Der Zentralverband des Schweizer Alpen-Club SAC ist trotz gewichtiger Bedenken mit dem Nationalpark-Projekt Locarnese einverstanden. Die SAC-Sektion Locarno begrüsst den Nationalpark explizit. Dies halten heute beide in einer gemeinsamen Vernehmlassungsantwort zuhanden der Parkgemeinden fest.

Der geplante Nationalpark Locarnese erstreckt sich von den Brissago-Inseln auf 193 m ü.M. bis zum Walserdorf Bosco Gurin auf 1506 Meter. Initiiert wurde das Projekt von den acht betroffenen Gemeinden der Region.

Trotz strenger Gesetzgebung gutes Projekt erarbeitet

Der SAC-Zentralverband bemängelt zwar die aus seiner Sicht allzu strikten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Ihm ist  es ein Anliegen, dass Bergsportler auch in Kernzonen neuer Nationalpärke im weglosen alpinen Gelände unterwegs sein dürfen.

Da aber die SAC-Sektion Locarno frühzeitig in das Projekt miteinbezogen wurde, sind bereits die meisten Anliegen der Alpinisten in die Nationalpark-Charta eingeflossen. „Der Vorstand und ein Grossteil unserer Sektion sind für den neuen Nationalpark. Die Charta sieht sogar neue Hütten und Wanderwege vor und stellt den Wegeunterhalt sicher, der für die Gemeinden eine grosse Herausforderung ist“, sagt Sektionspräsident Hansjürg Frei.

Kernzone: Wesentliche Unterschiede zum Parc Adula

Der SAC erkennt im Nationalpark denn auch Chancen für die Region. „Im Dialog mit der Sektion und Parkverantwortlichen und auf einer Begehung in der Kernzone konnten wir uns davon überzeugen, dass wir in einer Gesamtbetrachtung mit dem Nationalpark durchaus leben können“, sagt Philippe Wäger, Ressortleiter Umwelt und Raumentwicklung beim Zentralverband in Bern. Am Ende liege der Entscheid im Sommer 2018 aber in den Händen der ansässigen Bevölkerung.

Im Vergleich zum Parc Adula, welcher 2016 von den Gemeinden klar abgelehnt wurde, weist die Kernzone im Locarnese ganz andere Strukturen auf. Sie ist flächenmässig über 50% kleiner, in sieben Zonen aufgeteilt und betrifft nicht nur alpines und hochalpines Gelände: Ein Grossteil der Kernzone ist dichter Wald und schon heute Waldreservat. Hier bleibt man ohnehin vorwiegend auf den Wegen.

Ergänzungen der Charta nötig

Trotz seiner Zustimmung verlangt der SAC in seiner Vernehmlassungsantwort aber einige Präzisierungen und Ergänzungen. Insbesondere beantragt er eine Erweiterung des Routennetzes mit einzelnen traditionellen und anspruchsvolleren Touren. „Wir betrachten diese Routen auch als Kulturgut, die den Nationalpark aufwerten und es ermöglichen, die sich selbst überlassene Natur intensiv zu erleben, ohne sie zu gefährden“, ergänzt Philippe Wäger.

Auch wenn er Einschränkungen in sensiblen Lebensräumen befürwortet, lehnt der SAC pauschale Weg- und Routengebote, wie sie die Pärkeverordnung des Bundes vorsieht, eigentlich ab. Dabei verweist er auf die weniger strikte Anwendung in alpinen Nationalpärken der Nachbarländer. Dies gerade in einer Zeit, wo auch ausserhalb von Nationalpärken über Jagdgesetze zahlreiche Bestrebungen laufen, den Zugang zur Natur zu beschränken, so auch im Tessin über Wildruhezonen.