Annalisa Tognon und Hannah Hermann zählten zu den 21 selektionierten Sportkletterinnen, die im Oktober an den Youth Olympic Games in Buenos Aires starteten. Mit der Teilnahme ging für die beiden Athletinnen des SAC Swiss Climbing Teams einer ihrer grössten Träume in Erfüllung, auch wenn Edelmetall ausser Reichweite lag.

Es war die grosse Generalprobe für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. 42 Nachwuchs-Athletinnen und Athleten aus 25 Ländern und fünf Kontinenten kämpften in der argentinischen Hauptstadt erstmals um Gold, Silber und Bronze im Sportklettern. Mit dabei Annalisa Tognon aus Langnau am Albis und die Luzernerin Hannah Hermann, beide 17 Jahre alt.

Viel Zeit um sich auf das bisher grösste Abenteuer in ihrer noch jungen Sportlerkarriere vorzubereiten, hatten die Schülerinnen allerdings nicht. Kurzfristig wurden Startplätze frei und die Schweizerinnen nachselektioniert. „Als ich einen Monat vor den Spielen erfahren habe, dass ich nach Buenos Aires reise, kam es mir sehr surreal vor und ich brauchte ein paar Tage, um diese Nachricht zu verdauen. Aber natürlich freute ich mich riesig“, erzählt Hannah Hermann. Auch für Annalisa Tognon kam die Nachselektion überraschend. Die Ferien nach Mauritius waren bereits gebucht. Doch die Aussicht auf diese einmalige sportliche Gelegenheit liess alle Ferienpläne augenblicklich in den Hintergrund rücken. Begleitet wurden die beiden Sportkletterinnen von Nationaltrainer Loic Gaidioz.

Die dritten Olympischen Spiele der Jugend

Gigantische Wolkenkratzer umrahmten den „Urban Park“ im Stadtzentrum von Buenos Aires, welcher Schauplatz und von allen Seiten viel gerühmter Publikumsmagnet für das Sportklettern, BMX Freestyle, Basketball, Kanu, Rudern und den Tanzsport war. Für Hannah und Annalisa startete die Qualifikation am Sonntag, 14. Oktober. Geklettert wurde in der neuen, olympischen Kombination. Diese beinhaltet die drei Disziplinen Speed, Bouldern und Lead.

Hannah erreichte im Speed mit einer Zeit von 12.55s Platz 15. Annalisa wurde mit einer Zeit von 14.20s 20. Im Bouldern konnten sich die Schweizerinnen je nur zwei Zonen gutschreiben lassen. Die Luzernerin wurde 18., ihre Teamkollegin 19. Die Lead-Qualifikation, bei der das Top von keiner Athletin erreicht wurde, beendeten Hannah auf Platz 13 und Annalisa auf Platz 18.
In der Schlussabrechnung, bei der die drei Ränge der Einzeldisziplinen miteinander multipliziert wurden, belegten Hannah Hermann den 17. Schlussrang und Annalisa Tognon Platz 20. Das Finale der besten sechs Athletinnen lag in weiter Ferne.

Hannah Hermann
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Mit dem Endresultat bin ich mässig zufrieden. Ich habe wirklich alles gegeben und fühlte mich vorab sehr gut. Leider hat die Umsetzung im Wettkampf nicht wunschgemäss funktioniert. Aber das Kombinationsformat gefällt mir gut, auch wenn es sehr anstrengend ist, physisch wie mental. Wichtig ist, dass ich viele taktische Lehrschlüsse aus dem Wettkampf mitnehmen konnte.
Hannah Hermann

Auch Annalisa stellt die Erfahrung vor das Wettkampfresultat. „Mit nur einem Monat Vorbereitungszeit war mir bewusst, dass ein Top 10 Resultat schwierig wird. Für mich stand das Lernen und Erfahrungen sammeln im Vordergrund“, so Annalisa.

Die allerersten Olympischen Goldmedaillen im Sportklettern sicherten sich Sandra Lettner (AUT) und Keita Dohi (JPN).

Für die beiden Schweizer Teamkolleginnen, die nun seit einer Woche wieder die Schulbank drücken, bleiben die Youth Olympic Games ein unvergessliches Erlebnis. „Dass ich das Abenteuer Buenos Aires zusammen mit Hannah erleben durfte, schätze ich sehr. Wir hatten gemeinsam mit unserem Trainer Loïc eine fantastische Zeit“, schwärmt Annalisa. Und Hannah ergänzt: „Selber an den Spielen zu klettern, aber auch den anderen Athleten zuzuschauen, sie anzufeuern und neue Freundschaften zu knüpfen war einfach toll."

Vier Medaillen für das Swiss Olympic Youth Team

Die Schweizer Delegation bestehend aus 40 Athletinnen und Athleten konnte sich an diesem Nachwuchs-Multisportanlass mit rund 4000 Athleten aus über 200 Ländern über vier Medaillen freuen. Die Triathletin Anja Weber gewann Gold in der Mixed Staffel und Bronze im Einzelwettbewerb. Luftpistolenschütze Jason Solari holte ebenfalls Bronze, und das BMX-Duo Zoë Claessens und Kevin Schunck fuhr im Mixed-Rennen auf den zweiten Platz.

Die nächsten Olympischen Jugendwinterspiele finden im Januar 2020 in Lausanne statt. Skitourenrennen wird da zum ersten mal im Programm sein und dem SAC bietet sich eine weitere Gelegeneheit, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Die Sommer-YOG 2022 werden in Dakar (Senegal) durchgeführt, womit es zum ersten olympischen Anlass in Afrika kommt.