Warme Lawinen fliessen langsamer, aber weiter

Anzère, Vallée de la Sionne. Weit oben am Grat zwischen der Crêta Besse und der Pra Roua ist das Versuchsfeld des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) eingerichtet. Hier kann seit 1998 eine fliessende Lawine mit Messgeräten analysiert werden, wenn die Bedingungen stimmen: «Es muss in den drei Tagen vor dem Versuch etwa ein Meter Neuschnee gefallen sein», sagt Perry Bartelt, Leiter des Forschungsprogramms «Rapid Mass Movements», auch seien gute Wetterbedingungen – sprich klare Sicht auf den steilen Hang – nötig. Ende letzten Jahres war es dann so weit, eine Sprengung im vollgeladenen Neuschneehang konnte erfolgen. Doch statt eines grossen Schneebretts ging nur eine verhältnismässig kleine Lawine ab. «Der Hang war nicht besonders auslösefreudig», so Bartelt, «die Lawine ist ersoffen.» Es sei aber gelungen, den Rutsch mit einer Wärmebildkamera aufzunehmen und so Daten über die Temperaturen des Schnees an der Oberfläche zu erfassen. «Man sieht, dass sich Schollen bilden und der Lawinenschnee nicht nur von der Oberfläche stammt», sagt Bartelt. Die tiefer liegenden, wärmeren Schneeschichten würden nach oben gespült. «Die Ergebnisse bestätigen, dass grössere Lawinen die Temperatur auf ihrem Weg ins Tal stark verändern.» Diese Änderung sei zentral für die Dynamik der Lawine. Kurz: «Je wärmer der Schnee ist, desto langsamer, aber trotzdem weit fliesst der Kegel.» Diese Information dient nun dazu, die bestehenden Lawinenmodelle zu verbessern, mit denen Lawinen im Computer simuliert werden können. Das sei wichtig, um die Schadenpotenziale abzuschätzen und die Sicherheit von Bauten in lawinengefährdeten Hängen zu verbessern, so Bartelt.

> Weiterlesen:

www.diezeit.de > Suche > Lawinenglühen

www.nzz.ch > Suche> Zoom in die Lawine

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