Zeitschrift und Mitteilungen D. & Ö. A. V

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Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Redigiert von Johannes Emmer. Jahrgang 1893, Band XXIV. Berlin 1893, und Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Redigiert von Heinrich Hess. Neue Folge Band IX, der ganzen Reihe XIX. Band. Jahrgang 1893. Berlin.

Die beiden Publikationen des D. u. Ö.A.V. entsprechen wiederum durchaus den bedeutenden litterarischen, wissenschaftlichen und finanziellen Kräften, welche in dieser größten alpinen Körperschaft aufgespeichert sind. An all dem oben schon besprochenen Geschrei über den schlechten Einfluß von Schriftleitungen auf den alpinen Stil ist höchstens das wahr, daß Aufsätze, die sich an ein größeres Publikum wenden, sein müssen, wie Mr. Conway einst von eben solchen Vorreden verlangt hat: „ They must be dull, decorous and truesie können deswegen doch für nicht blasierte Leute ganz lesenswert sein. Als Abhandlungen figurieren in der Zeitschrift: F. Schindler: „ Zur Kulturgeographie der Brennergegend "; Ed. Brückner: „ Über den Einfluß der Schneedecke auf das Klima der Alpen "; Ed. Glück: „ Vorrömische und römische Kultur in den bayrischen Alpen "; Dr. R. Schäfer: „ Was uns die Gesteine der Alpen erzählen "; Gustav Bancalari: „ Die Hausforschung und ihre bisherigen Ergebnisse in den OstalpenDr. M. Höfler: „ Kultkalendarium Oberbayerns mit besonderer Beziehung zur Volksmedizin"1. Mit Ausnahme des letzten sind es alles Themata, die sich wohl zur Besprechung in einer alpinen Zeitschrift eignen.

Noch entschiedener ist das der Fall mit dem zweiten Abschnitt. Da stoßen wir zuerst auf Dr. L. Darmstädters „ Aus einem vergessenen Exkursionsgebiet des Schweizer Alpenclub ". Bei dieser Lektüre ward mir zu Mute wie dem Mädchen, das seinen „ herztausigen Schatz bei'ner andern steh'n sieht ". Ich will also hier nur auf den reichen Inhalt dieser Erzählung aufmerksam machen. L. Purtschellers „ Aus den Seealpen " habe ich oben schon berührt; G. Becker bespricht „ Die Aiguille du Géant "; O. Jäger: „ Zwei Sommer im Wettersteingebirge "; Dr. Th. Petersen den „ Schwabenkopf im KaunsergratS. Simon liefert „ Alpine Plaudereien eines Kartographen " in seiner, unsern Lesern bekannten Manier. Dr. G. E. Lammer hat gelöst und beschreibt: „ Das älteste alpine Problem am Großvenediger ". Einer meiner Freunde nannte dies „ die neueste alpine Verrücktheit " und ich fürchte, mancher werde ihm nach dem Lesen von Herrn Lammers subjektiver Schilderung beistimmen. A. Heilmanns „ Vom Spitzkofel zur Kellerwand " und Hans Wödls: „ Die Niedern Tauern IV " sind sehr ansprechend. Arbeiten kleinern Umfangs sind endlich: E. Richter: „ Bericht über die Schwankungen der Gletscher der Ostalpen 1888—1892 "; F. Seeland: „ Studien am Pasterzengletscher " und K. R. Koch: „ Über künstliche Gletscher ".

