Via Satellitenbild zum Boulderspot

Eine Gruppe Kletterer aus der Schweiz und Belgien machte sich auf nach Namibia, um neue Spots zu ­erschliessen. Ausgespäht hatten sie diese über Satellitenbilder auf Google Earth.

Zuerst durchforstet man die Touristenführer, dann nimmt man Satellitenbilder unter die Lupe, um dort nach verräterischen Anzeichen zu suchen, die zum nächsten Kletterhort führen könnten. Und anschliessend reist man Tausende Kilometer weit, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Der Walliser Boulderer Nils Favre hat sich letzten Sommer dieser Herausforderung gestellt. Begleitet von seiner Freundin Viviane Monteiro und drei belgischen Freunden reiste er nach Namibia, um die jungfräulichen, magnesiumweissen Blöcke ausfindig zu machen, die er davor auf Google Earth entdeckt hatte. Mit dem Risiko, mit leeren Händen zurückzukehren.

«Unsere Reise sollte auch eine Art Expedition sein», erklärt Nils Favre. «Die Idee war, sich in unbekannte Bouldergebiete zu begeben, um ihr Potenzial zu entdecken.» Das Team entschied sich schliesslich für Namibia. Neben dem Klima und der einzigartigen Landschaft bietet dieses wüstenartige Land einen wichtigen Vorteil: Die Gebiete mit den Blöcken sind nicht im dichten Wald versteckt. Sie sind auf Satellitenbildern gut sichtbar.

Enttäuschungen, Entdeckungen

Die jungen Sportler mussten nun dem vertrauen, was sie auf Google Earth gesehen hatten. «Auf den Aufnahmen haben wir verschiedene Berge entdeckt, an deren Fuss sich eine Unmenge von Blöcken zu befinden schien», erzählt Nils Favre: «Wir verglichen die Grösse der Felsen mit den Bäumen und kamen zum Schluss, dass sie brauchbar waren.»

Mit Unterstützung von Sponsoren machte sich die Gruppe im Juli 2014 auf den Weg nach Namibia. Einen Monat lang durchfuhren sie mit einem Geländewagen und Zelten ausgerüstet die am Bildschirm ausgesuchten Sektoren. Es wurde eine Reise voll von Enttäuschungen und Entdeckungen. Die Blöcke im ersten Gebiet stellten sich als unkletterbar heraus. In der Nähe der Spitzkoppe, inmitten der namibischen Wüste, entdeckten Nils ­Favre und seine Freunde jedoch ein paar interessante Felsen. «Das war eine Erleichterung. Wir haben dort einige Routen eröffnet, darunter eine grossartige 8a+ mit dem Namen Le Diamant», so der Walliser.

Blöcke en Masse beim Mount Etjo

In den letzten Tagen ihres Abenteuers entdeckte die Gruppe schliesslich am Fusse des Mount Etjo den schönsten Sektor. «Wir hatten gerade entschieden, das Klettern bleiben zu lassen, um ein bisschen als Touristen unterwegs zu sein, als wir am Fuss des Berges auf ein Meer von Blöcken stiessen», erzählt Favre: «Die Qualität des Steins war ausgezeichnet, fast wie in Rockland. Wir sind zwei Tage gebouldert und haben mehrere Routen eröffnet, darunter die Madisa (8a).»

Auch wenn er nicht plant, in nächster Zeit zurückzukehren, ist der Walliser überzeugt, dass Namibia in Bezug auf die Qualität der Blöcke Potenzial hat. An die 150 Routen in den verschiedensten Niveaus soll es laut Nils Favre dort unterdessen geben.

Basisinfos

Mount Etjo: https://27crags.com/crags/mont-etjo/map

Brandenberg: https://27crags.com/crags/brandberg/map

Spitzkope: https://27crags.com/crags/kleine-spitzkoppe/map

Film über Namibia-Expedition

Nils Favre und seine Freunde haben ihre Suche nach jungfräulichen Blöcken in einem Film festgehalten. 2015 soll er in der Schweiz gezeigt werden. Infos auf www.nilsfavre.blogspot.com.

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