V. Zweiter Bericht über das Gletscherbuch

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WertJie Clubgenossen!

Der Unterzeichnete gibt sich hiermit die Ehre, der diessjährigen Versammlung des S.A.C. seinen zweiten Bericht betreffend die Bearbeitung des schweizerischen Gletscherbuches vorzulegen.

Meinem ersten Bericht haben die Mitglieder des S. À. C. entnommen, dass die Gletscher des schweizerischen Alpenlandes zum Zwecke der Anlegung eines Gletscherbuches in 21 Gruppen eingetheilt, diese auf einer Karte dargestellt und die auf die einzelnen Gletscher bezüglichen Notizen gesammelt und unter die betreffenden Gruppen geordnet worden sind, sowie dass über die Materien, welche auf die an den Gletschern angestellten Beobachtungen Bezug haben, nach Anleitung der « Instruktion für Gletscherreisende » ein Sachregister angefertigt worden ist.

Dieser erste Bericht findet sich in dem VIII. Bande des Jahrbuches *des S.A.C., sowie in den Verhandlungen der schweizerischen naturforschenden Gesell- Gletscherbuch.

schaft pro 1872 abgedruckt; in den letztern im Begleit eines Berichtes der für Gletscherbeobachtungen von der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft und dem S.A.C. vereint niedergesetzten Kommission in welchem die Anlage des Gletscherbuches bewilligt wurde.

Schon damals war in genanntem Berichte ( der aber nicht in das Jahrbuch aufgenommen wurde ) Seite 119 der citirten Verhandlungen darauf hingedeutet dass es wünschenswerth wäre, eine gedrängte übersichtliche Aufzählung der Gletscher zunächst zu Händen der Mitglieder des S.A.C. im Druck erscheinen zu lassen, theils um von der Einrichtung des Gletscherbuches eine Vorstellung zu gewähren, theils und vorzüglich um zu Beobachtungen und deren Mittheilung an die Redaktion des Gletscherbuches an zur e gen^ Gegen Ende vorigen Jahres erhielt ich von einem Mitgliede der Gletscherkommission einige « Bemerkungen zu meiner Uebersicht der 21 Gletschergruppen »; in welchen Bemerkungen, im Gegensatze zu den nach Vorschrift der « Grundsätze über die Führung des Gletscherbuches » von mir angenommenen G l e t s c h e r-gruppen, eine nach orographischen Gruppen, nach Flussgebieten, oder nach beiden vereint geordnete Aufzählung der Gletscher besprochen und empfohlen wurde.

Obschon meine Arbeiten für das Gletscherbuch bereits genehmigt waren, glaubte ich, obige Bemerkungen doch nicht unbeachtet lassen zu sollen, und ich entschloss mich, meine Manuscripte einer gänzlichen Umarbeitung nach orographischen Gruppen zu unterwerfen, wobei ( wie übrigens schon in einem vorgelegten Manu- scripte ) die Vertheilung der Gletscher nach ihren Flussgebieten Berücksichtigung fand.

Zu dieser Umarbeitung bewog mich namentlich auch die Neuheit des Stoffes und eine gewisse Unsicherheit, die in der Bearbeitung desselben zu walten schien, indem eise ähnliche Arbeit nie zuvor unternommen oder wenigstens nicht bekannt worden war.

( Ich bemerke hiebei ganz beiläufig, dass die von Herrn A. Dollfuss-Ausset für sein bändereiches Gletscherwerk « Matériaux pour l' étude des glaciers » verheissene Monographie « des glaciers en activité », niemals erschienen, und die « Aufzählung der Gletscher der Penninischen Alpen » von Ed. Collomb gerade in dem Bande des genannten Gletscherwerkes enthalten ist, der auf der Bibliothek der naturforschenden Gesellschaft in Zürich gefehlt hat und mir erst am völligen Schluss meiner Arbeit vor Augen gekommen ist. )

Während der Umarbeitung meines Manuscriptes gewann ich indessen die Ueberzeugung, dass diese Art der Gruppeneintheilung für eine Arbeit über die Gletscher nicht passend sei. Ich schreckte aber vor einer nochmaligen Umarbeitung des ganzen Materials und zwar diesmal nach blossen Flussgebieten, ohne Beziehung auf Gruppen, nicht zurück. Nach dem Vorgange von Ingenieur A. Kündig ( Jahrb. II. ) schritt ich hiebei, mit der Aufzählung der Gletscher auf der einen Thalseite beginnend, thaleinwärts bis zum Hintergrund vor, um auf der andern Seite thalauswärts zu fahren. So wurde Thal um Thal im Rhone-, im Po-, im Inn- und im Rheingebiet ( Vorder-, Hinterrhein-, Linth-,« Reuss-, Aargebiet ) bearbeitet.

