Was der SAC zum Locarnese meint

Der Zentralverband des SAC ist mit dem Nationalparkprojekt Locarnese einverstanden, die lokale SAC-Sektion Locarno begrüsst es sogar explizit. Ihre Vertreter haben sich an einer Begehung zusammen mit Parkverantwortlichen ein Bild vor Ort gemacht und in einer gemeinsamen Vernehmlassungsantwort Präzisierungen der Charta und Ergänzungen des Routennetzes verlangt. Darauf wurden wenige Routen nachträglich aufgenommen, wie die anspruchsvolle Alpinwanderung an der Cresta dei Lenzuoli am Gridone.

«Grundsätzlich findet der SAC das in der Pärkeverordnung verankerte Routengebot für Kernzonen nach wie vor zu strikt», betont René Michel, Mitglied des Zentralvorstands. Er verweist dabei auf vergleichbare Nationalpärke im Ausland, die ohne nennenswerte Zugangsbeschränkungen auskommen. Im Fall Locarnese ist es den Initiatoren aber gelungen, trotz strengen Rahmenbedingungen ein gutes Projekt zu erarbeiten. Wichtig war dabei auch der frühzeitige Einbezug der Sektion Locarno. Diese konnte viele Anliegen der Alpinisten einbringen. Entsprechend positiv äussert sich Sektionspräsident Hansjürg Frei: «Der Vorstand und ein Grossteil unserer Sektion sind für den neuen Nationalpark. Die Charta sieht sogar neue Hütten und Wanderwege vor und stellt den Wegeunterhalt sicher, der für die Gemeinden eine grosse ­Herausforderung ist.»

Dass das Projekt aus alpinistischer Sicht besser ist, hat aber auch stark damit zu tun, dass die Kernzone ganz andere Eigenschaften aufweist als jene im gescheiterten Parc Adula. Zum einen ist sie nur halb so gross, zum andern ist ein Grossteil davon dichtes, steiles Waldgebiet, in dem auch Berggänger lieber auf den Wegen bleiben. Sie ist aus­serdem in sieben Teile aufgeteilt. Dadurch ist ihre Grenzlinie, die vielerorts entlang alpinistisch attraktiver Gratschneiden verläuft, insgesamt sehr lang. Das ist positiv, weil die Kernzonengrenzen frei begehbar sind. Ein weiterer erfreulicher Aspekt: Nur ein kleiner Teil der Kernzone liegt in alpinem oder hochalpinem Gelände. Dadurch sind nicht nur die Bergsteiger von Einschränkungen betroffen, sondern alle Nutzergruppen.

Wie schon beim Parc Adula liegt der Entscheid aber letztlich bei den Einwohnern der Parkgemeinden. Sie müssen die Chancen und Risiken für die nachhaltige regionale Entwicklung abwägen.

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