Vernetzung mit dem Berggebiet

Zum Begriff Bergsteigerdorf wären mir bis vor ein paar Jahren spontan Chamonix oder Grindelwald in den Sinn gekommen. Tatsächlich heissen die Bergsteigerdörfer aber Gschnitztal, Val di Zoldo oder Luče. Sie gehen auf eine Initiative des Österreichischen Alpenvereins zurück, die auch in Deutschland, Italien und Slowenien erfolgreich umgesetzt wird. Seit der letzten Sitzung des Internationalen Steuerungsausschusses ist klar, dass mit St. Antönien und den Unterengadiner Dörfern Lavin, Guarda und Ardez bald auch die Schweiz zwei Regionen hat, die zum Kreis der Bergsteigerdörfer gehören (siehe ab Seite 24).

Das grosse Potenzial der Bergsteigerdörfer liegt in ihrer intakten alpinen Natur- und Kulturlandschaft, in den vielseitigen Bergsportmöglichkeiten und in der Partnerschaft mit den Alpenvereinen. Dem SAC bietet das Projekt eine Möglichkeit, sich besser mit dem Berggebiet zu vernetzen und eine nachhaltige Entwicklung sowie die Erhaltung der Bergwelt zu unterstützen.

Mit St. Antönien und den Unterengadiner Dörfern werden zwei sehr vielfältige Bergsteigerorte ausgezeichnet, die bereits heute viele Gäste anziehen. Das Val Medel ist als dritter Bewerber daran gescheitert, dass keine Ortschaften zugelassen werden, die eine überörtliche Wasserkraftnutzung aufweisen: Der zehn Kilometer von Curaglia entfernte Lai da Sontga Maria am Lukmanierpass war der Grund, dass der Internationale Steuerungsausschuss die Kandidatur Val Medel ablehnte. Persönlich bedaure ich diesen Entscheid, denn das Val Medel hat sehr hohe landschaftliche und kulturelle Werte und hätte eine Auszeichnung als Bergsteigerdorf verdient. Die strengen Kriterien zeigen das Spannungsfeld zwischen Energiewende und Landschaftsschutz, das uns in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Auch der Steuerungsausschuss wird nicht umhinkommen, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Ich freue mich auf die ersten Bergsteigerdörfer in der Schweiz und hoffe, es werden bald weitere folgen.

Feedback