Virgile Rossel, Dichter der Berge Ein Clubmitglied mit vielen Talenten

Virgile Rossel, Autor, Dramaturg, Rechtsprofessor und Bundesrichter in Lausanne, dessen 15O. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war ein leidenschaftlicher Berggänger und ein treues SAC-Mitglied. Als Dichter widmete er zahlreiche seiner Werke den Bergen und ihren Bewohnern. Er wird im September anlässlich einer Kulturwoche in Tramelan gefeiert. 1

Virgile Rossel wird am 19. März 1858 in Tramelan im Berner Jura in eine Familie von Bauern und Uhrmachern geboren. Er streift schon als Kind durch die nahe gelegenen Berge und lernt deren « raue Schönheit und unvergleichlichen Charme » lieben. Mit seinem Vater und seinem Grossvater geht er am Sonntagnachmittag auf die Weiden von Cernil oder Les Places, wo er den Kälbern während der Sömmerung « etwas zum Schle-cken » bringt. Fasziniert sieht er von dort am fernen Horizont die Berner Alpen. Später, als er studiert, unternimmt er Ausflüge auf die Gipfel der Region, am liebsten auf den Chasseral, der ihm den einmaligen Blick auf die Seen und das Mittelland bietet. « Dahinter die Mauer der Voralpen und ganz hinten die glän- Fotos: Aus dem Buch Cet étonnant Vir gile v on Jeanne Fell-Doriot zende Kette der Eis- und Schneeriesen mit dem Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. »

Mitglied des SAC

1883 wird Virgile Rossel als Rechtsprofessor nach Bern berufen. Von da an durchstreift er jeden Sommer die Alpenregionen, beginnend mit den Pässen, Gletschern und Gipfeln des Berner Oberlands. 1896 tritt er der SAC-Sektion Bern bei. Mit seinen Freunden entdeckt er die Walliser Täler, von wo aus er zahlreiche Besteigungen unternimmt. Aber es ist vor allem « das Val d' Anniviers mit dem wunderbaren Dorf Zinal », für das er sich häufig für Ferien mit der Familie entscheidet und das er als Umfeld für die Idylle « Nivoline » wählt, das wichtigste Gedicht der Sammlung « Là haut sur la Montagne ». Bei einem Aufenthalt in diesem Dorf ermuntert der Poet und Alpinist seine Frau dazu, mit ihm einen Viertausender zu besteigen, vermutlich das Bishorn. Die Besteigung gelingt und gilt zu jener Zeit als ausserordentliche Leistung für eine Frau.

Ein romantischer Alpinist

Nach seiner Wahl ans Bundesgericht in Lausanne bleibt Rossel ein aktives Clubmitglied, wechselt aber in die Sektion Les Diablerets. Die Alpen inspirieren ihn zu weiteren Erzählungen, so für die erste der Berner Novellen mit dem Titel « Le Torrent ». Graubünden, wo er seine letzten Ferien verbringt, liefert ihm das Thema für den Roman « Anne Sentéri », eine schöne und düstere Liebesgeschichte, die auf einer Geschichte beruht, die man ihm erzählte.

Die Personen, die Virgile Rossel in Szene setzt, vom Hirten bis zum Bergführer, von der schönen Magd bis zur grossherzigen Bäuerin, gehören einer längst vergangenen Epoche an, aber sie berühren uns durch ihren allgemeingültigen Charakter. Ausserdem gelingt dem Dichter in einigen Novellen und Alpenromanen wie in seinen Gedichten die Schilderung der Intimität und der gemütlichen Ambiance der Hütten. Er beschreibt wunderbar die Schönheit der Alpenrosen und Enziane, « blauer als der Himmel », sowie das Spiel von Morgen- und Abenddämmerung auf den Felsen, Gletschern, dem Schnee und den Firnfeldern. Rossel wollte uns zeigen, was wir sehr hochhalten sollen: « Le pur, le grand, le libre et le joyeux amour.

Qu'inspire l' Alpe vue à travers un beau jour .»,

1 Informationen zum 15O. Geburtstag von Virgile Rossel: www.tramelan.ch/images/uplux/ depliant_verso.pdf

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