Wie gefährlich ist Bergsteigen?

Die An- und Rückreise sei gefährlicher als die Tour, sagen viele Bergsteiger. Neue Zahlen zeigen: Sie haben recht. Ausser bei den Hochtouren.

Nach Medienberichten über Bergunfälle ist in der breiten Öffentlichkeit das Urteil meist rasch zur Hand: Bergsteigen ist gefährlich, und es ist unverantwortlicher Leichtsinn, sich den Gefahren in den Bergen auszusetzen. Die Bergsteiger selber sehen das natürlich ganz anders und argumentieren damit, dass die An- und Rückreise der gefährlichste Teil einer Bergtour sei. Wer hat nun recht? Kann man derart unterschiedliche Aktivitäten bezüglich Gefahren und Risiken überhaupt miteinander vergleichen?

Will man sich mit dieser Frage auseinandersetzen, sind zunächst die Begriffe «Gefahr» und «Risiko» klar auseinanderzuhalten. Bei jeder Tätigkeit, die man ausübt, setzt man sich den Gefahren aus, die das jeweilige Umfeld eben in sich birgt. Beim Bergsteigen spielen dabei die Art der Tour, das Gelände und die damit verbundenen Naturgefahren eine Rolle. Im Strassenverkehr sind die Beschaffenheit der Verkehrswege und die Art der Fortbewegung (Fussgänger, Velo- oder Autofahrer) wichtige Faktoren.

Statistisches Risiko …

Betrachtet man die Risiken der unterschiedlichen Aktivitäten, lässt sich feststellen, dass die Bergsteiger gar nicht so unrecht haben: Generell1 gesehen birgt der Strassenverkehr mehr Risiken als Ski- und Klettertouren oder Bergwanderungen. Ein höheres Risiko zeigt sich nur bei den Hochtouren.

… und individuelle Sicherheit

Bemerkenswert ist, dass sowohl der Bergsport als auch der Verkehr in den letzten 30 Jahren2 immer sicherer geworden sind. Beim Bergsteigen sind es die stetig verbesserte Ausbildung und Information, Routenabsicherungen, die Ausrüstung, Alarmierungsmöglichkeiten (Mobiltelephone) und die professionelle Bergrettung, die dazu beitragen, dass – trotz nach wie vor steigender Popularität – dieser Sport immer sicherer wird. Beim Verkehr dürften es vor allem die Gurttragpflicht, Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Fahrzeugausrüstung sein, die für mehr Sicherheit sorgen.

Fazit: Die individuelle Sicherheit – sei es beim Bergsteigen oder im Verkehr – wird letztlich nicht nur durch das «statistische Risiko» bestimmt, sondern durch das persönliche Verhalten. Mit anderen Worten: Als Berggänger sollte man lieber einmal verzichten oder umkehren, wenn an einem Tag nicht alles stimmt. Noch sicherer wird eine Tour ganz offensichtlich auch, wenn man sich für die An- und Rückreise nicht ins Auto setzt, sondern dazu so weit als möglich den öffentlichen Verkehr benutzt.

Zu den Zahlen

Die hier dargestellte Auswertung bezieht sich auf die bekannten Zahlenwerte der tödlichen Unfälle und die geschätzte Zahl der Personen, die die entsprechenden Tätigkeiten ausüben. Für den Bergsport stützen sich die verwendeten Zahlen auf die Umfragen des Schweizerischen Landesverbandes für Sport (SLS) von 1984 und des Bundesamtes für Sport (BASPO) von 2008. Einbezogen wurden auch die Entwicklung des Mitgliederbestandes des SAC und die Mitgliederbefragung von 2011. Bei den Berggängern werden nur die Zahlen der inländischen Bevölkerung berücksichtigt, da über ausländischen Berggänger keine tauglichen Schätzungen verfügbar sind. Ebenfalls nicht berücksichtigt wird die Dauer der Exposition (Anzahl Tourentage), weil auch hierzu keine brauchbaren und vergleichbaren Angaben vorhanden sind. Die ­Zahlenwerte des Verkehrs basieren auf dem Statistischen Lexikon der Schweiz (Bundesamt für Statistik).

*Durchschnitt 9 Jahre, 2004-2012, die Zahlen von 2013 waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

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