Starke Emotionen wecken

Für Routenbauer Jonas Chapuis hängt der Erfolg eines Wettkampfs ­davon ab, ob er er bei den Zuschauern Emotionen wecken kann. Damit er das erreicht, ist er bereit, Risiken einzugehen.

«Die Alpen»: Was motiviert dich für deine Arbeit als Routenschrauber?

Jonas Chapuis: Ob im Fels oder an einer Kletterwand bei ­einem Wettkampf, das Aufregendste ist immer, neue Abfolgen von Zügen zu finden. In den Wettkämpfen bedeutet das Adrenalin und Show, und das liebe ich!

Was macht in deinen Augen einen guten Routenbauer aus?

Ein guter Routenbauer, oder besser gesagt ein gutes Team von Routenbauern, muss den Athleten Lust geben, über sich hinauszuwachsen. Wenn ein Wettkampf zu einem Erfolg werden soll, muss er bei den Zuschauern starke Emotionen wecken. Das verlangt vom Routenbauer, dass er Risiken eingeht. Eine zu leichte oder zu schwere Route killt die Emotionen.

Wie passt du das Niveau der Routen an?

Indem ich zum Beispiel anlässlich eines Trainings beim Routenschrauben mitmache. Das ermöglicht mir, die Temperatur in den verschiedenen Kategorien zu spüren und so die Schwierigkeit bei den Wettkämpfen anzupassen. Die Kletterer sind unsere Partner.

Wo findest du die Inspiration, um neue Linien zu kreieren?

Ich lasse mich oft von Sequenzen von Zügen inspirieren, die ich draussen im Fels antreffe. Wenn ein Wettkampf naht, achte ich viel besser auf meine Züge, wenn ich selber klettere.

Und wie ist das beim Schrauben an der Kletterwand?

Die Umsetzung hängt stark vom Material ab, das man unter den Händen hat, und von der Wand, die zur Verfügung steht. Beim Plastik ist gut, dass du Konzepte versuchen kannst, die im Fels ein wenig blockieren.

Wie fühlst du dich am Tag des Wettkampfs?

Es herrscht viel Spannung, aber das hängt von der Unterstützung durch den Organisator ab. Nach einem Wettkampf entspannt man sich physisch und psychisch. Der Übergang ist oftmals so brüsk, dass das wie ein kleiner Schock wirkt. Aber man ist nicht unbedingt zufrieden, wenn der Zustand aufhört.

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