Voraussetzungen für Bergsteigen trotz Diabetes

Eine Ergänzung zum Beitrag in DIE ALPEN 10/97, S.24/25 Der Beitrag im ALPEN-Heft 10/97 zeigt, wie ein begeisterter Bergsteiger mit dem plötzlichen Ausbruch seines Diabetes umgeht und die Kraft und den Mut aufbringt, trotz seiner ganz neuen Lebenssituation dem Bergsport treu zu bleiben. Die für den Diabetiker dabei besonders zu beachtenden Voraussetzungen werden nachstehend aufgelistet.

Diabetikerinnen und Diabetiker brauchen auf Hoch-, Ski-und Klettertouren und damit auf das Erlebnis Bergwelt nicht zu verzichten. Wichtig ist für sie nur zu wissen, wie sie sich zu ernähren und welche Vorsichtsmassnahmen sie zu treffen haben:

- Diabetiker, die mit dem Bergsteigen beginnen möchten, müssen ihren Diabetes im Griff haben. Dies bedeutet, dass Unterzuckerungen bei Tag und in der Nacht bemerkt werden und durch entsprechende Massnahmen bekämpft werden können.

- Es ist zu beachten, dass durch die langandauernde körperliche Anstrengung die Glykogenreserven des Körpers aufgebraucht sind und der Diabetiker noch Stunden nach der Rückkehr von der Tour in eine Unterzuckerung fallen kann. Diesem Umstand ist bei der Dosierung des Insulins nach der Tour Rechnung zu tragen. Ausserdem empfiehlt es sich vor dem Schlafen zusätzlich etwas zu essen.

- Die bei Touren benötigte Insu-lindosis muss in der Regel um 30 bis 50% reduziert werden, um das Risiko von Unterzuckerungen zu reduzieren. Jeder Diabetiker muss die Dosierung des Insulins in Abhängigkeit der Intensität der Touren für sich selbst herausfinden.

- Hohe Blutzuckerwerte ( >13 mmol/l ) vor der Tour sind ebenfalls zu vermeiden, weil sonst Gefahr besteht, dass eine Ketoazidose eintritt.

- Begleitpersonen ( Kameraden, Führer usw. ) müssen über den Diabetes informiert sein, damit sie bei allfällig auftretenden Problemen wissen, was zu tun ist.

- Die Planung der Touren muss zusätzliche Zeit für regelmässige kurze Essenspausen beinhalten. Vor Schlüsselpassagen ist immer etwas zu essen. Die Behandlungs- und Erholungszeit bei einer Unterzuckerung ( Hungerast bei Nichtdiabetikern ) beträgt zwischen V2 und 1 Stunde. Ein solcher Zeitverlust muss eingeplant werden, damit witterungsbedingte Gefährdungen ( Gewitter, Aufweichung der Schneedecke ) reduziert werden können.

- Bei starker körperlicher Anstrengung werden die Nahrungsmittel langsamer vom Körper aufgenommen. Es sind deshalb kohlenhydrat- reiche ( auch gezuckerte ) Nahrungsmittel fetthaltigen und faserreichen vorzuziehen. Schnell wirken vor allem gezuckerte Getränke und Obst-saft.

- Die Tourenteilnehmer müssen bereit sein, eine Tour vorzeitig abzubrechen, falls es wider Erwarten zu Komplikationen mit dem Zuckerhaushalt kommt. Dies ist besonders zu beachten, wenn ein Wetterumsturz droht oder eine Stelle bezwungen werden muss, die eine Umkehr nicht mehr ermöglicht.

- Damit im Fall einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseins-störungen, Ohnmacht die nötigen Mittel zur Bekämpfung vor Ort sind, muss in der Notfallapotheke neben den üblichen Utensilien auch Glukagon zur intramuskulären und Glukoselösung zur intravenösen Verabreichung vorhanden sein. Glukoselösung darf intravenös nur von dazu ausgebildeten Personen ( Arzt, Krankenschwester usw. ) angewendet werden.

- Bei Konsum von alkoholischen Getränken ist Vorsicht geboten, da Alkohol unter gewissen Umständen blutzuckersenkende Wirkung hat und Symptome von Unterzuckerungen schlechter oder gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Berücksichtigt man diese Punkte, so werden auch Diabetiker erlebnisreiche Tage in der Gebirgswelt verbringen können.

Schweizerische Dia-Alpin-Club ( SDAC )

Der Schweizerische Dia-Alpin-Club ( SDAC ) besteht seit 1981 als unabhängiger Verein und bezweckt, am Bergsport interessierten Diabetikern Ausbildungs- und Tourenmöglichkeiten unter für sie optimalen Bedingungen zu vermitteln. Insbesondere wird auf kundige Führung und Sicherstellung der medizinischen Belange Wert gelegt. Damit der Einstieg ins Bergsteigen für Diabetiker etwas leichter fällt, bemüht sich der Schweizerische Dia-Alpin-Club, Ausbildungskurse sowie Sommer- und Wintertouren mit anerkannten Bergführern und ärztlicher Betreuung anzubieten.

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