Vielfältige Pissevache. Klettern im Unterwallis

Klettern im Unterwallis

Vielfältige Pissevache

Das Vallon de Van hat mit seinen milden Temperaturen und Pinienwäl-dern geradezu Mittelmeercharakter. Hier gibt es Routen für jeden Geschmack und in allen Schwierigkeitsgraden. Am bekanntesten ist der Sektor « Pissevache ».

Klettern Sie gern in den Aiguilles de Bavella auf Korsika? Träumen Sie vom Taffonis, dem verwitterten Granit Korsikas, oder vom salzigen Wind, der Ihnen übers Gesicht streicht? Eine Kletterei am Morgen und ein Bad im Meer am Nachmittag, Myrtenlikör, Ziegenkäse? Bevor Sie es dann endlich einmal dorthin schaffen, versuchen Sie es doch im Vallon de Van im Unterwallis. Hier steht die Pissevache mit ihren unzähligen Pfeilern. Wenn Sie in Salvan eintreffen, finden Sie natürlich weder das Meer noch die Kalkfelsen, welche den Charme der « Île de Beauté » ausmachen. Aber so schlecht ist der Tausch dennoch nicht: In der Pissevache warten vom Wind geformte Pinien sowie herrliche Granitplatten und -pfeiler. Man klettert hier selten mit Mütze und Daunenjacke, wie das häufig in den hoch gelegenen Klettergebieten des Wallis der Fall ist. Das Vallon de Van, bekannt für seine Mehrseillängen-Routen, bietet zudem auch Einseillängen-Klette-reien, die schon mehr als einen zum Schwitzen gebracht haben.

Granit in allen Qualitäten

Reibungskletterei, kleine Tritte oder fast senkrechte Wände mit guten Griffleisten machen den Löwenanteil der Routen im fünften und sechsten Grad aus. Wer eine weniger modische, aber unterarmscho- nende Plattenkletterei sucht, hat die Wahl zwischen zahlreichen, wunderbaren Linien. Übertun Sie sich aber nicht, denn sonst könnte es sein, dass Sie am nächsten Tag nicht mehr gehen können. Wenn Sie dagegen im siebten und achten Grad zu Hause sind, dann schlagen Sie sich mit Dächern, Überhängen und Kleinst-griffen herum. Für die Überwindung der komplexeren Probleme in den verschiedenen Sektoren brauchen Sie vor allem die Unterarme und etliche Kniffe.

Blick auf die Granitpfeiler der Pissevache Floriane Boss in der letzten Seillänge ( 5a ) vom Miles dévisses: eine Platte grösster Schönheit Fotos: patriceschr er ey er .com

Sektoren

« Pissevache » ist sicher der bekannteste Sektor. Neben dem Klassiker Merveille que Dalle locken auch La Fête des Blairs oder die historische Route Pissevache. Letztere wurde 1975 von Jean Pitteloud und seinen Kameraden eröffnet. Alle Routen liegen zwischen 6a und 7b. Da der Zustieg ziemlich steil und geröllig ist, sind gute Schuhe unerlässlich.

Der sanierte Sektor « Dalle à Bornet » wartet mit einigen wunderschönen Seillängen in Rissen und über Platten auf. Der Sektor wurde 1983 von Pierre Bornet mit Keilen eröffnet. Neben Bravo Lapp, Miles dévisses und Muppet Show – nach steigendem Schwierigkeitsgrad geordnet und alle mit Bohrhaken ausgerüstet – kann man sich in Souvenir und Sortie des artistes in Rissen im Setzen von Keilen üben. Einige bereits bestehende Sicherungspunkte in den Routen und an den Ständen erleichtern die Aufgabe. Schwierigkeitsgrad: 5a bis 6 c.

Wenn Sie auf dem oberen Band der Routen des Sektors « Dalle à Bornet » Halt machen, werfen Sie doch einen Blick auf die schönen Einseillängen-Routen des Sektors « Bouddha ». Zwar sind die meisten Routen hier ziemlich schwer, aber die Atmosphäre und der wunderschöne rote Fels sind etwas ganz Besonderes. Liebhaber von kurzen Klettereien ab 6a+ und bis 8b finden hier ein ideales Tummelfeld, aber auch diejenigen, die sich an eine noch unbewertete Premiere wagen wollen. Grossartige letzte Seillänge ( 6b+ ) von Pissevache: Romain Tavelli hat einen wunderbaren Überblick über das Rhonetal.

Vincent Theler beim Einstieg in die sechste und letzte Seillänge ( 6a+ ) von Merveille que Dalle

Von Hütten und Biwaks

Rifugi e bivacchi

Cabanes et bivouacs

Weniger bekannt, verdient der Sektor « Scex du Léman » dennoch einen Umweg. Dieser Pfeiler bietet schöne, anspruchsvolle und athletische Kletterei. Er ist jenen vorbehalten, die 6b und mehr beherrschen. Routen von drei bis fünf Seillängen warten auf Wiederholer. « Van d' en Haut » schliesslich ist ein kleiner Sektor mit Einseillängen-Routen fürs Klettern mit der Familie. Der Wald verstärkt das Gefühl der Ruhe. Hier hat es etwas für jeden Geschmack: Die Bewertungen reichen von 4 c bis 6b+. Väter und Mütter mit den entsprechenden Fähigkeiten können sich an einer 7 c oder im nahe gelegenen Sektor « Camping » an noch höheren Schwierigkeitsgraden versuchen.

Korsika kann warten

Erschöpft und mit müden Armen und Beinen, dafür voller Zufriedenheit sind Sie dankbar, Pissevache gewählt zu haben. Der Pinienwald, der Blick aufs Tal, die schönen glatten Platten und die Risse hinterlassen unauslöschliche Erinnerungen. Die runden, flachen oder kantigen Griffe werden an Ihren Händen ihre Spuren hinterlassen haben, aber was für eine Freude, diese von der Erosion bearbeiteten Felsen zu berühren! Es fehlte nur noch das Meer. Aber auch da gibt es Abhilfe: Ein kleiner Teich beim Resto-route du Grand Saint-Bernard bietet Gelegenheit, den neuen Badeanzug auszuprobieren. Nach Korsika fahren können Sie dann immer noch nächstes Jahr. a Vincent Theler, Veyras/ü Wenige Meter vor dem Ausstieg von Merveille que Dalle Foto: patriceschr er ey er .com

Erweiterte und renovierte Wildstrubelhütten eingeweiht

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