Von den Illustrationen kann man nur Gutes sagen. Die große Auflage erlaubt eben auch die teuren Verfahren, wie Photogravure und Lichtdruck, fast ausschließlich anzuwenden. Daß dagegen die Karte der Ötzthaler- und Stubaiergruppe, die der Zeitschrift beigegeben ist, im ganzen der Karte des Albulagebietes ( S.A.C. XXVIII Beilagen ) vorzuziehen sei ( siehe Alpina II, pag. 72 ), würde ich auch dann nicht geäußert haben, wenn ich nicht Redaktor des S.A.C.J.ahrbuches wäre. Die neue Leistung des Schweizer Ingenieur Simon im Dienste des befreundeten Vereins ist sicherlich eine anerkennenswerte und der Fortschritt gegenüber den frühem Kartenbeilagen der Zeitschrift sehr merkbar in mehrern Beziehungen, aber eine Reliefkarte, wie sie der S.A.C. nun zum dritten Mal in immer verbesserter Form publiziert, ist sie eben nicht, und ob die Kurven von 50m Äquidistanz genauer seien, als die unsern von 30 m, kann man doch nicht ohne Vergleichung im Terrain wissen. Ich bestreite, wie gesagt, das Verdienst der neuen Publikation nicht, und es wird mich freuen, wenn die weitern Blätter noch mehr dem Ideal einer Clubkarte sich nähern, das erreicht zu haben wir unserseits noch weit entfernt sind.

Auch die Mitteilungen enthalten eine Menge von touristischem und wissenschaftlichem Stoff. Ich erwähne als mir besonders wertvoll erschienen: „ Die Vajolett-Türme " von Dr. H. Heiversen; „ Säntis und Wildkirchli " von Dr. J. Schäfter; „ Zur Frage der ersten Ersteigung der Königsspitze " von L. Friedmann, und „ Wer ist der erste Ersteiger der Königsspitze " von P. Corb. Steinberger; „ Einige Stiefkinder in der Silvrettagruppe " von Dr. Haag; „ Neue Touren in den Julischen Alpen " von Dr. Julius Kugy.

Ferner eine Reihe von Artikeln über Hüttenbesuchs - Statistik und Ausrüstung, Verproviantierung der Schutzhäuser, Gefahren und Unglücksfälle in den Alpen, das alpine Motiv in der modernen Landschaftsmalerei, die Ausrüstung des Bergsteigers, die Hüttenapotheken, Bergsport und Alpinismus, Gletschervermessungen und -beobachtungen im Ötzthal, auf deren wichtigen Inhalt ich hier so wenig eingehen kann, als auf die zahllosen nützlichen Notizen über Weg und Steg, Hütten und Führer, Verkehr und Unterkunft etc. Auf den Artikel „ Zum Kampf um den Namen Steineralpen " habe ich oben schon in zustimmendem Sinne hingewiesen. Gegen einen andern, „ Bayerische und österreichische Bergführer in der Schweiz " von C. Arnold, müßte ich hier eine Lanze einlegen, wenn dies nicht schon Dr. M. Schneeli in der Alpina II, pag. 8 ff. in hinlänglich spitziger Weise gethan hätte. Darum keine Feindschaft nicht, aber wer über Führerwesen allgemeine Sätze aufstellen will, muß sich über eine lange und reiche Erfahrung ausweisen können, wenn er bei Kennern Zustimmung finden soll. Die Mitgliederzahl des D. u. Ö.A.V. ist per Ende 1893 auf 29,286 gestiegen, das Vermögen auf 51,436 M. 57. Unter den Ausgaben figuriert die Zeitschrift mit cirka 56,000, die Mitteilungen mit cirka 54,000, Weg- und Hüttenbau mit cirka 39,000 M. als größte Posten. Die Kosten von Band XXIV der Zeitschrift stellten sich auf 1 M. 92, trotz der Ötzthalerkarte, deren Erstellung gegen frühere Blätter erheblich teurer zu stehen kam. Der D. u. Ö.A.V. konnte also sein Jubiläumsjahr mit dem ruhigen Bewußtsein einer gefüllten Kasse und tüchtiger Kräfte antreten. In diesem Jubiläumsjahr 1894 wird wohl auch das große Werk „ Die Erschließung der Ostalpen " zu Ende geführt werden, von dem bereits zwei Bände fertig vorliegen. Wir versparen ein Gesamturteil über das Ganze auf den Zeitpunkt der Vollendung.Red.

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