Tourentipp Nordalbanien (10/2012)

Für seinen Erlebnisbericht von Nordalbanien bin ich André Girard dankbar. Die Berge sind dort wild, die Menschen arm, eher zurückgezogen, wie er beschrieben hat. Ein Problem, das im Bericht ebenfalls erwähnt wird, scheint mir jedoch etwas mehr Beachtung zu verdienen, weil es für viele Menschen eines ist auf Leben und Tod, eines auf ein Leben in ständiger Angst um den Vater, den Sohn, den Onkel, ja auch um deren Frauen, Töchter und so weiter, mit verheerenden Folgen für ganze Sippen: der «Kanun» mit seiner Blutrache. Täglich sterben Menschen aufgrund dieses alten «Gesetzes der Berge», das einen tödlichen Kreislauf aufrechterhält, indem die vermeintliche Familienehre über das Leben gestellt und Mord zur Pflicht erklärt wird. Die Betroffenen sind dadurch noch ärmer, als sie es ohnehin sind, und können ihre Kinder nicht in die Schule schicken, geschweige denn eine ausreichende Hygiene oder ärztliche Hilfe bezahlen. Wer immer den Spuren von André Girard in Albanien nachwandert, möge bedenken, dass er sich in einem archaischen Gebiet Europas befindet, welches dringend unsere Unterstützung brauchen würde. 

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