Thailändische Impressionen

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Romain Vogler, Genf

Reise in die Ferne In Genf ist das Thermometer unter Null gefallen, in Bangkok meldet die Zeitung +31 °C. Ein Temperaturschock, aber auch ein Kulturschock. Ein Orient, der sich das Abendland zu eigen macht. Kanäle und Pfahlgründungen ohne Ende, vergoldete Tempel zwischen Wohn- und Geschäftshäusern, vor allem aber von Menschen und Wagen wimmelnde Strassen. Bangkok, eine Station auf dem Weg zu anderen Zielen: Eine thailändische Maschine stellt die Verbindung mit Phuket her, das rund achthundert Kilometer südlich, etwa in der Mitte der sich bis nach Singapur erstreckenden Malaiischen Halbinsel liegt. Phuket ist auf einer kleinen Halbinsel der Westküste angelegt, die die Bucht von Phangna von der Andaman Sea trennt; es ist von Horden von Badegästen überlaufen. Wir entfliehen ihnen so Die Granitblöcke von Similan, dem « Fontainebleau ) ( Klettergarten in der Nähe von Paris ) des Südens Zeitschriften aller Art haben uns - fast bis zum Überdruss - mit Berichten von Expeditionen in ferne Länder versorgt. Felsblöcke auf den Seychellen, Wüsten in Jordanien oder Mali, das Gelbe Meer und das Häusergewühl von Hongkong: Ziele, die ebenso exotisch wie finanziell unerschwinglich sind, Photokampa-gnen unter dem Deckmantel des Kletterns.

Aber wenn einige Reiseziele ( verkaufen ), so sind sicherlich auch jene nötig, die Träume von steilen weissen Wänden und unerforschten Felsen anbieten.

schnell wie möglich mit dem ersten Schiff nach Ko-Phi-Phi ( Ko Yao Yoi ), das aus der Luft an zwei Schmetterlingsflügel erinnert, die ein schmaler, mit Kokospalmen bestandener Streifen verbindet. Auf dieser kleinen Fläche konzentriert sich das gesamte Leben der Insel: die Landebrücke, das Fischerdorf, dazu - seit wenigen Jahren und zum Glück hinter Kokospalmen versteckt - eine ganze Reihe Bungalows von der einfachen Strohhütte bis zum klimatisierten Haus. Dies ist das nicht zu umgehende ( Basislager> für alle Expeditionen zur See.

Im Innern des Landes sind einige landwirtschaftlich genutzte Böden zwischen Dschungel und Gebirge eingezwängt. Die Küste hat natürlich Strände, doch steil ins Meer abfallende Klippen überwiegen.

Dies die Szenerie, jetzt geht es nur noch darum, an Ort und Stelle zu gelangen - gezwungenermassen mit dem Boot. Die mit einem starken Motor ausgerüsteten langen einheimischen Boote können in den nicht sehr tiefen Korallengewässern gut navigieren, weil ihre Schraube an einer langen Welle sitzt.

Wer vom Boot spricht, denkt auch an den Schiffer. Wir hatten das Glück, in dem Fischer Loh einen erfahrenen Mann zu finden. Er brauchte eine gute Portion orientalischer Weisheit, um während einer ganzen Woche unsere Kletterer-Ideen zu ertragen. Ausfahrt bei Tagesanbruch, Rückkehr bei einfallender Nacht, kühne Landungen, bei denen sein Boot gelegentlich Späne lassen musste. Aber Loh lachte bei unseren Bemühungen in der Vertikalen. Auch er arbeitet in einer ( verkehrten Welt ), derjenigen der Schwalbennest-

Auf Phi-Phi-Lay, einer Nachbarinsel, gibt es überhängende Klippen voller Stalaktiten, kleine türkisfarbene Salzwasserseen, durchsichtig klare Teiche, atemraubende Pfeiler, luftige Grate, kleine sandige Buchten, dann wieder Überhänge, gelbes Schichtgestein, Christian Schwarz sichert bei Ebbe Yves Martin im phantastischen Überhang der Route ( 7a zerklüftetes Grau, messerscharfe Platten, spitzes Kieselgestein, scharfkantige Rillen, Griffe für Fakire, regelrechte barocke mit zahllosen Wasserspeiern. Die Insel-Tour führt zu einem steifen Hals und zu Schwindelanfällen. Wir waren auf einen solchen Anblick nicht vorbereitet und müssen uns notgedrungen geschlagen geben. Also beschränken wir uns darauf, das ( Terrain ) unserer mutigen Vorgänger zu photographieren: direkt aus dem Strand aufragende Pfeiler, Überhänge, die fordern, dass man im Wasser sitzend oder von einem Boot aus startet! Nur Yves und Christian bringen in einem Anfall von Tropenkoller in einem

Bei Niedrigwasser kommen wir in Krabi an, wo dicke Boote mit dem Bauch in der Luft am Hafeneingang liegen. Erschöpft von der feuchten Hitze des Landesinnern und dem südlichen Licht, suchen wir vergebens etwas Schatten hinter unserm Gepäckberg, dessen Inhalt uns hier ebenso schwer wie unzeitgemäss vorkommt. In einem Kollektivtaxi geht es an den Strand; dort bringt eine leichte Brise ein wenig Kühlung und lässt uns wieder Hoffnung schöpfen. Am Horizont ziehen tropische unsere verstörten Blicke auf sich.

