Tessiner Technoroute befreit

Wer durch die Leventina fährt, blickt unweigerlich einmal zu ihr hoch: zur Parete d’Osogna. Sie thront oberhalb des gleichnamigen Dorfes. Dennoch ist sie etwas in Vergessenheit geraten. Die Routen hier sind anspruchsvoll und ausgesetzt. An dieser Wand gelang Silvan Schüpbach (34) gemeinsam mit Berne Emmerich Anfang April die erste freie Begehung von Ultimo Sogno, einer von Genesio Petazzi und Freunden 1979 eröffneten Technoroute. Sie beginnt auf dem Biwakband in der Mitte der Wand und weist keine Bohrhaken auf. Die Schlüssellänge führt durch ein zehn Meter langes Rissdach. «Das härteste Rissdach der Schweiz?», fragt Silvan auf seiner Website und schätzt es auf 8a+. Drei Tage brauchte er im Dezember, um die zehn Meter zu entschlüsseln.

Irgendwie bekam Sean Villanueva, belgischer Spitzenkletterer, Wind von Silvans Projekt, und wollte selbst Hand anlegen. Das fuchste Silvan, er stieg im April trotz Nässe in die Wand ein. Und prompt gelang ihm nach den ersten zwei Seillängen auch die Dachseillänge im ersten Versuch. Danach folgten zwei Seillängen 6c und 7a+. «Wir hatten kein Topo dabei, und ich erinnerte mich, dass die letzten drei Seillängen relativ einfach sind. Und weil die Route ab dort extrem dreckig und verwachsen war, entschied ich, dass die Route für mich dort endet», schreibt Silvan auf seiner Web­site. Die Kürze der Route ist für die Wand eher ungewöhnlich. Im linken Wandteil befindet sich unter anderem Apriti Cielo (7b+/6b obl.), eine der etwas «leichteren» Linien durch die Parete d’Osogna. Mit 36 Seillängen auf 1150 Metern ist sie eine der längsten alpinen Kletterrouten der Schweiz.

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