Wie Namen auf die Landeskarten kommen « Neue » Berge?

Bergnamen und besonders deren Schreibweise geben oft Anlass zu Diskussionen. Viele Berg- und Flurnamen sind von der ansässigen Bevölkerung geprägt. Dennoch finden diese Namen nicht immer auf die Landeskarten Eingang.

Heute befinden sich in der Datenbank SwissNames des swisstopo 194 000 Einträge. Davon werden 154 000 für die 1:25 000-Karten verwendet. Es gibt aber immer noch kleine Gipfel, Fluren und Gewässer, die vielleicht im Volksmund bereits Namen haben, die aber auf keiner Karte verzeichnet sind.

Wenn sich unter Skitourenfahrern der « Mariannehubel » ( zur Erinnerung an ein pikantes Geschehnis ) oder die « Traumlücke » verbreiten, so kommen die Namen deswegen noch nicht in die Karte. Wenn sich ein Name aber einbür- Die Form gab den Namen: Deutlich ragt der Gipfel des Einshorns empor.

Fotos: Daniel Anker gert und in Führern und/oder auf Wegweisern erscheint, dann trägt er zur Orientierung bei. In solchen Fällen nimmt swisstopo mit dem Kanton Rücksprache; auf diese Weise bekam z.B. das « Mauerhorn » auf dem Blatt Lötschental seine Bezeichnung.

Und sollte der soeben begangene Grat oder die durchwanderte Flur noch namenlos sein und wünscht man, diese zu benennen, führt der einzige Weg über den Kanton. An diesen muss man eine Anfrage richten. Dort klärt die zuständige Stelle – in der Regel das Vermessungsamt – zusammen mit der Gemeinde ab, ob der Name gebräuchlich ist. Die Gemeinde entscheidet, ob der Name in die amtliche Vermessung aufgenommen werden soll. Die Nomenklaturkommission legt die Schreibweise fest. Erst dann kann swisstopo entscheiden, ob der Name auch auf die Landeskarte und in die Namendatenbank aufgenommen wird.

Es gibt aber aussergewöhnliche Fälle, in denen mehrere Namen nebeneinander stehen bleiben: Im Rahmen der amtlichen Vermessung wurde im Färmeltal festgestellt, dass der 2323 Meter hohe Berg im Nordwesten der Alp Obere Bluttlig bei den Einheimischen einen Namen Die Form gibt den Namen: Breithorn. Dieser Name kommt auf den aktuellen Landeskarten von swisstopo mindestens sechs Mal vor. Eines davon ist das Lötschentaler Breithorn – ein anders das Zermatter Breithorn.

Ein geläufiger Name für Schweizer Gipfel ist auch « Dent Blanche », weisser Zahn. Auch der Poncione di Piotta ( dritter Gipfel von links ) ganz hinten im Val Carecchio hat seinen Namen aus dem Volksmund erhalten. Der Name bedeutet in etwa « felsiger Spitz ».

hat: « Bluttlighore ». Seit langem kennen die Skitourenfahrer diesen beliebten Gipfel hinten im Diemtigtal aber als « Rauflihore ». In der neuen Ausgabe der Landeskarte 1:25 000, Blatt 1247 Adelboden erscheinen, nun beide Namen – friedlich nebeneinander und topografisch korrekt platziert.

Für die amtliche Vermessung bestehen Weisungen für die Schreibweise aus dem Jahr 1948, die heute noch allgemein Verwendung finden. Dort wird festgehalten: « Die Schreibung der Namen von geringer, lokaler Bedeutung erfolgt in Anlehnung an die ortsübliche Aussprache. » Das betrifft in erster Linie die Flurnamen, aber auch die kleineren Hügel und Berge. Die « Saage Zend » im Urbachtal sind ein typisches Beispiel, die « Äbeni Flue » in dieser Beziehung ein Grenzfall – die schriftsprachliche Form « Ebnefluh » ist eben noch in vielen Köpfen verwurzelt. Im französischen Sprachbereich lebt der Dialekt oft nur noch in den Flurnamen weiter: « Folliu Borna » ist ein kleiner Berg in den Freiburger Voralpen, der Name bedeutet ungefähr « löcheriger Gipfel » oder « Gipfel mit steiler Rinne ». Im Tessin dagegen wird die Mundart auch im Alltag benützt; das « Caval Drossa » – frei übersetzt « runder Rücken oder Sattel » – ist deshalb kein Fremdkörper. Gegenwärtig ist für die Deutschschweiz ein neuer « Leitfaden Toponymie » in Arbeit. Er baut auf der Struktur der Weisungen 1948 auf, eliminiert einige Widersprüche und regelt besonders die Verwendung von regionaltypi-schen Lauterscheinungen genauer. Es sollten keine Zwitterformen mehr vorkommen: So wird es « Uf dr Flue » heissen Fotos: Daniel Anker Das Caval Drossa im Tessin – im Bild die grasig-braune Erhebung vorne – ist aus dem lokalen Dialekt und bedeutet in etwa « runder Rücken oder Sattel ». Laut der neuen Sprachregelung übernimmt swisstopo die lokal üblichen Schreibweisen.

Folliu Borna heisst dieser Gipfel im Kanton Freiburg. Sein Name ist Überbleibsel eines lokalen Dialektes und bedeutet in etwa « löcheriger Gipfel » oder « Gipfel mit steiler Rinne ».

und nicht « Auf der Flue »; lange Selbstlaute werden – zurückhaltendmit Doppelvokal geschrieben, so zum Beispiel « Baawald », das kommt von Bann und darf bestimmt nicht « Bahnwald » geschrieben werden. Ebenso kann das stumme n weggelassen werden: So empfiehlt swisstopo dann, « Bärebode » und nicht « Bärenboden » zu schreiben.

Die kantonale Nomenklaturkommission hat die Schreibweise der Landschaft festgelegt: « Gasteretal », so erscheint der Name auch in den Landeskarten. In Anlehnung daran müsste der in den ALPEN 6/2006 erwähnte, « neue Berg » mit der Kote 2729 m « Gasterespitz » geschrieben werden. swisstopo hat den Antrag so ans Amt für Geoinformation des Kantons Bern weitergeleitet. Wenn von dort das Okay kommt, steht einer Beschriftung des neuen Gipfels auf dem Blatt 1268 Lötschental nichts mehr im Wege. Und dann finden hoffentlich noch mehr Wanderer den Weg auf diesen prächtigen Aussichtspunkt. a Mar tin Gur tner, swisstopo, Wabern Bei Scheuchzerhorn, Escherhorn, Finsteraarhorn und Agassizhorn ( v. l. ) war nicht das Volk namensgebend: Der Glaziologe Louis Agassiz taufte die namenlosen Gipfel bei einer seiner Expeditionen. Die Dufourspitze, höchste Erhebung des Monte-Rosa-Massivs, erhielt ihren Namen durch bundesrätlichen Entscheid.

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