigen finanziellen Ressourcen bringt, gleichzeitig aber nicht vorbehaltlos den ethischen Richtlinien entspricht. Der Zentralvorstand des SAC musste deshalb die Frage « Ist die Partnerschaft mit einer Autofirma mit der ethischen Grundhaltung des SAC vereinbar ?» beantworten. Sein Ja begründete er damals primär damit, dass das Auto für den Wirtschafts- und Lebensraum Alpen unverzichtbar ist. Zudem lasse sich aus der Leitbildaussage « Förderung des öV » nicht eine grundsätzliche Ablehnung des Autos ableiten.

Zielkonflikt zwischen Schützen und Nützen Grundsätzlich ist der SAC bestrebt, die « Nutzung » der Alpen möglichst umweltverträglich zu gestalten. Der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Überlegungen, Bedürfnissen der Bergsportler und Umweltanliegen stellt sich nicht nur beim Verkehr, sondern auch bei den Hütten ( Transportfahrten und -flüge ) oder beim freien Zugang zu Klettergebieten. In all diesen Bereichen ist ein Abwägen der Interessen nötig. Leitbild, Clubpolitik und Richtlinien geben in den meisten Fällen klare Antworten. Wo dies nicht der Fall ist oder zu sein scheint, hilft nur eine offene Diskussionskultur innerhalb des Verbandes.

Die jüngsten Gewinnerinnen der Boulder-SM 2004 profitieren auch vom Sponsoring: Der C-MAX-Climbing-Cup kann professioneller organisiert und beworben werden.

DIE ALPEN 11/2004

Der Fall des Ford-Sponsorings ist im Grunde genommen nicht ein Konflikt zwischen Leistungssport und Umwelt-engagement, sondern ein Zielkonflikt auf der Werteebene von Schutz- und Nutzinteressen. Natürlich hat der Leistungssport ein direktes Interesse an den finanziellen Mitteln des Sponsors, die Güterabwägung des Zentralvorstandes erfolgte aber in Bezug auf die ethische Grundhaltung gegenüber dem Auto. Bei seinem Entscheid liess sich der ZV von der Realität im Bergsport leiten: Einerseits will man die Bergwelt möglichst natürlich erhalten, anderseits belastet man mit seiner sportlichen Tätigkeit eben diese Umwelt, wie die vollen Parkplätze an den Ausgangspunkten alpinistischer Unternehmungen zeigen. Hier ist aber einzufügen, dass die SAC-Mitglieder bezüglich öV-Nutzung auf Bergtouren grosse Fortschritte gemacht haben, wie Untersuchungen im Rahmen der Mobilitätskampagne « Alpen retour » bestätigen.

Vom Maverick-zum C-MAX-Climbing-Cup Bei der Partnerschaft von Ford und Sportkletterwettkämpfen SAC erhitzten sich die Gemüter am Geländefahrzeug Ford Maverick. Für viele Mitglieder, das Ressort Umwelt, aber auch für die Ver-lags- und Hüttenkommission waren die negativen Umweltauswirkungen eines solch schweren Geländewagens nicht akzeptabel. Grundtenor war, dass eine Partnerschaft mit einer Autofirma die SAC-Mitglieder mindestens in Richtung umweltfreundlicher Autos animieren sollte. Auf Grund der zahlreichen Reaktionen korrigierte der ZV seinen Entscheid 1, und in der Folge konnte mit Ford eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden werden: Da SAC-Mit-glieder häufig mit viel Gepäck und allenfalls mit der Familie unterwegs sind, entschied man sich für Ford Focus C-MAX, einen Mittelklassewagen in der Ausführung mit Dieselmotor und Partikelfilter, der auf der VCS-Umweltliste 2004 hinter einem Hybrid-Auto auf Platz 2 liegt, also in Bezug auf Umweltbelastung bei reinen Dieselmotoren führend ist.

Diesel ja, aber nur mit Partikelfilter Dieselmotoren haben in Bezug auf die Umweltbelastung den Vorteil, dass sie im Vergleich zum Benzinmotor rund 20–30% weniger Treibstoff verbrauchen und rund 10–15% weniger CO 2 ausstossen. Ihr Nachteil ist der grosse Russaus-stoss, der sich negativ auf die Luftqualität und damit auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Diesem konnte erst mit der Einführung der Partikelfilter entgegengewirkt werden, wie sie eben beim C-MAX serienmässig eingebaut sind. Und so bietet ein Modell wie der C-MAX von Ford eine zurzeit optimale Lösung von Platzangebot und Umwelt-schonung. 2 Ab 2005 wird übrigens Ford das Angebot auch um Personenwagen und Nutzfahrzeuge erweitern, die unter dem Label « Green Power » mit Erd- oder Biogas betrieben werden können. Diese überzeugende Lösung für den SAC und den Sponsorpartner Ford ist dank einer guten Diskussionskultur aller Beteiligten zustande gekommen. a

Peter Mäder, Geschäftsführer 1 Vgl. ALPEN 8/03, S.20 2 Eindeutig bessere Werte liefern nur gasbetrie-bene Autos oder noch besser biogasbetriebene Autos mit einer CO 2 -Bilanz von null und relativ geringem Ausstoss weiterer Schadstoffe. Allerdings ist das entsprechende Tankstellennetz insbesondere in den Bergen noch äusserst dünn.

Zwei Mal Platz zwei: für den Ford Focus C-MAX auf der VCS-Umweltliste 2004 und für Manuela Sigrist an der Boulder-SM in Leysin Vom Maverick zum Ford Focus C-MAX: Anthony Sapey und Cédric Lachat inspizieren das neue, angepasste Sponsoring-modell.

Fo to s:

St ef an M ic hel DIE ALPEN 11/2004

Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen

Storia, cultura, letteratura alpina

Histoire, culture et littérature alpines

Feedback