Es lagen nunmehr drei vollständige, verschiedenartige Bearbeitungen vor mir, und ich darf wohl, ohne unbescheiden zu erscheinen, erklären, dass diese Metamorphosen grossen Zeitaufwand und eine mühevolle Arbeit in sich schliessen. Ich glaube daher auch einige Entschuldigung dafür zu finden, dass eine gedruckte Gletscherübersicht nicht schon für den diessjährigen *Sommer, da die Herren Clubisten ihren firngekrönten Freunden ihre Besuche abzustatten pflegen, vorbereitet werden konnte.

Durch die letzte der drei Bearbeitungen wurde mir vollends klar, dass eine Aufzählung der Gletscher durchaus auf Gebirgsstöcke und Gl et scher gruppen gegründet werden muss; ich kehrte daher zu meiner ersten Behandlungsart zurück, die ich der definitiven Ausarbeitung zu Grunde legte.

Indem ich hierauf meine Ansichten und Versuche zwei andern Mitgliedern der Gletscherkommission, den Herren Professor Desor und Rektor Lang vorlegte, trafen wir schliesslich in der Meinung zusammen, dass die Entstehung von Firn und Gletscher durch die Gestaltung und Höhenlage eines Gebirgsstockes wesentlich bedingt wird und da diese äussere Reliefform selbst nur als ein Produkt des innern Gebirgsbaues hervorgeht, aus dem auch die verschiedenen Abdachungen und Thalbildungen, welche den Gewässern zum Rinnsale dienen, als nothwendige Folge sich ergeben, so muss eine rationelle Aufzählung und Eintheilung der Gletscher sich auf die orographischen, hypsometrischen, geologischen und hydrographischen Verhältnisse zugleich stützen.

41 Dass bei dem Versuche einer solchen Aufzählung der Gletscher sich grössere Schwierigkeiten dargeboten,, als man ohne tieferes Eingehen in die Materie anzunehmen geneigt ist, bedarf wohl keiner nähern Erörterung;

dass im Fernern durch die mehrfachen Umarbeitungen die Arbeit selbst an Uebersichtlichkeit, an. Gründlichkeit und Klarheit gewonnen, dürfte eine Vergleichung mit der ersten Arbeit darthun.

In obiger Darlegung endlich ist auch der Grund dafür zu suchen, dass in der ursprünglichen Anlage des Gletscherbuches, wie sie in meinem ersten Berichte vorgesehen ist, verschiedene und wesentliche Aenderungen vorgenommen werden mussten. Die neue Eintheilung enthält nunmehr 13 grössere Gebiete, welchen 53 Gruppen untergeordnet sind. Immerhin lassen sich diese Gebiete und Gruppen mit den früher von mir angenommenen Gruppen zusammenhalten oder ausgleichen und sie gewähren den Vortheil, dass sie in Zukunft je nach Gutfinden vermehrt oder vermindert werden können.

Was nun die Uebersieht der Gletscher anbetrifft, so dürfte dieselbe in der gewählten Form ein bequemes Hand- und Notizbüchlein für Gletscherreisende abgeben, indem je auf der rechten leer gelassenen Seite Gelegenheit geboten ist, Bemerkungen über gemachte Beobachtungen, Berichtigungen, Ergänzungen des gedruckten Textes u. s. w. anzubringen. Dem Büchlein wird ein erläuterndes Vorwort und am Schlüsse eine Aufzählung aller Gletscher nach Gruppen und Flussgebieten, sowie ein alphabetisches Register der mit Namen versehenen Gletscher beigedruckt Gletscherbuch.64S

werden. Ob es möglich sein werde, ebenfalls ein zweckdienliches Gletscherkärtchen beizugeben, wage ich für einmal noch nicht zu bestimmen.

Auch im Falle dass eine günstige Aufnahme und ein guter Erfolg einer solchen Gletscherübersicht von Seite der Mitglieder des S.A.C. zu Theil wird, so halte ich doch dafür, dass hiebei nicht stehen geblieben werden darf. Vielmehr dürfte der S.A.C. in Erwägung zu ziehen haben, ob nicht ein gewisser jährlicher Kredit ausgeworfen werden soll für obligatorische Gletscherbeobachtungen, die, gemäss näher festzusetzenden Bestimmungen, an den hauptsächlichsten und zugänglichsten Gletschern durch fachgebildete Persönlichkeiten vorgenommen werden sollen.