Nach einer Nacht im Zelt, in der wir von Schnee und eiskalten Fingern träumen, entdecken wir dann an genau demselben Hori- Christian Schwarz in der 3. Seillänge der Route

James Bond Island ist ein zwanzig Meter hoher Monolith in der Bucht von Phangna. Wir schulden ihm, als Vorspiel zu unsern Klettertouren in Thailand, einen Höflichkeitsbesuch. Einige Stunden in einem zum Bersten vollen Bus, in dem aber schliesslich jeder - sitzend, hockend, stehend - einen Platz findet; unter einem grauen, drückenden Himmel verschwinden wir dann, auf einem alten Boot mit schwachbrüstigem Motor, langsam in dem Labyrinth von Phangna. Kilometer im Mündungsgebiet folgen den Kilometern, die es durch den Meeresarm geht. Ihn schliessen hohe Türme ab; sie sind von dichter Vegetation bedeckt, in der Reptilien sicher gut gedeihen. Eine ideale Umgebung für exotische Abenteuer im Stil 007 und für Verfolgungsjagden in einem Boot mit Aussenbordmotor.

Die Häufung von Touristen zeigt an, dass das Ziel, der Treffpunkt der begeisterten Bewunderer von ( Der Mann mit dem goldenen Colt>, erreicht ist. Der mitten aus dem Wasser aufragende Monolith, der an das

Die Similanen in der Andaman Sea, das klingt gut, lässt an Piraten, auch an Gulliver denken. Morgens um vier an der Küste vor Pa-tong - dem Patoya von Phuket - mit Hotels, Discos und Nachtleben; doch der Strand ist in der Dämmerung des Tagesanbruchs, als wir an Bord eines für seine zehn Passagiere viel zu grossen Schiffes gehen, verödet. Die Küsten verschwinden mit zunehmender Entfernung, und bald sind wir von der unermesslichen Weite des Meeres umgeben.

Ab und zu blitzt im tiefen Blau ein Lichtstrahl auf: ein Seevogel oder ein Fliegender Fisch? Plötzlich ruft der Kapitän:

Zu den Similanen gehören neun Inseln. Eine unter ihnen ist eine von den Gezeiten bedrohte Klippe, die andern sind gross genug für einige Robinsons. Nur die vierte ist bewohnt, hat ein paar Hütten für die Wächter dieses Nationalparks und eine Reihe den gelegentlichen Touristen vorbehaltene Zelte.

Die Finger zittern, unter den weichen leichten Schuhen knirscht der Sand, und im Kopf dreht sich alles angesichts dieses Chaos von Blöcken: Unmöglich, sie an einem einzigen Tag zu bewältigen! Wir müssen wählen. Linien ziehen den Kletterer an, Griffe inspirieren ihn, aber sie fesseln auch den Blick des Photographen: Spalten, Quarzadern, Überhänge voller Aushöhlungen - Gelegenheit zum Bouldern, soviel man will!

Doch es gibt eine Ansichtskarte, die uns fasziniert: Sie zeigt eine smaragdfarbene Bucht, überragt von schwarzen Platten, die ein einziger Block von mondartigem Aussehen bekrönt. Er ist das ( Juwel ) der achten Insel. Aber ohne Boot sitzen wir auf der vierten fest. Verhandlungen beginnen; zunächst stossen wir auf Ablehnung, danach folgen Versprechungen: gleich -, dann: in zwei Stunden. Wir glauben nicht mehr daran, als wir plötzlich in einer alten Schaluppe aufs Meer hinaus befördert werden.

Das Boot bleibt am Eingang der Bucht liegen. Im kristallklaren Wasser sind die Fische mit ihren Regenbogenfarben, Korallen und eine Schildkröte auszumachen. Eine Piroge In Bangkok bahnt sich den Weg durch diese erstaunlich leuchtende Welt und bringt uns schliesslich zum Strand.

Inzwischen ist der Vollmond aufgegangen und erhellt die Nacht mit seinem willkommenen klaren Licht. Sein Strahl wellt sich auf dem bewegten Wasser, gleitet über die Platten und krönt den Gipfelblock mit einem Lichthof.

Beim ersten Tagesschein dringt der Klang des Felsbohrers bis zum Strand hinunter. Ein Klimmzug, ein Klemmkeil, ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein gewaltiger Schritt für uns: Wir haben den Mond erklettert.

Rückkehr Während der Rückfahrt nützen wir, ausgestreckt, die Sonne aus. Uns bleiben nur noch einige Stunden, um unserer Bräune die letzte Vollendung zu geben, selbst die Innenseiten unserer Zehen dürfen wir dabei nicht vergessen. Das sind die letzten Retuschen, mit deren Hilfe wir einen ganz gleichmässigen Bronze-ton erreichen wollen, der uns von den rotge-sichtigen Skifahrern zu Hause deutlich unterscheiden wird. Vom Schiff ins Flugzeug, von Phuket nach Bangkok, weiter nach Brüssel und schliesslich nach Genf.

Eine letzte Erschütterung unterbricht unsere Träume: die brutale Landung auf der nassen Piste der Wirklichkeit. Schon acht Uhr, schon Genf und bald zehn Uhr! Die Schule hat mich wieder:

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