Der Lack ist ab Wenn SAC-Hütten renoviert werden

Die Cabane de Chanrion im Unterwallis und die Chamanna d'Es-cha in Graubünden werden 2019 umgebaut. Anders als ihre Vorgängerinnen bieten sie jetzt schon mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Sie bieten ein Bergerlebnis in beeindruckender Lage. Man ist ausgesetzt und geborgen zugleich. Mit den geplanten Erneuerungen profitieren die Gäste noch mehr. Aber auch das Hüttenwartteam und die Natur.

Zuhinterst am Mauvoisin-Stausee im Val de Bagnes im Unterwallis schmiegt sich die Cabane de Chanrion CAS an die Bergflanken. Sie ist ein beliebtes Hüttenziel ebenso bei Familien wie bei Alpinisten oder Mountainbikern. Und im Winter ist sie ein wichtiger Etappenort für die Skitourenfahrer auf der Haute Route von Chamonix nach Zermatt.

Gegen 2600 Besucherinnen und Besucher arbeiten sich Jahr für Jahr auf 2462 m ü.M. zur Hütte hinauf. Kein Pappenstiel, dauert doch der kürzeste Zustieg zur Hütte von Mauvoisin dreieinhalb Stunden. Doch wer oben ankommt, wird für den schweisstreibenden Aufstieg belohnt: Grandioses Panorama, freundliche Bewirtung, feines Essen.

Würmer arbeiten im Hochgebirge auf Hochtouren

Nun aber ist die Cabane de Chanrion der Sektion Genevoise in die Jahre gekommen. Die SAC-Hütte aus dem Jahr 1938 wurde letztmals 1986 renoviert. SAC-Hütten sind Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt und müssen damit häufiger unterhalten werden als Häuser im Tal. Infrastruktur und vor allem der Sanitärbereich sind nicht mehr zeitgemäss. Ein bewährtes System, das bereits erfolgreich in mehreren SAC-Hütten eingesetzt wird und auch bei der Chanrion Anwendung finden wird, sind die Trockentoiletten. Fäkalien und Urin werden getrennt. Weiter helfen Würmer, die Hinterlassenschaft der Gäste zu Kompost zu verarbeiten, der oftmals im Tal weiterverwendet wird. Gärtner freuts. 

Jede SAC-Hütte ist anders

Die Kunst besteht darin, für jede Hütte die beste Lösung zu finden: Manchmal können die alten Steinbauten sanft renoviert und ins Neue eingebunden werden. So geschehen bei der Binntal- und Terri-Hütte. Nicht überall ist eine Renovation möglich, manchmal entsteht eine neue Hütte anstelle der alten. Berühmtes Beispiel ist die Monte Rosa-Hütte, deren Form an einen Bergkristall erinnert und damit auch ein architektonisches Zeichen in die Landschaft setzt. Häufig ist es sinnvoll, die bestehende Hütte mit einem neuen Anbau zu erweitern wie bei der Cabane de Moiry- oder der Chamanna Monterascio. Nebeneinander von Alt und Neu. Diese Lösung wird auch für die Cabane de Chanrion angestrebt.

Um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, werden nicht nur die baulichen und technischen Mängel behoben, sondern auch der Komfort den heutigen Gästebedürfnissen angepasst. Konkret bedeutet das für die Hüttengäste: Sie werden während des Essens im neuen Aufenthaltsraum mit einer grosser Fensterfront einen ungetrübten und grandiosen Ausblick auf die Bergwelt geniessen. Dazu wird die Hütte im Osten mit einem Kubus ergänzt. Die Anzahl Betten wird von 73 auf 60 reduziert. Es gibt gemütliche 4er- oder 8er-Zimmer. Jetzt können Familien für sich übernachten. Und last but not least: Mit all diesen Neuerungen erhält das Hüttenteam bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Das Hüttenteam kann abends nicht nach Hause ins Tal. Es bleibt vor Ort – häufig mehrere Monate am Stück.

Infos zum Umbau der Cabane de Chanrion

Die Arbeiten sind für 2019 geplant. An die Baukosten von 3,26 Millionen Franken zahlt der SAC aus dem zentralen Hüttenfonds 35%, maximal aber 1‘160‘916 CHF. Weitere 20'000 CHF kommen aus dem Abwasserfonds des SAC.

Sanfte Renovation für die Chamanna d'Es-cha

Wer die Chamanna d’Es-cha im Bündnerland nicht kennt, ist selber schuld. Sie ist ein wahres Bijou. Auf einer Rippe gelegen, blickt man von der Hütte auf 2594 m ü.M. über das Engadin, rechts hinten die Bernina-Gruppe. In ihrem Rücken thront der Piz Kesch. Atemberaubend. Die Hütte ist ein Etappenziel auf dem beliebten Kesch-Trek, einer Viertages-Wanderung von SAC-Hütte zu SAC-Hütte. Gegen 2300 Übernachtungen jährlich zählt sie. 

Auch sie kommt unters Messer. Oder unter den Bagger. 1988 wurde die Hütte letztmals renoviert und erfüllt in verschiedener Hinsicht die heutigen Anforderungen an einen zeitgemässen, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr. Damit das Hüttenteam die Gäste weiterhin zur vollen Zufriedenheit bewirten kann, sind eine umfassende Renovation sowie eine Erweiterung der Hütte notwendig.

Die Hütte punktet mit Gemütlichkeit und urchiger Stube

Die Es-cha verkörpert die ursprüngliche SAC-Hütten schlechthin – Natursteinbau,  Satteldach, klein, im Inneren mit Holz ausgekleidet, urgemütlich. Wer in die Chamanna eintritt, wird trotz begrenztem Raum von Wärme und Geborgenheit empfangen. Eine Besonderheit der Hütte ist die einmalige Stuckaturdecke in der gemütlichen Stüva. Keine Angst – die bleibt erhalten. Ebenso sorgt die Besitzerin der Hütte, die Sektion Bernina, dafür, dass der weitherum bekannte authentische und urchige Charme der Es-cha erhalten bleibt. 

Die Ausstattung bleibt pragmatisch. So wird, nur wo nötig, im Gäste- sowie im Hüttenwartsbereich sanft renoviert. An den bestehenden Natursteinbau wird bergseitig im Nordwesten ein Kubus angefügt. PV-Anlagen und Sonnenkollektoren auf dem Dach sorgen für Strom und Warmwasser. SAC-Hütten werden immer nachhaltiger und streben immer mehr die autarke Versorgung an. Durch diese kompakte Erweiterung können die betrieblichen Abläufe vereinfacht werden und eine umweltfreundliche sanitäre Anlage mit Trockentoiletten wird ermöglicht. Die Hütte selbst bleibt einfach. Aber gegen ein paar Verbesserungen, die jede Bergtour angenehmer machen, ist nichts einzuwenden. So können Berggänger nach dem Umbau ihre nassen Bergkleider in einem Trockenraum aufhängen. Der Mief, der sich traditionell in den Schlafräumen durch die feuchten Kleider anstaut, wird dadurch minimiert – und dank kleineren Mehrbettzimmern schläft man noch angenehmer.

Infos zum Umbau der Chamanna d'Es-cha

Die Arbeiten sind für 2019 geplant. An die Baukosten von 2,3 Millionen Franken zahlt der SAC aus dem zentralem Hüttenfonds 32%, maximal aber 740‘140 CHF. Weitere 20'000 CHF kommen aus dem Abwasserfonds des SAC. Die Anzahl Schlafplätze werden nicht verändert. Nach dem Umbau stehen wie bis anhin 50 Schlafplätze zur Verfügung.