Die Hülfsmittel, deren ich mich bei Bearbeitung dieser Gletscherübersicht bediente, sind fast keine andern als die 10 Blätter Alpenland des eidgenössischen Atlas ( IX., I. XV., I. XX., XXII., XXIII. ), die vom S.A.C. herausgegebenen Blätter im 1/äöooo JMaassstabe, die beiden Blätter Unterengadin, die Kan- tonalkarte Glarus, die drei ersten Lieferungen des topographischen Atlasses der Schweiz ( von denen indessen bis jetzt bloss zwei Blätter für Gletscherauf-zählung gebraucht werden konnten ), was alles ich bei Beurtheilung meiner Arbeit in billige Berücksichtigung zu ziehen bitte.

In meinem vorjährigen Berichte hatte ich mitgetheilt, dass die Gletschergruppen auf einer Karte dargestellt worden seien. Diese Karte wird nun nicht mehr benutzbar sein, indem die Eintheilung der Gletscher eine andere geworden und deren Maassstab ohne- 6 MSiegfried.

hin zu klein ist. Man wird sich überhaupt die Frage zu stellen haben, wie die Gletscher am zweckmässigsten bildlich darzustellen seien. Die oben genannten, 10 Blätter des eidgenössischen Atlas könnten zu diesem Zwecke allerdings verwendet werden; allein der Maassstab auch dieser Karte ist noch zu klein und ich bin. desshalb der unmassgeblichen Meinung, dass man von einer Gletscherkarte als Ganzes absehen und dafür einen Gletscher-Atlas in beliebiger Zahl von Blättern anlegen sollte. Der Maassstab dieser Blätter dürfte verschieden, müsste aber immer so gross gewählt sein, dass die topographischen und oro-hydrographi-schen Angaben, allfällige Aenderungen und die an den einzelnen Gletschern gemachten Beobachtungen mit Genauigkeit eingetragen werden könnten. Ein solcher Atlas, der succesive anzulegen wäre, müsste den Werth des Gletscherbuches wesentlich erhöhen; die Ausarbeitung indessen könnte nur unter Mitwirkung des eidg. Stabsbureau geschehen. Sache des Redaktors des Gletscherbuches wird es sein, in dieser Richtung weitere Untersuchungen anzustellen.

An Geschenken sind im Berichtjahre eingegangen:

Vom Centralausschuss in Basel: die Clubkarten von Wallis I., II., III., IV., Gotthard und Adula.

Vom eidg. Stabsbureau in Bern: Topographischer Atlas III. Lieferung.

Von Herrn Dr. H. Isler in Lausanne: Photographie vom Zinal-Gletseher.

Aus dem Nachlasse des Herrn Prof. Dr. A. Escher von der Linth:

Karten, Photographien, Ansichten, Bücher und Schriften.

Am Schlüsse meines Berichtes angelangt, beehre ich mich noch, Ihnen in einer Beilage:

Die Rechnung über meine Anschaffungen im Jahre 1872/73 vorzulegen.

Das Verzeichniss von Büchern, Schriften, Zeichnungen, Photographien, Karten wird den Mitgliedern separat mitgetheilt werden.

Dieses Verzeichniss betreffend, war ich bemüht, der mir gestellten Aufgabe gemäss, sachbezügliche Aufsätze etc. in Zeitschriften und andern " Werken zu sammeln.

Eine bedeutende Zahl solcher verdankt der S.A.C. der gütigen Erlaubniss der Hinterlassenen eines verstorbenen Mitgliedes, aus dessen Nachlass die einschlagenden Schriften auswählen zu dürfen; nämlich des nie genug zu betrauernden Herrn Professor Dr. A. Escher von der Linth, dessen ausgebreitete Kenntnisse und eigene Beobachtungen gerade auch auf diesem Gebiete unserer Landeskunde ein unerschöpfliches Material geboten hätten, dessen Hinschied darum auch für unsern speziellen Zweig, durch welchen sich derselbe lebhaft angesprochen fühlte, ein unersetzlicher Verlust ist.

Hottingen-Zürich, den 31. August 1873.

J. Siegfried,

zur Zeit mit der Redaktion des Grletscherbucb.es beauftragt.

Rechnung über die Ausgaben 1872/73.

Saldo ( August 1872 )... Fr. 186. 05

« Echo des Alpes », II. Jahrgang und PortoFr. 3. 10

Leuzinger's Oro-hydrograph.

Karte * 5.

Unter-Engadin, zwei Blätter « 12.

Blatt XIII und XIV des eidgenössischen Atlas... » 4.

Buchbinderarbeit ( für Aufziehen von Karten u.a. » 3. 75

7 Porti und Scheine ( Beleg

1—7 ). » 3. 45

2 Pakete von Solothurn.. » — 55

Couverts, Frankomarken ( für Freiburg, Luzern, Basel, Zürich, Bern ) » 6. 15

38.

Saldo August 1873 Fr. 148. 05 Zürich, den 31. August 1873.

J. Siegfried.

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